„Hirsch“: Währschaft

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© Gasthof Hirsch
„Hirsch“: Währschaft

Das Echt essen-Gasthaus im August: Auf der schwäbischen Alb begeistert die Familie Kottmann mit raffinierter Regionalküche und feinen Bränden. Aber was hat das mit Hochwasser zu tun?

Wer von München nach Stuttgart auf der Autobahn fährt, blickt am Ende des Albabstiegs auf das in einem Biosphärengebiet liegende Gosbach. Dort steht seit über 200 Jahren der „Hirsch“, den in sechster Generation die Familie Kottmann bewirtschaftet. Ein stattliches Gebäude mit einem Selbstbewusstsein signalisierenden Wirtshausschild. Ein Landgasthof, wie ihn alle suchen – und wie er selten zu finden ist.

Röhrt seit über 200 Jahren: „Hirsch“

Gediegen gemütlich eingerichtet mit viel Holz sind die drei gastlichen Räume. Im Eingangsbereich dominiert die prächtige Vielfalt der selbst gebrannten Schnäpse, grüßt eine mächtige Theke, zeugen Fotos und Gemälde von der langen Familientradition. Einen kleinen Saal gibt es, wo auch Hochzeiten und Konfirmationen gefeiert werden, wie es sich für ein gutbürgerliches Gasthaus gehört. Liebevoll eingedeckt sind die Tische, an denen ein freundlicher Service bedient.

Behütet von höheren Mächten: Gastraum

Mit einem perfekt gezapften, naturtrüben Pils starten wir in den Abend. Es stammt aus der Brauerei Kaiser im nahen Geislingen – und es steht prototypisch auch für die „Hirsch“-Philosophie, die da lautet: Von hier – und das gilt für Gemüse, Fisch, Fleisch, Milchprodukte und Wild. Beim Kaiser-Bier wird das besonders vorbildlich eingelöst, denn da stammt die Braugerste von 15 Landwirten aus der Umgebung, die feste Abnahmeverträge mit leicht über dem Marktniveau liegenden Preisen haben. So bleibt die Wertschöpfung im Lande, wird unnötiges CO2 vermieden – und es ist eine vorbildliche private Alternative zu den staatlich subventionierten Maiskulturen für das sogenannte Biogas. Ach, ja, etwas mehr Hopfen könnte das Pils vertragen.

Schwäbischer Klassiker in Bestform: Flädlesuppe

Angenehm übersichtlich ist die Karte, und ich bestelle von den drei Suppen natürlich die Hirnsuppe für 8 Euro. Eine gute Brühe bildet die Grundlage für dieses selten servierte Gericht. Angenehm sämig ist die Supp, wo ich vom Gehirn wenig schmecke, was kein Wunder ist, da das Organ kaum einen Eigenschmack hat. Wer es „hirniger“ mag, dem empfehle ich das „Bad Schönenbuch“ in der Nähe von Basel. Der schwäbische Klassiker Flädlesuppe für 6 Euro ist hier ungemein aromenstark, und der Griesknödel ist von einer herrlichen Fluffigkeit.

Gibt´s leider nur selten: Kutteln

Wo sie noch serviert werden, bestelle ich sie: Kutteln. Nicht so sehr aus tierethischen Gründen „Wer Tiere isst, muss alles essen“, sondern weil sie mir schmecken. Vor allem, wenn sie so gut zubereitet werden, wie hier: Sauber pariert, fein weichgekocht und in einer würzigen Sauce, wo wahrscheinlich Nelken drin sind – und wo ich mir nur noch einen Schuss Säure gewünscht hätte.

Salate werden oft schrecklich lieblos zubereitet. Im „Hirsch“ wird sorgfältig gearbeitet, wird alles einzeln angemacht, etwa die Möhren, der schlotzige Kartoffelsalat. Es sind diese Details, welche den Unterschied zwischen gut und sehr gut ausmachen.

Haben Schmelz: Zwiebeln auf dem Rostbraten

Wenn ein Koch sich Küchenmeister nennen darf, steigt er in meiner Achtung. Denn dann hat er sein Handwerk gründlich gelernt – und es gelingt ihm ein Klassiker wie der Zwiebelrostbraten auf das Beste: Andreas Kottmann schafft das Kunststück, dass das Fleisch von der Färse (Rind vor dem ersten Kalben) bissfest, geschmackstark und trotzdem saftig bleibt. Ein Traum die geschmelzten Zwiebeln, knackig der Brokkoli, feinfein die Maultasche, die handgemachten Spätzle – und dazu natürlich eine ausreichende Portion Sauce, die auch noch separat gereicht wird. Ein Gedicht ist diese Sauce, intensiv und trotzdem leicht. Eine sehr ordentliche Portion für höchst angemessene 25 Euro.

