- Ernährung
„Hofstadel“: Bauernstolz
6 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im Februar: Eigene Schweine, eigenes Getreide, eigenes Gasthaus. Im Spessarter Familienbetrieb „Hofstadel“ zeigt Marcus Link eindrucksvoll, wie Bauern wieder stolz auf ihr Handwerk sein können.
Früher war nicht alles besser. Aber vieles, was früher gut war, ist auch heute noch vorbildlich. So war es über Jahrhunderte üblich, dass Gasthäuser auf dem Land vor allem das auftischen, was auf und rund um den Hof erzeugt wird. Das garantiert Frische. Das garantiert kurze Wege. Das ist echtes „Echt Essen“.
Jetzt ist´s nicht mehr weit
Wahre Raritäten sind inzwischen solche Gasthäuser – und ein ganz besonders Bemerkenswertes liegt im Spessart nahe dem berühmten Weinort Klingenberg. Dort verlasse ich den Zug aus Frankfurt, passiere die Mainbrücke. Steil geht es durch die Reben bergan. Am Dorfausgang ein Schild: „Mechenhard“. Der abwechslungsreiche Spazierweg führt durch den kleinen Ort hindurch zu einer prächtig gelegenen Kapelle. Ein kurzes Stück durch den Wald, einmal links, einmal rechts – und da winkt nach einer starken Stunde auch schon der „Hofstadel“, idyllisch gelegen inmitten von Streuobstbäumen, nahe dem Luftkurort Mönchberg.
Skihütte im Spessart: „Hofstadel“
Was aussieht wie eine waschechte Skihütte in den Alpen, ist der 2004 eröffnete „Hofstadel“. Ein uriges Gasthaus, wo vor allem der zweite Raum mit viel Holz eine höchst gemütliche Atmosphäre verströmt. Ein echter Familienbetrieb der Familie Link ist das: Die Mutter kocht, die Tante und die 85-jährige Oma servieren, der Vater und der Sohn Marcus kümmern sich um die Landwirtschaft in dem Betrieb mit rund 15 Mitarbeitern. Damit genügend Zeit fürs Bäuerliche bleibt, hat der Stadel recht ungewöhnliche Öffnungszeiten: Jeden Monat ist nur vom 1. bis einschließlich zum 15. geöffnet – und zwar täglich von 11 Uhr bis spät abends.
Achtet das Tierwohl: Marcus Link
Marcus Link ist Bauer mit Leib und Seele. Schon als kleiner Bub ist er mit dem Vater auf dem Traktor mitgefahren. Schon damals lautete sein felsenfestes Lebensziel: „Ich will Bauer und Metzgermeister werden“ – eine so sinnvolle wie seltene Kombination. Das Vorhaben hat er mit bemerkenswerter Tatkraft verwirklicht: Die Landwirtschaftslehre absolvierte er als Unterfrankens bester Jungbauer. Das Metzgerhandwerk lernte er von der Pike auf bei einem Metzger im nahen Erlenbach. Aber die wahren Finessen brachte ihm ein Altmetzger bei, der vor einigen Jahren mit 94 verstorben ist. Er vermittelte ihm das uralte Wissen, auf das Fleisch zu „hören“, nämlich, was ist wann darin ist. Unschätzbare Kenntnisse, die ihm nun helfen, seine Waren ohne Glutamat herzustellen – und sogar größtenteils auf das sonst übliche Phosphat zu verzichten.
Fleisch nach alter Handwerksart
Über 70 Schweine mästet der Betrieb, größtenteils Schwäbisch Hällische und einige Bunte Bentheimer, zwei alte Rassen mit hervorragender Fleischqualität, die weitgehend in der eigenen Wirtschaft verarbeitet werden. Näher besichtigen kann ich die Tiere nicht, weil angesichts der Afrikanischen Schweinpest die Behörden ein Besuchsverbot verhängt haben. Doch was ich von Ferne sehe, sieht gut aus: Die Schweine sind quicklebendig, sind pieksauber, werden artgerecht auf Stroh gehalten. Geschlachtet wird erst nach rund neun Monaten und einem Gewicht von über 100 Kilo beim nahen Metzger, nachdem die Tiere übers Wochenende sich an die neue Umgebung gewöhnt haben, was die Fleischqualität beeinträchtigenden Stress vermeidet. Ein Teil des Fleisches wird warm verarbeitet, was den teilweisen Verzicht auf konservierende Zusätze ermöglicht.
Die „Autos“ des Bauern: Trecker
Gefüttert werden die Schweine mit dem, was selbst angebaut wird: Erbsen, Gerste, Mais. Dazu Soja, was von einem bekannten Betrieb von der Donau kommt. Alles natürlich ohne Gentechnik. Bio ist das nicht, aber es wird nur soweit gespritzt und gedüngt, wie es wirklich notwendig ist. Aber nicht nur Getreide wird angebaut, sondern auch Gewürze wie Fenchel, Koriander, Kümmel, was an teilweise sehr renommierte Händler verkauft wird, und was es auch im Gasthaus gibt. Außerdem wird Saatgut für Bienenweiden, Blühflächen und die immer wichtigeren Ausgleichsflächen gewonnen. 58 Sorten baut er an, etwa Goldrute, Hornschotenklee, Lichtnelke, Malve, Schafgarbe und Wiesen-Pippau. Hochspannend ist das – und ich bin sicher, dass diese Kräuter irgendwann separat zu kaufen sind. Außerdem wäre es spannend, damit die Schweine zu füttern.
