DiaBuchtipp: Vom Schwergewicht zum Wohfühl-Ich – Das Steiner-Prinzip

3 Minuten

Community-Beitrag
DiaBuchtipp: Vom Schwergewicht zum Wohfühl-Ich – Das Steiner-Prinzip

Matthias Steiner hat seit exakt seinem 18. Geburtstag Typ-1-Diabetes. Das hat ihn nicht davon abgehalten, seine Karriere als Gewichtheber weiterzuverfolgen und 2008 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Peking in der Superschwergewichtsklasse zu holen. Matthias Steiner widmete diesen Sieg seiner ein Jahr zuvor verstorbenen Ehefrau und nahm die Medaille mit einem Foto von ihr in der Hand entgegen. Lange galt er als „der stärkste Mann der Welt“. Das alles verdient in meinen Augen schon ungeheuren Respekt. Ich weiß schließlich bereits aus meinen bescheidenen Erfahrungen als Hobbyathletin, wie anspruchsvoll es sein kann, Typ-1-Diabetes und Sport miteinander zu vereinbaren.

© Wikipedia Commons
© Wikipedia Commons

Doch nach dem Ende seiner aktiven Sportlerkarriere hat Matthias Steiner nun auch noch 45 Kilo Körpergewicht verloren. Und er hat ein Buch darüber geschrieben, wie er vom Schwergewicht zum Wohlfühl-Gewicht gelangt ist. Der Titel interessierte mich, obwohl ich normalerweise kein besonderes Faible für Diätbücher habe. Ich trage zwar ein paar mehr Kilos mit mir herum, als ich mir eigentlich wünschen würde – aber es sind nur ein paar Kilos, die weder gesundheitlich noch optisch bedenklich wären. Daher hält sich mein Diät-Ehrgeiz in Grenzen und mit ihm mein Interesse an der entsprechenden Ratgeberliteratur. Das Buch von Matthias Steiner hingegen gefällt mir aus mehreren Gründen gut.

© Südwest Verlag
© Südwest Verlag

Erstens, weil er darin auch seinen Typ-1-Diabetes immer wieder nennt.

„Mit der Wirkung von Insulin auf den Körper kenne ich mich sehr gut aus. Ich bin ein unfreiwilliger Experte auf diesem Gebiet“, schreibt er, und: „Als Typ-1-Diabetiker lernst du zwangsläufig deinen Körper kennen oder, um es positiv zu formulieren: Im Verhältnis zu einem Gesunden kennst du dich mit deinem Körper einfach besser aus.“ Stimmt – und dieses Wissen können wir auch zum Abnehmen nutzen.

Zweitens, weil er sich für mehr Bewegung im Alltag starkmacht.

Es ist ja kein Geheimnis, dass man leichter abnimmt, wenn man sich viel bewegt und auf diese Weise mehr Kalorien verbrennt, als man zu sich nimmt. Doch Matthias Steiner kann aufgrund seiner Erfahrung als Kraftsportler sehr glaubwürdig und anschaulich schildern, wie sich ein Mehr an Muskelmasse positiv auf den Energiegrundumsatz auswirkt. Außerdem will er nicht jeden Leser zum Profisportler machen, sondern ermuntert vielmehr, mehr Bewegung in den Alltag einzubauen und die Freude an der Bewegung wiederzufinden. Dann ist Sport kein lästiges Pflichtprogramm mehr, sondern eine Wohltat.

Drittens, weil er über seine Erfahrungen in der Tanzshow „Let’s dance“ berichtet.

Ich muss gestehen, dass ich diese Show bis Anfang dieses Jahres nicht wirklich auf dem Radar hatte. Doch zum einen tanze ich selbst mit meinem Mann Standard/Latein und schaue gern anderen Paaren beim Tanzen zu. Und zum anderen fand ich es spannend, im Laufe der Staffel zu beobachten, wie Matthias Steiner sich zusehends geschmeidiger und eleganter auf dem Parkett bewegte. Von seinen gelegentlichen öffentlichen Kommentaren zu den Tücken des Blutzuckermanagements beim Tanzen einmal ganz abgesehen.

Viertens, weil er ein ähnliches Verhältnis zu Kohlenhydraten hegt wie ich.

Matthias Steiner beschreibt sehr schön, wie Insulin die Fettverbrennung hemmt und damit das Abnehmen erschwert. Folglich sollte man darauf achten, so wenig wie möglich Insulin im Blut zirkulieren zu lassen. „Ich schaue immer, dass ich so wenig Insulin wie möglich verbrauche. Im Gegensatz zum gesunden Menschen kann ich das genau sehen und auch steuern. Normalerweise komme ich mit der Insulinmenge in meiner Insulinpumpe sieben Tage lang aus. Esse ich aber mehr Kohlenhydrate oder treibe weniger Sport als sonst in einer Woche, komme ich mit der Ampulle nur fünf Tage aus. Esse ich hingegen weniger Kohlenhydrate oder treibe mehr Sport, dann reicht das Insulin sogar für neun Tage!“, schreibt er. Wenn er nur fünf Tage mit seinem Insulin auskommt, dann wiegt er gleich ein Kilo mehr. Es geht nicht darum, Menschen im Sinne einer strikten Low-Carb-Diät den Konsum von Kohlenhydraten zu verbieten – doch man sollte verstehen, dass man Bewegung braucht, um diesen Treibstoff zu verbrennen, von dem es in unserer industrialisierten Welt einfach viel zu viel gibt. Und das ist beim Essen eigentlich auch genau meine Devise.

Fazit: Ein schönes Buch für alle, die gern ihren Stoffwechsel besser verstehen und ein bisschen abspecken möchten – und die ein paar praxisnahe Motivationstipps dafür suchen.

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Atherosklerose behandeln: Enzym-Infusion bei Gefäß-Verschlüssen – alte Therapie neu entdeckt

Für die Therapie von Gefäß-Verschlüssen gibt es Standard-Verfahren. Mitunter reichen diese Möglichkeiten jedoch bei der Behandlung einer Atherosklerose nicht aus. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, das eine Enzym-Infusion hier Abhilfe schaffen kann.
Atherosklerose behandeln: Enzym-Infusion bei Gefäß-Verschlüssen – alte Therapie neu entdeckt | Foto: Jo Panuwat D - stock.adobe.com

3 Minuten

Schwerbehinderten-Ausweis und Führerschein: Arbeiten Behörden zusammen?

Manche Menschen mit Diabetes haben Bedenken, dass ein Antrag für einen Schwerbehinderten-Ausweis zu Problemen mit dem Führerschein führen könnte, da die Fahrerlaubnisbehörde und das Versorgungsamt beim gleichen Behörden-Träger angesiedelt sind und erstere von den dort genannten Beeinträchtigungen durch den Diabetes erfahren könnte. Sind solche Bedenken berechtigt?
Schwerbehinderten-Ausweis und Führerschein: Arbeiten Behörden zusammen? | Foto: Kaluya Stock - stock.adobe.com

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • moira postete ein Update vor 2 Wochen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

Verbände