Flexitarier oder Pudding-Vegetarier?

3 Minuten

© Minerva Studio - fotolia.com
Flexitarier oder Pudding-Vegetarier?

Fleisch war früher als besonderes Essen dem Sonntag vorbehalten; heute ist es ständig und überall verfügbar. Über eines sollte man sich beim Fleischkonsum immer bewusst sein: Am Anfang steht ein Lebewesen. Die Möglichkeiten, seine Mengen zu drosseln oder komplett zu streichen, sind vielfältig.

Kein Wunder, dass sich die Zahl der Vegetarier in den letzten sieben Jahren hierzulande verdoppelt hat: Laut Ergebnissen der Universitäten Göttingen und Hohenheim leben 3,7 Prozent vegetarisch. Der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) geht sogar von etwa 8 bis 9 Prozent der hiesigen Bevölkerung aus.

Vegetarisch leben ist gesund

Um Mangelerscheinungen zu vermeiden, ist es wichtig und empfehlenswert, abwechslungsreich und bewusst zu essen: Milch und Milchprodukte liefern Eiweiß, B-Vitamine und Kalzium. Auch Eier sind eine wertvolle Quelle für Proteine und das wichtige Vitamin B12, das in pflanzlichen Lebensmitteln nicht vorkommt. "Mit zwei bis drei Eiern pro Woche und zwei bis drei Portionen fettarmer Milchprodukte am Tag wie ein Glas Milch, 150 g Jogurt und ein bis zwei Scheiben Käse lässt sich eine ausreichende Versorgung sicherstellen", sagt Dr. Maike Groeneveld vom Bonner aid Infodienst.

Auch Hülsenfrüchte sind für Diabetiker möglich und sogar sinnvoll – neben pflanzlichem Eiweiß versorgen sie den Körper mit wichtigen Mineralstoffen wie Eisen; aus pflanzlichen Lebensmitteln verwertet der Körper es allerdings schlechter als aus Fleisch.

Das lässt sich durch sinnvolle Kombinationen ausgleichen: Enthält eine Mahlzeit neben pflanzlichen Eisenquellen gleichzeitig Vitamin C aus Kartoffeln, Obst oder Früchten, kann der Körper den zur Blutbildung wichtigen Mineralstoff besser ausnutzen. Viele Menschen, die auf Fleisch verzichten, essen aber trotzdem noch Fisch: eine gute Möglichkeit, die Versorgung mit Jod, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren zu unterstützen.

Vegan nicht für Schwangere, Kleinkinder … und Haustiere

Haustiere? Ja, Sie haben richtig gelesen. Manch überzeugter Veganer ernährt nicht nur sich selbst komplett ohne Produkte vom Tier: Auch Babys, Kleinkinder, Hunde oder Katzen werden so versorgt. Nur: Das kann zu Mangelerscheinungen führen. Deshalb raten Experten Schwangeren, Stillenden, Säuglingen und Kindern davon ab.

Grund dafür ist, dass sie zum Beispiel zu wenig Eisen aufnehmen würden. Veganern mangelt es oft auch am für Knochen und Zähne wichtigen Kalzium, das zum Beispiel in Milchprodukten enthalten ist. Außerdem trägt der Mineralstoff zur Muskelfunktion bei und spielt eine Rolle bei der Zellteilung.

Um einen Kalziummangel zu vermeiden, sind damit angereicherte Lebensmittel sinnvoll wie Sojaprodukte und kalziumreiche Mineralwässer (Kalziumgehalt über 150 mg/l). Auch die Versorgung mit Vitamin B12ist hier kritisch, weil es hauptsächlich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist. Die Versorgung kann normalerweise nur sichergestellt werden über Nahrungsergänzungsmitteloder entsprechend angereicherte Produkte wie Multivitaminsäfte, Cerealien oder Sojamilch.

Auch im Hinblick auf Jod kann es zu Engpässen kommen. Experten raten, einen Teil des Jods durch jodiertes Speisesalzaufzunehmen.

