Frühstücksduft liegt in der Luft

4 Minuten

Frühstücksduft liegt in der Luft

Hmmm, riecht das lecker nach Schoko-Müsli! Oder liegt heute doch eher eine Sorte mit Krokant in der Luft? Wer durch das schleswig-holsteinische Elmshorn flaniert, dem steigt fast jeden Tag der unwiderstehliche Duft nach Hafer, Cerealien oder Müsli in die Nase.

Dass es in der gut 30 Kilometer nordwestlich von Hamburg gelegenen Stadt so oft nach Frühstück riecht, liegt an der Peter Kölln GmbH & Co. KGaA: Sie produziert mitten in Elms­horn ihre berühmten Köllnflocken und weitere Haferprodukte.

Vom Marktplatz aus sind die 28 Meter hohen blauen Hafersilos gut zu sehen. Die insgesamt 58 Zellen haben eine Lagerkapazität von rund 13 000 Tonnen. Bis vor 18 Jahren kam der Hafer über Elbe und Krückau per Schiff zu Peter Kölln. Das Unternehmen besaß vier eigene Binnenschiffe für seine Getreidetransporte. Heute bringen Lastwagen die überwiegend aus Finnland stammende Ware vom Hamburger Hafen nach Elmshorn.

Traditionsunternehmen Peter Kölln: 200 im Jahr 2020


Die Peter Kölln GmbH & Co. KGaA mit Sitz in Elmshorn (Schleswig-Holstein) erwirtschaftet jährlich einen Umsatz von rund 124,8 Mio. Euro. Sie gehört zu den größten Hafermühlen Europas und verarbeitet pro Jahr rund 55.000 Tonnen Hafer. Das Unternehmen beschäftigt 363 Menschen, darunter Industriekaufleute, Müller, Mechatroniker und Fachkräfte für Lebensmitteltechnik.

Das Unternehmen stellt seit 1820 Lebensmittel her und ist vor allem für seine Haferflocken bekannt. In den 30er-Jahren des 20. Jahrhunderts kamen erstmals Haferflocken in kleinen Haushaltspackungen auf den Markt. Mit den 1938 als Warenzeichen eingetragenen Blütenzarten Köllnflocken in der hellblau-dunkelblauen Packung schuf Peter Kölln eine der bekanntesten deutschen Lebensmittelmarken.

Zum Unternehmen gehören außer Hafer- und Müsliprodukten der Marke Kölln auch Öle und Fette der Marken Mazola, Biskin, Livio, Palmin und Becht’s sowie Milchzucker der Marke Edelweiß und der Kindergrieß Pomps. Im Jahr 2020 feiert das Unternehmen sein 200-jähriges Firmenjubiläum.

Jeden Tag rollen ab dem frühen Morgen 15 Lastwagen mit Hafer auf das Werksgelände. Doch bevor eine Lieferung eingelagert wird, durchläuft der Hafer eine Reihe von Kontrollen. Verfahrenstechnologen in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft – so werden Müller heutzutage genannt – entnehmen Proben, schnuppern am Hafer und prüfen, ob das Getreide trocken genug ist.

Ab dann übernehmen Maschinen die weitere Verarbeitung. Zunächst wird der Rohhafer grob gereinigt. Anschließend wird er mehrere Stunden lang erst mit Dampf und dann bei 120 Grad Celsius mit trockener Hitze behandelt. Diesen Vorgang nennt man Darren. Dabei bildet sich das typische nussartige Aroma der Haferflocken, außerdem macht das Darren den Hafer bekömmlicher.

Beim Trocknen lösen sich auch die Schalen und werden anschließend in einem Fliehkraftschäler vom Haferkern abgetrennt. Nach dem Schälvorgang sortiert ein Farbausleser die dunklen Haferkerne aus.

Getrennte Wege: blütenzart oder kernig?

Ab hier trennen sich die Wege der Haferkerne: Manche werden zu Blütenzarten Köllnflocken, andere zu Kernigen Köllnflocken verarbeitet. Ihre endgültige Form erhalten die Haferflocken auf Flockierwalzstühlen. Früher musste der Müller den Abstand der Walzen per Hand und nach Augenmaß einstellen. Heute kann er ihn am Computerbildschirm auf einen Zehntel Millimeter genau digital steuern.

Auch in den Produktionshallen bei Köllnflocken kommt hochspezialisierte Technik zum Einsatz. Manche Maschinen sind mehrere Meter hoch und so lang wie ein Schwimmbecken. Sie backen riesige Teigplatten, lassen sie über Förderbänder gemächlich weiterwandern und zerhacken sie erst grob und dann noch einmal feiner: Fertig ist das beliebte Knuspermüsli.

Abfüllstraße für die klassischen Köllnflocken.

