Izmir: „Fischeparadies“

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Izmir: „Fischeparadies“

Echt essen im November: Die Vier-Millionen-Metropole begeistert mit frischen Fischen, mediterraner Küche, interessanten Weingütern – und eleganten Katzen

Reisen bildet. Das gilt auch für meine viertägige Reise nach Izmir, die mein Türkei-Bild nachhaltig ins Positive gedreht hat. Die Autofahrt vom Flughafen in die Innenstadt erinnert mich an meine vielen Fahrten vom Airport in Seattle nach Downtown: Breite, gut beleuchtete Straßen, viele Restaurants und Shopping Malls. Keine Frage, die drittgrößte Stadt des Landes ist eine elegante Metropole, wo hochwertige deutsche Autos ihren gebührenden Auftritt haben.

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Präsentiert lebensfroh den tagesaktuellen Fang: Fischverkäufer

Ein Höhepunkt des Besuchs bei meinem deutschen Freund und seiner türkischen Frau ist im Stadtteil Karsiyaki der gigantische, überdachte Markt „Bostanli pazan“. Auf weit über 100 Metern reiht sich Stand an Stand, bestückt mit Fischen, wie Sardinen, Doraden und aktuell den thunfischigen Bonitos, die pro Kilo runde 3,50 Euro kosten – und tagesfrisch von Fischern mit kleinen Booten gefangen werden. Verführerisch die Vielfalt an Obst und Gemüsen, vor allem aber an Oliven und überraschenderweise auch vielen verschiedenen Sorten Walnüssen und Mandeln – und alles kostet pro Kilo zwischen zwei und drei Euro. Saison haben jetzt auch die überall wachsenden saftigen Mandarinen. Das Schöne: Alles darf probiert werden, die gut gelaunten Verkaufsleute animieren freundlich.

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Viele Sorten, hohe Qualität und günstige Preise: Oliven

Natürlich weiß ich um die hohe Inflation im Land, aber auf meinem Kurztrip spüre ich davon nichts. Aber ich lebe dort ja auch nicht dauerhaft. Auffallend ist die Freundlichkeit, ist die Sauberkeit, ist die Offenheit. Eine Offenheit, die ich auch in dem sehr schlichten Gasthaus „Erol un Yeri“ spüre, wo ich sofort zur Besichtigung der Küche eingeladen werde, wo die Köchin des Hauses in großen Töpfen frisch die Köstlichkeiten zubereitet. Der Familienbetrieb ist sehr gut besucht, und es fällt auf, dass hier noch heftig geraucht wird. Auch fällt auf, dass hier die Kopftuchdichte dramatisch geringer ist also etwa im türkisch grundierten Köln-Kalk.

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Schlicht, aber gut: „Erol un Yeri“

Kein großer Fan von Frittiertem bin ich, aber die Sardinen und Kalamares schmecken hervorragend und sind vor allem bestens verdaulich. Richtig begeistert bin ich von den in sehr heißer Butter gegarten Shrimps. Und noch begeisterter bin ich von der Tatsache, dass auch die Shrimps aus der nahen Umgebung stammen. Ebenfalls lokal sind natürlich die topfrischen Salate in den Gasthäusern, meistens eine Art Rukola mit Tomaten und Zwiebeln. Alkohol gibt es hier nicht, dafür eine angenehme Rechnung, keine 30 Euro zahlen wir für vier Personen.

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Ein köstliches Gericht: Shrimps in heißer Butter

Kokorec, also Kutteln, sind zu meiner Freude in der Türkei sehr beliebt. Das sind kleingeschnittene Lammdärme, die ich einmal als wunderbare Kuttelsuppe genieße und ein andermal im „Kizlaragasi Hani“, dem 1744 entstandenen verwunschenen Hauptgebäude des gigantischen Basars in der Altstadt als gegrillte Spezialität im türkischen Baguette. Die meisten Menschen schaudern beim Gedanken an Pansen, weshalb das bei uns meistens im Hundefutter landet. Ich aber liebe Kutteln – und kann mich auch noch als fortschrittlicher Fleischesser fühlen, der das angesagte „nose to tail“ praktiziert.

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Fast Food der speziellen Art: Gegrilltes Kokorec

Auch in der gehobenen Gastronomie waren wir unterwegs – und zwar in zwei Restaurants direkt am Meer. Das elegante „Bogazici“ glänzt mit perfektem Service und fantastischen Vorspeisen (etwa herrlichen Auberginenkreationen) – eine große Stärke der immer noch unterschätzten türkischen Küche, die bei uns gerne auf Döner reduziert wird. Perfekt gelingen hier die gegrillten Barben, während die gebratenen und gemehlten Bonito-Scheiben leider ein wenig zu viel Hitze abbekommen haben.

