- Ernährung
„Codium“: Smaakt zeer goed!
6 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im Februar: Frischester Fisch wird in dem holländischen Restaurant wohlst schmeckend zubereitet und auf sehr sympathische Art serviert.
Die Deutschen lieben Zeeland, die niederländische Provinz nördlich von Belgien. Vor allem Besucher aus Nordrhein-Westfalen zieht es magisch in so malerische Orte wie Domburg und Middelburg. Nicht ganz so stark im Fokus der Deutschen steht das lauschige Städtchen Goes, das von den Einheimischen rachenstark als „Chus“ ausgesprochen wird. Dabei hat es eine imposante Kirche, einen prächtigen Marktplatz mit einladenden Cafes, Gasthäusern, etwa das beeindruckende Brauhaus „Slot Oostende“, und als besonderen Reiz einen alten Hafen mitten in der Altstadt.
Mit Zugang zum Meer: Altstadthafen von Goes
An einem der schönen Plätze liegt das einladende Hotel „Katoen“, wo es sich gut übernachten lässt und wo eine anheimelnde Brasserie lockt. Direkt gegenüber wartet das erst vor einem knappen halben Jahr eröffnete „Codium“, das seinen Namen der bekannten Felt-Alge verdankt – womit auch sehr gut das kulinarische Programm des dezent-elegant eingerichteten Restaurants umrissen ist: Meeresfrüchte und Fische aus den nahen Meeren bilden einen Schwerpunkt.
Hinter den Blumen lockt der Genuss: „Codium“
Wouter Kik heißt der Koch, der sich mit dem Codium selbständig gemacht hat, nachdem er in zwei zeeländischen, höchst dekorierten Sternehäusern wichtige Positionen begleitet hat. Sein kongenialer Kompagnon ist Jean Luc Etienne, der vorher in einem Top-Restaurant in Rotterdam der Sommelier war. Beide haben mit eigenem Geld und mit Unterstützung einer mutigen Bank das Restaurant aufgebaut, dem hoffentlich eine große Zukunft beschieden ist. Wie gut er kochen kann, zeigt Wouter Wik mit einem Feuerwerk an Kleinigkeiten vorweg, wo etwa eine großartige Makrele und eine Zubereitung mit Austern-Wasser begeistern.
Verheißungsvoll: Variation von witzigen Vorspeisen
Angeboten wird ein Menü, das von vier bis acht kleinen Gängen reicht – und bei 59 Euro beginnt. Wir entscheiden uns für sieben Gänge, die 82,50 Euro kosten und lassen uns von Jean Luc Etienne passende Weine für 7,50 Euro das Glas aussuchen. Wer will, kann auch aus einer beeindruckenden Weinkarte mit Schwerpunkt Frankreich wählen. Den Menüanfang macht ein leicht geräucherter Seehecht, begleitet von einer milden Sauce aus Meerrettich und Mandeln (ja, das passt!). Der orange „Deckel“ erfrischt zitronig, die Blütenblätter grüßen den Frühling. Ein Gedicht dazu der eigensinnige biologische Weißwein „Lafont“ aus der Gegend von Valencia.
Auch das Auge isst mit: Seehecht mit Meerrettich-Sauce
Ein fast schon alchimistischer Gang: Eine fermentierte Auster, amalgiert mit Lauch, schwarzer Muschel, süß-saurer Zwiebel, Soja, Algen und einer Sauce aus schwarzem Curry. Was sich wie eine wilde Mischung anhört, entpuppt sich als vielschichtiger Genuss, wo vor allem ein Produkt verzaubert, das Wouter Wik besonders fasziniert: Austern aus dem nicht weit entfernten Yerseke.
Schmeck das Meer: Algen und Auster
Ungewöhnliche Kombinationen aus schlichten Produkten sind ein Markenzeichen von „Codium“: Hier eine saftig-intensive Langustine, der Mandarine einen süßen Kick gibt – und wo ein zart-bitter frittiertes Grünkohlblatt für die Balance sorgt. Alles eine sehr leichte, höchst bekömmliche Version der französischen Haute Cuisine.
In leichter Mandarinensauce versteckt: Langustine
Die Gänge begleiten keine allzu teuren, aber sehr passende Weine, wie ein elegant-vollmundiger Grauburgunder vom rheinhessischen Weingut Gunderloch. Jean Luc Etienne hat ein Händchen dafür – und er weiß die Tropfen klug zu erklären. Das übrigens auf Deutsch. Sowohl er wie auch Wouter Wik sprechen die Sprache gut – und sie sprechen sie gerne!
Rheinwein adelt die Schätze des Meeres: Gunderloch
Es sind nicht viele Gäste an diesem Abend, aber das stört die gute Stimmung nicht im Geringsten. Was sicher auch daran liegt, dass das junge Team aus der halb offenen Küche viele Gänge selbst serviert – und vor allem Wouter Wik kredenzt seine Kreationen mit entwaffnender Herzlichkeit. Etwa einen glasig gedünsteten Heilbutt, kombiniert mit einer kräftigen Sauce aus Verjus, dem aromatischen Saft unreifer Trauben. Zum Zungenschnalzen animieren auch die unfassbar frischen Muscheln – Meer hier wirst du essbar!