Ovo-, Lacto- und Pesco-Vegetarier …

… diese Bezeichnungen haben nichts mit Pesto zu tun, sondern bezeichnen die verschiedenen Formen des Vegetarismus: Ovo-Lacto-Vegetarier essen auch Milch, Milchprodukte und Eier. Lacto-Vegetarier streichen alles von und mit Ei von ihrem Speisezettel. Semi-Vegetarier verzichten auf rotes Fleisch, essen jedoch Geflügel. Pesco-Vegetarier essen dagegen Fisch und Meeresfrüchte.

Pudding-Vegetarier essen überwiegend süße und fleischfreie Fertigprodukte. Eine Extremform sind Frutarier – auch Fructarier genannt: Sie konsumieren nur Obst, das vom Baum oder Strauch gefallen ist. Eine einseitige und auf Dauer ungesunde Lebensweise.

"Flexitarier": die Teilzeitvegetarier

Flexitarier sind praktisch Teilzeitvegetarier. Für sie gibt es kleine Mengen Fleisch, die sie ganz bewusst und mit besonders hoher Qualität auswählen. Hier geht es also um Qualität statt Quantität. Dieser Trend nimmt zu: Knapp 12 Prozent der Befragten aus der Untersuchung der Universitäten Göttingen und Hohenheim zählen sich bereits zu den Flexitariern. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) begrüßt diese Entwicklung. Sie empfiehlt, Fleisch in Maßen zu essen. Es sollten nicht mehr als 300 bis 600 g Fleisch oder Wurst pro Woche sein.

Vegan beim Essen und Lebensstil

Maximal 0,5 Prozent der Deutschen leben vegan. Sie verzichten auf alle tierischen Lebensmittel, zu denen wegen der Produktion durch Bienen auch Honig gehört – und: Es ist eine Ideologie! Viele tragen keine Kleidung aus Seide oder Wolle und verzichten auf Schuhe und Produkte aus Leder. Natürlich kann die Umstellung auf eine vegane Lebensweise auch gesund sein.

Prominentes Beispiel ist Andreas Bär Läsker, Manager der Fantastischen Vier, Deutschlands bekanntester Hip-Hop-Band. Er brachte 160 Kilo auf die Waage und speckte mit einer kompletten Ernährungsumstellung auf vegane Kost satte 60 Kilo ab. Seine Erfahrungen und praktischen Tipps hat er in einem Buch zusammengestellt (No Need For Meat – Oder: Vegan ist, wenn man trotzdem lacht; Trias-Verlag). Ein positives Beispiel dafür, dass auch für Männer, denen Fleisch sehr wichtig ist, ein anderes, viel gesünderes Leben möglich sein kann. Sie müssen sich halt nur noch entscheiden.

Rezepte:

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Shirin Valentine im Interview: Positiv durchs Leben gehen – und diese Botschaft an andere weitergeben
Shirin Valentine im Interview: Positiv durchs Leben gehen – und diese Botschaft an andere weitergeben | Foto: Mike Fuchs

13 Minuten

Druckfrisch: die Themen im Diabetes-Anker 4/2026
Die neue Magazin-Ausgabe ist ab sofort erhältlich: Dr. Katrin Kraatz aus der Chefredaktion stellt die Themen des Diabetes-Anker-Magazins 4/2026 vor. U.a. geht es um die Früherkennung des Typ-1-Diabetes, präventive Maßnahmen, um das erhöhte Krebsrisiko durch Diabetes zu senken sowie Tipps für abwechslungsreiches Kochen im Single-Haushalt.
Druckfrisch: Das sind die Themen im Diabetes-Anker 6/2026 | Foto: Mike Fuchs / Konstantin Yuganov – stock.adobe.com / MedTriX

4 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • anseaticids postete ein Update vor 1 Tag, 6 Stunden

    Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.

    Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“

    Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.

    Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
    individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.

    So können Kinder lernen, wachsen und
    selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
    Unsere Mission ist einfach:

    ✔ Kindern Sicherheit geben
    ✔ Familien den Alltag erleichtern
    ✔ Kita- und Schulteams entlasten
    ✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.

    Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.

    Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.

    Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
    📧 moin@hanseatic-kids.de
    📞 040 851 59 747

    Uploaded ImageUploaded Image
  • Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/

  • Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.

    Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.

    👉 Wen suchen wir?
    Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.

    👉 Was bedeutet die Teilnahme?
    Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
    Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
    Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)

    Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙

    Mehr Infos im Flyer 👇

    Uploaded Image
Verbände