Marcus Link liebt seinen Beruf – und das vermittelt er auch im Gespräch voller Freude: Hellwach und aufgeschlossen ist der 27-jährige, obwohl er schon morgens um vier Uhr mit dem Traktor auf dem Feld war: „Das musste sein, weil durch den Frost so früh alles gefroren ist, und ich nicht einbreche, was Schäden verursacht“. In einem wunderbaren Film, der auf der Homepage zu finden ist, bezeichnet er die mächtigen Trecker selbst ironisch als seine „Autos“. Weil er sein Handwerk so liebt, ärgert er sich mächtig über das negative Bild des Landwirts in der Öffentlichkeit. Aber er jammert nicht, sondern engagiert sich, etwa für den landwirtschaftlichen Nachwuchs. Natürlich weiß er, dass die hoch industrielle Landwirtschaft ohne Rücksicht auf die Natur langfristig „keine Chance hat“.
Auf der Suche nach einem dritten Weg der Landwirtschaft
Aber er glaubt, dass es zwischen Biobetrieben und übersteigerter konventioneller Landwirtschaft noch einen dritten Weg geben muss – dafür kämpft er. Vieles spricht für den Erfolg seines Weges: Denn trotz aller Bekundungen bleibt Bio eine verschwindend kleine Nische – und vieles kommt inzwischen von weither. Sein Credo lautet deshalb regional und transparent. Gerade die Transparenz ist ihm wichtig, weshalb er sehr bedauert, dass er derzeit keine Hofführungen mehr machen kann. Denn er will für eine moderne Landwirtschaft werben – und dafür mit seinem ansteckenden Temperament Menschen begeistern.
Werden auch selbst angebaut: Gewürze
Drei Gänge esse ich im „Hofstadel“ – und nehme noch vier Dosen Wurst mit: Blut- und Leberwurst, Presskopf, aber vor allem Eisbein, was ich zu Hause sofort probiere, und was eine echte Delikatesse ist. Dazu Kostproben von den Gewürzen, nämlich Fenchel, Koriander und Kümmel, wobei mich letzterer mit seinem frischen Duft besonders fasziniert.
Im Schweinefett gebraten: Schnitzel
Wie es sich gehört, ist das panierte Schnitzel für 7,80 Euro im selbst ausgelassenen Schweinefett gebraten. Es schmeckt herzhaft und saftig – wobei ich es mir auch dicker vorstellen könnte, was es noch saftiger und geschmackiger machen würde. Selbst gemacht ist auch der Kartoffelsalat, der so schlotzig ist, weil die Stärke sanft herausgepresst wurde. Fein dazu das Bauernbrot vom eigenen Getreide, das die Bäckerei Weigand in Elsenfeld-Obernburg bäckt.
Ein herrliches Apfelsaftschorle trinke ich dazu. Natürlich von den eigenen, rund 200 Streuobstbäumen, die noch richtig gepflegt werden, wo auch immer neue angepflanzt werden. Für mich sind ja solche ungespritzten Bäume ein wichtiger Teil unserer Traditionsmedizin, was ich in dem Buch „TDM Traditionelle Deutsche Medizin“ beschrieben habe.
Gespannt bin ich auf den eigenen Äppelwoi, den ich beim nächsten Mal probiere.
Auf das Feinste gewürzt: Bratwürste
Ein Gedicht die wunderbar gewürzten Bratwürste. Begeistert bin ich von dem schön säuerlichen Sauerkraut. Etwas intensiver kann ich mir die Bratensauce vorstellen, obwohl sie ganz korrekt auf der Basis von selbst ausgekochten Knochen hergestellt wird, was leider nur noch wenige Betriebe machen. Sehr, sehr korrekte 6,60 Euro kostet diese Köstlichkeit.
Es lohnt sich, gerade auch am Wochenende in den Stadel zu kommen, denn dann gibt es auch mal den frischen Schweinsbraten, gewürzt mit dem eigenen Kümmel.
Schinken, wie kannst du saftig sein!
Natürlich probiere ich auch den Schinken. Wunderbar saftig ist er, „säuelet“ überhaupt nicht. Etwas weniger salzig könnte er sein. Ich frage nach einem trocken gereiften Schinken – und selbstverständlich hat der Tausendsassa das auch schon ausprobiert, nämlich in einem nahen Gewölbekeller mit gleichbleibender Temperatur. Das Ergebnis preist der Jungbauer als „einzigartig“. Also, lieber Marcus Link, ans Werk, das will ich, das wollen ganz viele auch essen. Dafür können ruhig ein paar der unendlich vielen Ideen, die in dieser Kreativmaschine schlummern, eine Zeitlang warten!
Lädt ein zum Wiederkommen: Bauernstube
Was ich nicht probiere: Den hochgelobten Kaiserschmarrn und die eigenen Kuchen. Aber es wird ja nicht mein letzter Besuch sein.
Fazit: Ein Vorzeigebetrieb, wo reelle Speisen zu sehr reellen Preisen angeboten werden. Lohnt auch eine weite Anreise.
„Hofstadel“
Adresse: Siedlerhof 5, 63 933 Mönchberg
Öffnungszeiten: Jeden Monat täglich geöffnet vom 1. bis zum 15. Und zwar täglich ab 11 Uhr. Reserviert wird nicht, aber die umsichtigen Bedienungen und die fröhliche Gästeschar schaffen es meistens, dass alle einen Platz finden.
Kontakt: 09324/424, www.hofstadel.de
ECHT ESSEN heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
L’Imprimerie: Vive la France
4 Minuten
- Ernährung
Izmir: „Fischeparadies“
6 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