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Kluges Konzept: Selbst aussuchen und dann zubereiten lassen

Ins Herz geschlossen habe ich das Restaurant „Ümit“, das eine wunderbare Idee hat: Da es direkt neben einem kleinen Fischmarkt liegt (der wiederum direkt neben einem kleinen Fischereihafen ist), lassen sich die Fische dort aussuchen: Wir wählen eine wilde Dorade (es gibt auch preiswertere gezüchtete), kleine Rotbarben, zwei Omega-3-starke Makrelen sowie mit Reis gefüllte Muscheln. Dann begeben wir uns ins „Ümit“ und sitzen draußen direkt am Meer. Auf den optimalen Punkt gegrillt die Dorade, saftig die Makrelen, locker frittiert die Rotbarben. Besonders gut schmecken die mit gekochtem Reis und Muschelfleisch gefüllten Muscheln.

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Muscheln mal anders: Gefüllt mit Reis und Muschelfleisch

Auffallend: Die große Terrasse und die lichten Räume im Innern sind bestens besucht und besonders glänzen elegante, häufig Mini-gekleidete schöne Frauen und ihre bestens gewandeten männlichen Begleiter. In der Ausgehqualität kann Izmir locker mit Städten wie Barcelona mithalten. Neu für mich: Viele Gäste trinken zum Fisch den landeseigenen Schnaps Raki, der auch größtenteils aus Weintrauben gewonnen wird. Ich bevorzuge einheimischen Wein, einen süffigen, optimal gekühlten Sauvignon Blanc für keine 30 Euro die Flasche.

Mittelmeer-Diät! Gesundes Olivenöl, Vitamin intensive Gemüse, Salate und Zitronen, immunstarker Knoblauch, Protein strotzende Fische, Joghurt und naturbelassene Käse, wenig Sättigendes – das ist die berühmte Mittelmeerküche mit hohem Schlankpotential, die auch dem Diabetes die kalte Schulter zeigt.

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Einladendes Weingut mit guten Tropfen: „Usca“

Neugierig geworden bin ich auf die türkischen Weine – und wir fahren nach Südosten ins pittoreske Städtchen Urla mit lauschigen Cafes und hübschen Boutiquen. Ein knappes Dutzend Weingüter schmiegen sich in die sanften Hügel rund um Urla – und das Ganze erinnert mich stark an die Toskana. Aus dem gut gemachten Flyer über die Güter suche ich das Gut „Usca“ aus, weil dort die Trauben von Hand gelesen und schonend, also gekühlt, vergoren werden. Außerdem werden dort dort internationale Rebsorten wie Merlot, aber auch autochthone Sorten wie etwa Bornova Misketi vinifiziert.

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Eleganter Verkaufsraum mit Schutzheiligem: Atatürk

Auf einer einladenden Terrasse mit Blick in die Reben werden die Weine probiert, vernünftigerweise kombiniert mit ausgesuchten türkischen Wurstwaren. Trotz der relativ hohen Alkoholgehalte von um die 13 Prozent schmecken die Tropfen relativ leicht und „trinkig“. Zwischen 10 und 15 Euro kostet eine Flasche – und als ich im großzügigen Verkaufsraum frage, wer der distinguierte Herr auf dem Foto neben dem Tresen ist, heißt es:

Mustafa Kemal Atatürk, der Schöpfer der modernen Türkei. Sein Konterfei habe ich im liberalen Izmir häufig gesehen – und das aus gutem Grund: Denn diesem genialen Staatsmann (die paar Schatten übersehen wir jetzt), ist es zu verdanken, dass die Türkei zwar ein islamisches, aber kein islamistisches Land ist; dass Frauen viele Rechte haben, nicht zuletzt, dass sie sich kleiden können, wie sie wollen; dass Weine zwar nicht offensiv beworben, aber an vielen Orten gekauft und getrunken werden können. Weshalb der von allen Türken hoch geschätzte Atatürk von den Winzern besonders verehrt wird.

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Fühlt sich wohl bei mir: Elegante „Kitticat“

Katzen habe ich immer geliebt, mit Katzen bin ich aufgewachsen. Voller Freude habe ich deshalb die allgegenwärtigen elegant schlanken Katzen beobachtet, die vor allem in und um die Gaststätten streunen. Das sind keine zahmen Hauskatzen, sondern Wildtiere, die sich ihr Fressen täglich erkämpfen müssen. Gerne habe ich sie immer wieder mit Fischresten gefüttert – und ein besonderes Erlebnis hatte ich im Restaurant „Ügir“: Dort habe ich ein zierliches Kätzchen mit der restlichen Makrele (der Appetit ist ja immer größer als der Hunger) beglückt, bis das Tier plötzlich genug hatte – und mir auf den Schoss sprang. Erst wollte sie mich attackieren, dann habe ich „Kitticat“, wie wir sie nannten, beruhigt – und irgendwann schlief sie friedlich. Als ich aufstehen musste, krallte sie kurz, weil sie bleiben wollte, um dann traurig am Boden zu sitzen. Manchmal sind es die ganz kleinen Dinge, die ganz große Freude bereiten.

Fazit: Wer einen kurzen Einblick in die moderne Türkei bekommen will, ist in der facettenreichen Metropole Izmir bestens aufgehoben.

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Kann auch romantisch: Mediterrane Metropole Izmir


ECHT ESSENheißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.


von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 1 Tag

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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