- Ernährung
„Eiche“: Solide
4 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im März: Seit über 130 Jahren ist die Eiche im Wiesental im Besitz der Familie Lais. Ein solides gutbürgerliches Wirtshaus wie aus dem Bilderbuch.
Ein Gespenst geht um in Deutschland: Das Gasthaussterben. Gehörte früher das Wirtshaus so selbstverständlich wie die Kirche zum Leben einer Gemeinde, so hat sich das dramatisch geändert: Selbst im heimatstarken Bayern gibt es immer mehr Dörfer ohne auch nur ein einziges einheimisches Gasthaus – der Italiener oder gar der Kebabgrill sind kein adäquater Ersatz. Verschwindet aber das Wirtshaus, verschwindet immer auch ein Stück Heimat. Das fällt sogar der Politik auf, die darauf mit der Einrichtung eines Heimatministeriums reagiert. Wobei ich glaube, das kann nicht von „oben“ kommen, das muss vor Ort gelebt werden.
Symbol der Gastfreundschaft: „Eiche“-Schild
Gottseidank gibt es aber in der badischen 600-Seelen-Gemeinde Utzenfeld zwischen Schönau und Todtnau die „Eiche“ – ein ganz besonderes Gasthaus, das seit über 130 Jahren im Besitz der Familie Lais ist. Hier kehre ich an einem Mittwoch Abend mit meinem Freund Rudi ein, mit dem ich seit Jahren die Wirtshäuser im Wiesental, wo wir beide geboren sind, erkunde. Es gibt zwei Stuben, wir werden von der sehr freundlichen Bedienung in die hintere geführt. Viel los ist nicht an dem Abend, aber voll ist es vor allem am Wochenende und ganz wichtig ist der Saal, wo die Taufen, die Beerdigungen, die Hochzeiten, die runden Geburtstage, aber auch die Treffen der vielen hier noch aktiven Vereine stattfinden.
Heimelig auch ohne Heimatministerium: Gaststube
So ein Gasthaus mit den heimeligen Stuben, dem Saal gibt einem Ort eben eine Seele – und es ist schade, dass solchen Wirtschaften der Alltag so schwer gemacht wird: Es sind vor allem die unzähligen Auflagen an Hygiene, an Versicherungen, an Dokumentationen, die das Geschäft erschweren. Und wenn so ein Haus einen neuen Besitzer bekommt, bedeutet der überzogene Brandschutz oft das Aus für einen Traditionsbetrieb. Aber ich will nicht räsonieren, sondern essen – und freue mich auf die Küche von Anna Lais, der Besitzerin und Köchin der „Eiche“, die als eines von ursprünglich vier Gasthäusern der Gemeinde überlebt hat.
Klassiker der bürgerlichen Küche: Russisches Ei
Seit ich das Buch „Heimatküche“ geschrieben habe, bestelle ich mit Vorliebe unsere Klassiker – und freue mich, dass es in der Eiche „Russisch Ei“ gibt. Serviert werden verschiedene, frisch angemachte Salate, wobei vor allem der Wurst- und der Rettichsalat vorzüglich sind. Gut auch, dass die Eier innen noch leicht weich sind, was sie bekömmlicher macht. Das schmeckt alles gut, aber es fehlen doch ein paar entscheidende Komponenten für ein „richtiges“ Russisches Ei: Vor allem der Lachsersatz, die Sardelle und der falsche Kaviar. Egal, so ist es halt ein ordentlicher Salatteller für 8,50 Euro, und wer das klassische Rezept sucht, findet es in meinem Buch auf Seite 53.
Natürlich in der Pfanne gebraten: Cordon Bleu
Auch so ein Heimatklassiker, vor allem der Schweizer und der süddeutschen Küche: Das mit Käse und Schinken gefüllte Schnitzel. Nachdem mich die Bedienung gewarnt hatte, dass Russisch Ei und Schnitzel zusammen etwas viel sind, habe ich gottseidank die kleine Portion für 10 Euro bestellt. Das Schweinefleisch, das von einem Metzger aus Schönau kommt, ist eine feine Delikatesse: Genau die richtige Menge Schinken und Käse, das Ganze perfekt paniert und in der Pfanne saftig gebraten. Ideal dazu die feinen Pommes. Gut, es wird noch in einem Schälchen eine Sauce serviert, die wohl manche gerne haben. Sie ist natürlich überflüssig, schmeckt auch in der künstlichen Machart genau so. Aber das tut dem guten Gericht keinen Abbruch. „Schmeckt´s?“ ruft Anna Lais vom Tresen. Ja, es schmeckt!
Erfreulich die Preise, nicht nur für das Essen, sondern auch für die Getränke: Das sehr gut gezapfte Pils der Lörracher Traditionsbrauerei Lasser kostet als 0,3 sehr korrekte 2 Euro, ein 0,1 Glas spritziger Markgräfler Gutedel 1,80 Euro. Das sind Preise, die sich die Menschen leisten können – und so ist es kein Wunder, dass es hier noch einen belebten Stammtisch gibt.
Fazit: Solange es so sympathische Wirtshäuser wie die Eiche gibt, hat „Heimat“ eine Heimat.
„Gasthaus Eiche“
Adresse: Wiesentalstraße 7, 79 694 Utzenfeld
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 16 Uhr. Samstag, Sonntag ab 10 Uhr. Montag ist zu. Es gibt Gästezimmer und Ferienwohnungen.
Kontakt: 07673/202, www.gasthauseiche.de
ECHT ESSEN heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
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moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