Entwickelte draußen Geschmack: Zicklein

Übernommen hat Andreas Kottmann 2011 das Szepter in der Küche von seinem Vater August, natürlich auch er ein Küchenmeister. Großartig das weich geschmorte Zicklein für 26 Euro von der nahen Weidegemeinschaft Gaißatäle. Das ist eine „Gaiß, die draußen war, die gelebt hat, die einen reifen Geschmack entwickeln konnte“, wie mir August Kottmann erklärt. Auch hier gibt es wieder eine exzellente, auf Apfelmost basierende Sauce, die natürlich völlig anders schmeckt, so viel Küchenehre muss sein. Raffinesse gewinnt das Gericht durch ein feines Gemüseküchle, die Heubrösel-Quarknocken und zwei elegante Tupfer von der Mosthefe.

Ein Muss zu diesem Gericht ist der eigene Most aus alten Apfel- und Birnensorten. Perfekt durchgegoren und herrlich erfrischend lässt diese Delikatesse für 3,50 Euro das Viertele die meisten hochgerühmten Frankfurter Äppelwois alt aussehen. Neugierig, wie wir sind, ordern wir für 30 Euro noch eine Flasche 2017er Riesling vom schwäbischen Paradewinzer Karl Haidle aus Kernen-Stetten im Remstal. Gerade mal 11 Prozent Alkohol hat dieser Biowein – und beschert trotzdem ein vollmundiges Trinkvergnügen. Einsame Klasse!

Währschaft nennen die Schweizer Gasthäuser, wo alles stimmt. Der „Hirsch“ ist währschaft: Raffinierte Landküche; Produkte aus der Umgebung; große, fast zu große Portionen; reelle Preise; aufmerksamer, freundlicher Service; wunderbare Lage.

Wären mehr Wirtschaften währschaft, wäre die Welt besser.

Herr der Brände: August Kottmann

Ein faszinierender Erzähler ist August Kottmann. Und er hat viel zu erzählen. Natürlich in erster Linie von seinen unendlich vielen Schnäpsen, die er mit großer Leidenschaft destilliert. Über 100 Sorten brennt er, vor allem von den Streuobstbäumen rund um Gosbach. Ans Herz legen kann ich Ihnen ein Destillat von der alten Sorte Nägelesbirne, die süßlich-herbe, essbare Mostbirnen hervorbringt. Der Duft ist so intensiv, dass er locker an die berühmte Williamsbirne heranreicht. Ein Schluck von diesem Schnaps getrunken – und danach hat kein Wein mehr eine Chance. Diese Birne ist die unumschränkte Aromenherrscherin. 28 Euro kostet der halbe Liter.

Auch hier ist die Nachfolge geregelt: Andreas Kottmann ist ebenfalls Meister-Destillateur.

Kann Hochwasser dämpfen: Apfelbaum

Bäume und die Natur sind die große Leidenschaft von August Kottmann. Komplexe ökologische Zusammenhänge kann er einfach mitreißend erläutern: „Das Mäandern der heimischen Flüsse war unser Rückhaltebecken“, so sein Kommentar zum aktuellen Hochwasser. Es sind diese menschengemachten Eingriffe, die Begradigung von Bächen und Flüssen, das Roden von Hecken, das Versiegeln der Böden, welche aus Unwettern immer öfter Katastrophen machen.

Besonders angetan haben es ihm die alten, mächtigen Birnenbäume, welche natürlich kein Hochwasser verhindern, aber vielleicht die gefährlichen Spitzen abfangen können. Da denke ich an die zwei Winzertöchter von der Ahr, denen der Keller weggeschwemmt wurde. Ihr Leben verdanken sie einem mächtigen Baum, der den Fluten standhielt und in dessen mächtige Krone sie sich retteten. Vielleicht laden die Ahrwinzer einmal den August Kottmann ein, der weiß, wie sich die Ahrtaler künftig besser wappnen.

Ein Lehrpfad mit über 120 alten Apfel- und Birnensorten führt von Gosbach nach Bad Ditzenbach. August Kottmann bietet hier legendäre Führungen an, wo er etwa erläutert, warum der abgebildete Boikenapfel auch fürs raue Albklima geeignet ist. Ich freue mich auf seinen Vortrag im Herbst!

“Hirsch”


Adresse: Unterdorfstraße 2, 73 342 Ditzenbach-Gosbach

Öffnungszeiten: Montag bis Mittwoch ist zu. Donnerstag und Freitag mittags und abends offen. Am Wochenende ab 11 Uhr durchgehend. Das Hotel bietet acht moderne Zimmer

Kontakt: 07535/9630-0, www.hirsch-badditzenbach.de


ECHT ESSENheißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.



von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • ole-t1 antwortete vor 2 Wochen

      Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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