Dreamteam: Heilbutt, Muscheln, Verjus und Walnuss
Kürzest gebraten ist der Zeebaars, der Seebarsch, was alle Vitalstoffe des Fisches bestens bewahrt – und so ist diese Küche auf eine angenehm raffinierte Weise auch höchst gesund. Etwas zu intensiv gerät die Sauce und lenkt damit fast ein wenig ab von dem saftigen Fisch, den knusprig frittierte Kartoffelstückchen zieren. Wir monieren die scheinbar fehlende Auster – und der Koch liefert sie uns prompt mit verschmitztem Lächeln auf zwei kleinen Löffeln. Wouter Nik hat sie in einen geschmeidigen Klacks verwandelt, der wie Rindermark schmeckt. Wer bislang keine Austern mochte, wird sie hier lieben lernen.
Begleitet von Avocado und Auster: Seebarsch
Ein Vollblutkoch wie Wouter Nik kann natürlich nicht nur Fisch, sondern auch Fleisch. Und wie: Der Hals vom Iberico-Schwein ist unfassbar saftig-zart, zum Dahinschmelzen. Radieschen senden Frischesignale, die Oliven-Sauerkraut (kein Schreibfehler!) – Creme ist zum Niederknieen. Kein Zweifel, hier wird bald ein Stern leuchten.
Schwein, wie schön kannst du sein
Gar nicht alles zeigen kann ich hier, etwa ein feines Gericht mit Bries. Es folgt noch ein herrliches Dessert aus Joghurt, Kombucha und Algen – und dann eine ganze Armada von neckischen, natürlich viel zu süßen Kleinigkeiten, wie etwa selbst gemachte Pralinen. Das alles habe ich zum Entsetzen der jungen Köchin nicht gegessen. Aber schließlich soll sich auch nach dem Essen der Blutzucker in schicklichen Bahnen bewegen.
Leben Lebenslust: Jean Luc Etienne, Wouter Kik
Langsam neigt sich der abwechslungsreiche Abend dem Ende entgegen. Aber nichts wirkt hier steif, viele Gäste sind in der Küche, es wird gelacht, es wird gescherzt. Ja, so muss die Spitzenküche der Zukunft aussehen: Heiter und gelassen.
Steht für interessante Perspektiven: Felt-Alge
Voller Freude fahre ich schon bald noch einmal ins gastliche „Codium“ – aus zwei Gründen: Zum einen möchte ich den nur im April und Mai einzigartig schmeckenden Hummer von Zeeland probieren. Und ich will den „Algen-Mann“ kennen lernen, der für Wouter Kik den Tang sammelt – und ich hoffe natürlich, dass mir der begabte Koch zwei oder drei Gerichte zaubert, bei denen dieses Lebens-Mittel der Zukunft im Mittelpunkt steht.
Fazit: Mit seiner Produkt-frischen Küche, dem sympathischen Service wird sich das Restaurant bald einen festen Platz in den Herzen der Gourmets erobern.
„Codium“
Adresse: Vlasmarkt 6, 4461 CW Goes
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr. Freitags auch mittags geöffnet.
Kontakt: 0031 113/85 35 35, www.restaurantcodium.nl
Tipp: Wer Meeresfrüchte mag, dem sei die Fahrt ins zehn Kilometer entfernte Yerseke ans Herz gelegt, eines der Zentren der holländischen Austern- und Muschelverarbeitung. Direkt vom Erzeuger probieren lassen sich die Köstlichkeiten in der „Oesterij“, ein Laden mit angeschlossenem, schlichten Lokal, wo es sich rustikal auf Holzbänken sitzt, und der Blick über die Austernbecken aufs Meer schweift.
Mittags ist die Hütte brechend voll, und es empfiehlt sich, möglichst nur die reinen Meeresfrüchte zu bestellen, denn Beilagen, wie etwa Mayo, sind nicht der Rede wert. Wir probieren ausgezeichnete Muscheln, erfahren aber zu unserer Verwunderung, dass sie nicht aus der eigenen Zucht, sondern aus Deutschland stammen. „Keine gute Zeit für Muscheln“, lautet die lapidare Begründung. Eigen und unfassbar wohl schmeckend sind die topfrischen Austern, etwa die kleinen, zart nussigen Dutch Imperial für 27,50 Euro das Dutzend. Dazu ein Glas Weißwein – und selbst bei Regenwetter scheint plötzlich die Sonne.
Leben, das Lebenskraft spendet: Austern
ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
L’Imprimerie: Vive la France
4 Minuten
- Ernährung
Izmir: „Fischeparadies“
6 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
