„Cookies Cream“: Crazy!

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© Cookies Cream
„Cookies Cream“: Crazy!

Das Echt essen-Gasthaus im Januar: Verrückt die Location, vorzüglich das Vegetarische, kreativ die Getränke, lässig der Service. „Cookies Cream“ in Berlin macht alles anders – und trotzdem alles richtig. Crazy!

Das gibt´s nur in Berlin. Das geht nur in Berlin: Von der quirligen Friedrichstraße führt der Weg vorbei am noblen Westin Grand Hotel zur renommierten Komischen Oper. Genau dazwischen ein schummriger Gang. Einmal rechts, einmal links, vorbei an Mülltonnen, oben funzelt ein überdimensionierter Kronleuchter. Dann eine ausgetretene Treppe, eine ramponierte Stahltür. Klingeln, anschließend durch eine abgewetzte Bar und über eine hallende Stahlstufen ins „Cookies“.

Nur Mut: Bald haben sie ihr Ziel erreicht

Willkommen in Berlin Hipster mit dem wenig diskreten Charme einer ehemaligen Fabrikhalle. Links eine große offene Küche, rechts die mit feinem Tuch eingedeckten Tische und überraschend bequemen Stühlen. Der weiblich-männliche Service ist lässig, ist gut drauf, duzt gerne – und spricht sogar deutsch, was in den Szenelocations der Hauptstadt längst nicht mehr selbstverständlich ist. Gekocht wird ausschließlich vegetarisch – und das mit großem Erfolg, das seit zehn Jahren bestehende Restaurant wird von den Gästen geradezu gestürmt.

Aber bitte mit Tischtuch: Cookie-Charme

Empfehlenswert ist das viergängige Menü für 55 Euro. Plus die Getränkebegleitung für 30,50 Euro – egal ob mit Alkohol oder ohne. Wir probieren beides – und sind vor allem von den meisten Getränken ohne Alk begeistert. Das Menü startet gleich mit einem Knaller: Ein täuschend echt nach Kaviar schmeckender „Kaviar“, der aber aus Algen besteht. Höchst intensiv die Majo-Haselnusscréme, wunderbar die knackig gerösteten Haselnüsse. Nur die trendige Avocado könnte was reifer sein.

Etwas zu brav ist leider das Getränk, eine Mixtur aus feiner Zitrone, erfreulich wenig Honig und Jalapeno. Eine etwas kräftigere Dosierung des Chilis würde wohl mehr Feuer verleihen. Fein dagegen der krispelige Salzrand am Glas.

Auch vegetarisch ein Hochgenuss: „Kaviar“

Unfassbar, welchen Hochgenuss Koch Stephan Hentschel aus dem Allerweltspilz Champignon zaubert. Verführerisch sind Duft und Geschmack der herrlich heißen Essenz, ein Gedicht die mit Champignon und Mandel gefüllte, nicht zu dicke Teigtasche. Wohltuend der Frischekick durch das Sellerieblatt.

Eine Offenbarung ist der Cocktail aus Cranberry, Limette und Balsamico. Ein wahres Hexengebräu mit herrlicher Säure, was sowohl allein gut schmeckt – und mit dem Champignon eine geradezu betörende Symbiose eingeht. Ganz großes Gourmetkino!

Wunderbar, was ein Pilz werden kann: Champignon-Essenz

Gemeinhin gilt die Aubergine als Gemüselangweiler. Nicht so im „Cookies“. Fein bebröselt, in Mohn? gewälzt und gebacken kommt sie hier zusammen mit Tomatencréme auf den Tisch. Geziemend begleitet von bissfesten Bohnen, gekrönt von einem modischen Papadam.

„Cookies Coke“ heißt der assoziierte Cocktail, gottseidank keine amerikanische Süßbrühe. Sondern ein dezentes Gemisch aus Blutampfer, Limette, Sternanis und Wacholder, wie der bemerkenswert gut informierte Service weiß. Nicht schlecht. Besser wäre es aber, wenn das Ganze etwas konzentrierter sowohl von der Menge wie vom Geschmack wäre.

„Langweiler“ gekonnt inszeniert: Aubergine

Erfreulich das Dessert, das hier kein Griff in die Zuckerdose ist. Sondern die hocharomatische Blaubeere schlummert in süchtig machender Créme, das Sorbet ist schlotzig – und zeigt, dass Nachtisch nicht Süßtisch heißen muss. Fein der leicht salzige Chip und der gekonnt eingesetzte Sellerie vertreibt den letzten Gedanken ans Süßliche. Spannend, wie viele Köche in jüngster Zeit ganz selbstverständlich Gemüse in den Essensabspann integrieren.

Ein Glanzpunkt das kredenzte Getränk, eine Kombination aus Granatapfel, Hibiscus, Zitrone und frisch gemahlenem Schwarzen Pfeffer. Das mundet so hinreißend, dass in keiner Sekunde der Alkohol vermisst wird – obwohl der alternativ servierte, mit Marc aufgesprittete Jurawein der Domain Pignier auch eine raffinierte Delikatesse darstellt. Überhaupt die Weine, da sind sehr viele der angesagten Naturtropfen dabei, die einen weiteren Besuch ratsam werden lassen – wobei ich mir gut vorstellen kann, dann zwischen alkoholischer und nichtalkoholischer Begleitung zu switchen. Das Beste aus zwei Welten sozusagen.

Gehört immer selbstverständlicher ins Dessert: Gemüse

Gut gesättigt, aber nicht überladen klingt für uns das Menü aus – und schon werden wir freundlich, aber doch unmissverständlich gebeten, den Tisch bald freizugeben, da noch viele Gäste warten. Zwar hatten wir bei der Reservierung um einen längeren Aufenthalt gebeten. Aber das ist übersehen oder bewusst ignoriert worden.

Egal, wir brechen auf – ich rede noch kurz mit dem sympathischen Chefkoch Stephan Hentschel, den meine charmante Begleiterin mit meinem neuen Buch über unsere Traditionsmedizin bezirzt hat. Heilkräuter interessieren ihn, sagt er mir. Auch dass er das Gemüse von Lieferanten bezieht, wo auch andere wichtige Gemüseköche einkaufen. Es gibt wohl auch noch einen eigenen Garten in Brandenburg – was ich alles gerne einmal genauer wissen will.

Schätzt kluge Kräuter-Bücher: Stephan Hentschel

Fazit: Eine exzellente, natürlich gesunde Gemüseküche mit Maßstab setzender Getränkebegleitung in einer Location, die polarisiert.

Die einen lieben sie. Für die anderen gilt, was weiland Franz-Josef Strauß (für unsere jungen Leser: CSU-Lebemann, Atom- und Rüstungslobbyist) salopp so formulierte: „Wer everybodys Darling sein will, ist irgendwann everybodys Arschloch“.

„Cookies Cream“


Adresse: Behrensstraße 55, 10 115 Berlin

Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr. Bei großem Andrang wird der Aufenthalt auf zwei Stunden limitiert. Wer länger bleiben will, muss es vorher sagen – was aber in Wirklichkeit nicht wirklich funktioniert.

Kontakt: 030/2749-2940, www.cookiescream.com


ECHT ESSEN  heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

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      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?