- Aus der Community
Ein Familienwochenende mit Diabetes
4 Minuten
Samstagmorgen um 7 Uhr – der Wecker klingelt, verschlafen kriechen wir aus dem Bett. Kurzer Blutzucker-Check: alles paletti. In etwas weniger als einer Stunde wird mein Papa uns abholen. Vier Stunden Fahrt liegen vor uns. Ein letzter Blick gilt unserer kleinen Reisetasche: 4 Katheter, 2 Reservoire, Insulinfläschchen und Blutzuckerteststreifen. Alles da. Für eine Nacht verzichten wir auf Ketonteststreifen. Es wird schon alles gut gehen.
Bekommt doch endlich mal eure Werte in den Griff!

Die Fahrt verläuft ruhig, wir kommen gut durch. Wenige Stunden später ist das Haus meines Onkels voll: Onkel, Tanten, Cousinen mit ihren Kindern und meine Oma trudeln nach und nach ein. Die Stimmung ist ausgelassen – es ist schön, sie nach langer Zeit alle wiederzusehen. Es duftet herrlich nach frisch gekochter Kartoffelsuppe. Janis und ich setzen uns auf die Treppe, die Blutzuckermessgeräte im Schoß. Die Blicke meiner Verwandten streifen uns. „Alles gut?“, fällt die erste vorsichtige Frage.
Mein Papa kommt in den Flur und schielt auf unsere Messgeräte: 132 und 133 mg/dl (7,3 und 7,4 mmol/l) – er grinst uns an: „Na, Mensch. Ich wollte euch grade sagen, dass ihr eure Werte in den Griff bekommen müsst!“ Während Janis und ich in sein Lachen einfallen, schauen uns die anderen verwirrt an – es ist ein Diabetes-Running-Gag zwischen meinen Eltern und uns. Ein typisches Diabetes-Ding. Janis schaut auf meine Pumpe, während ich die BE für die Suppe schätze – mein Papa beobachtet uns mit einem stillen Lächeln. Er ist froh, dass wir uns gefunden haben. Wir natürlich auch.
Diabetes ist kein Drama – eine Unterzuckerung auch nicht
Während die eine Hälfte der Familie sich anschließend auf den Weg zu einem Verdauungsspaziergang macht, geht der Rest hinunter in den Keller für eine Partie Tischtennis. Wir spielen, lachen uns atemlos und kommen langsam ins Schwitzen. Ich schaue Janis an. Er wirkt blass. Ein paar Minuten später geht er nach oben, um zu messen: 50 mg/dl (2,8 mmol/l). Meine Cousine springt sofort auf, als ich sie um einen Saft bitte. „Ich lass es mal lieber hier stehen – für die nächste Unterzuckerung“, meint sie augenzwinkernd und lässt Janis den Saft in Ruhe trinken. Ich bin froh, dass meine Familie vorbereitet ist und kein Drama aus dem Diabetes macht.
Wenig später wartet die nächste Herausforderung: Stolle und Kuchen. Wie war das noch mal? Eine Scheibe Stolle hat 1,5 BE? Ich überschlage grob und rechne lieber ein bisschen weniger – schließlich geht es im Anschluss auf den Weihnachtsmarkt.
Für den Glühwein spritzen oder nicht?

Der Markt ist wunderschön – und proppenvoll. Wir trauen uns nicht, zu messen – in der Menschenmenge würden uns die Messgerättaschen vermutlich aus den Händen fallen. Wir quetschen uns an den Rand und trinken einen Glühwein, während die Menschen um uns herumwuseln.
Ich höre in mich hinein und überlege, ob ich für den Wein spritzen sollte. Ist mein Blutzucker hoch? Ich denke nicht. Ich spritze erst einmal nichts dafür. Schließlich haben wir uns an einen Tisch vorgekämpft und mampfen genüsslich eine Bratwurst. Endlich haben wir etwas Platz, um zu messen. Beide Werte liegen im Hunderter-Bereich. Perfekt. Mein Papa beugt sich zu uns herüber: „Na? Wie sieht’s aus?“, fragt er und nickt zum Messgerät. Ich zwinkere ihm zu und bin irgendwie gerührt, dass er noch immer auf mich aufpasst. Das Brötchen berechnen wir mit 2 BE, der Ketchup kriegt noch einmal eine halbe BE dazu. Wir lassen den Bolus dual laufen – das Fett wird die Kohlenhydrataufnahme verzögern.
Zurück zu Hause geht das Essen weiter. Ständig habe ich Insulin aktiv, und es bereitet mir ein wenig Bauchschmerzen, so oft hintereinander zu bolen.
Viele Fragen – ich finde es schön, dass sich meine Familie für den Diabetes interessiert
Während wir nach dem Essen – Kartoffelsalat und Fingerfood – pappsatt auf der Couch sitzen, beginnt der Wein zu fließen. Und langsam driftet das Gespräch über zum Diabetes. „Kann die Pumpe das Insulin nicht schon allein abgeben?“ „Was ist das für ein Sensor?“ (Janis hatte den abgelaufenen FreeStyle-Libre-Sensor noch am Arm.) „Habt ihr ein Notfall-Kit dabei?“ „Wie klappt es bei euch?“ „Wie macht ihr das mit dem Alkohol?“ Wir versuchen, die vielen Fragen nach bestem Gewissen zu beantworten.
Meine Familie weiß ziemlich gut Bescheid, stelle ich ein wenig verdutzt fest und freue mich deshalb doppelt darüber. Wieder merken wir, wie schwierig dieses komplexe Thema Diabetes manchmal zu erklären ist. Und ich denke über die Frage mit dem Alkohol nach. Mittlerweile habe ich das dritte Glas intus und liege mit meinem Blutzucker bei etwa 200 mg/dl (11,1 mmol/l). Beherzt greife ich bei den Knabbereien zu – meine Erfahrung zeigt, dass ich mit einem hohen Blutzucker nach Alkoholkonsum am sichersten durch die Nacht komme. Ich versuche, meiner Familie zu erklären, weshalb ein hoher Blutzuckerwert bei Alkohol sogar ganz gut ist – es ist schwierig für sie, es zu verstehen. Doch sie geben sich Mühe, uns zu folgen, und hören interessiert und begeistert zu. Eine Diskussion über implantierbare Sensoren, Akkuleistung und technische Neuerungen entbrennt, und ich grinse in mich hinein. Ich bin meiner Familie in diesem Moment so dankbar für ihre Neugier, ihr Interesse an unserem Leben und den heutigen Möglichkeiten – und freue mich schon jetzt auf das nächste Familientreffen.
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
- Ernährung
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
anseaticids postete ein Update vor 13 Stunden, 4 Minuten
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 3 Tagen, 11 Stunden
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
-
othenbuehler postete ein Update vor 4 Tagen, 3 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
Mehr Infos im Flyer 👇