Rasanter geht es an der Abfüllstraße für die klassischen Haferflocken zu: In atemberaubendem Tempo werden hier maschinell Tüten gefaltet, geklebt, mit Haferflocken befüllt und verschlossen. Alle Packungen durchlaufen eine strenge, automatisierte Qualitätskontrolle: Eine Kontrollwaage checkt das Gewicht des fertigen Produkts; ein Metalldetektor prüft, ob sich bei der Produktion unbemerkt Metallteile von den Maschinen gelöst und in die Verpackung gemogelt haben.

Wenn die Einzelpackungen die Qualitäts­kon­trolle durchlaufen haben, werden sie in Umkartons auf Paletten verpackt, in Elastikfolie eingeschweißt und ins Lager gebracht. Von dort erfolgt der Versand an Kunden im In- und Ausland. Mittlerweile sind die Produkte der Marke Kölln in 36 Ländern erhältlich – und verströmen überall ihren unwiderstehlichen Elmshorner Frühstücksduft … hmmm, lecker!

Hafer – ein moderner Klassiker


Jennifer Marx, Ökotrophologin und Ernährungsexpertin im Hause Kölln, ­beschreibt den Stellenwert des Hafers in der modernen Ernährung und bei Diabetes.

Diabetes-Journal (DJ): Passt ein klassisches Lebensmittel wie Haferflocken in die heutige Zeit mit ihren vielen kurzlebigen Ernährungstrends?
Jennifer Marx:
Haferflocken sind aktueller denn je – immer mehr Menschen legen Wert auf eine Ernährung mit unverarbeiteten Lebensmitteln. Außerdem wird wieder mehr gefrühstückt. Haferflocken sind zum Beispiel die Basis für die beliebten Overnight Oats. Und alle, die morgens noch nicht gern kauen mögen, kann man mit einem Drink aus Schmelzflocken oder Haferkleie begeistern. In diesem Jahr haben wir außerdem Haferdrinks auf den Markt gebracht, die besonders gut bei der wachsenden Zahl der Verbraucher ankommen, die mehr pflanzliche Lebensmittel verzehren möchten oder sich komplett vegan ernähren.

DJ: Eignen sich Haferflocken auch für Menschen, die sich Low Carb ernähren?
Marx:
Natürlich enthalten Hafer und Haferprodukte Kohlenhydrate. Allerdings können sie eine kohlenhydratarme Ernährung gut ergänzen. Denn Hafer und insbesondere auch Haferkleie enthalten viele Ballaststoffe, die für eine ausgewogene Ernährung unverzichtbar sind. Da Menschen, die sich kohlenhydratarm ernähren, manchmal zu wenige Ballaststoffe zu sich nehmen, kann auf diese Weise ein guter Ausgleich geschaffen werden.

DJ: Früher hat man Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Insulinresistenz Hafertage empfohlen …
Marx:
Daran hat sich bis heute nichts geändert. Tatsächlich wenden sich viele Diabetiker an uns, denen ihr Arzt oder ihre Ernährungsberaterin Hafer empfohlen hat. Wir haben für sie eine eigene Verbraucherberatung und einen Rezeptservice eingerichtet. Wir versorgen aber auch viele Arztpraxen und Diabetesberaterinnen mit entsprechendem Informationsmaterial.

DJ: Welche Kölln-Haferprodukte eignen sich besonders für Menschen mit Diabetes?
Marx:
Wer Blutzuckerspitzen vermeiden möchte, sollte lieber zu den klassischen Haferflocken oder Haferkleie als zu gesüßten Müslis greifen. Doch bei einer Unterzuckerung kann ein Müsliriegel natürlich gute Dienste leisten.


von Antje Thiel
E-Mail: info@antje-thiel.de

Website: www.antje-thiel.de
Blog: suesshappyfit.blog

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (1) Seite 48-49

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Neun Tage, vier Länder, ein Ziel: Mit Diabetes über die Alpen
Die Dialetics xAlps zeigen, dass Diabetes kein Hindernis für große Träume sein muss. Unsere Community-Autorin Conny war in diesem Sommer bei der Tour über die Alpen mit dabei und berichtet hier von ihren Erwartungen, ihrer Verbreitung und ihren Erlebnissen.
Neun Tage, vier Länder, ein Ziel: Mit Diabetes über die Alpen | Foto: Mike Fuchs

6 Minuten

Community-Beitrag
3.700 Stufen mit Typ-1-Diabetes: Unser Selbstversuch auf der Europatreppe 4000
Wie verhält sich der Blutzucker bei mehreren Stunden intensiver Belastung? Was passiert mit einem AID-System beim Treppensteigen über mehr als 700 Höhenmeter? Und kann man die Europatreppe 4000, eine der anspruchsvollsten Treppenanlagen Europas, auch mit Typ-1-Diabetes sicher bewältigen? Sandy berichtet von seinem Selbstversuch.
3.700 Stufen mit Typ-1-Diabetes: Unser Selbstversuch auf der Europatreppe 4000 | Foto: Sandys Diabetes-Loop

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

    Wer ist am Start?

    ( 4 von 6 )
    66.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%
    ( 1 von 6 )
    16.67%