- Ernährung
„Kreuz“: Land-Genuss
4 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im Dezember: Das Gasthaus bei Basel serviert die Klassiker der Schweizer Küche in bodenständiger Qualität.
Schön, dass es sie noch gibt: Gastliche Häuser, die eine Geschichte erzählen, eine Seele haben. Einer dieser raren Schätze ist das „Kreuz“ in Metzerlen, was südlich von Basel direkt an der elsässischen Grenze liegt. Eine sanfte Landschaft, wo sich Wiesen, Weinberge, Wälder und Wanderwege abwechseln. Hier wirtet unterhalb der Kirche in der siebten Generation die Familie Schaffter – und seit einigen Jahrzehnten führt der Koch Stefan Schaffter den Betrieb. Er ist der erste Wirt, der das Haus ausschließlich als Gasthaus betreibt und die traditionelle Landwirtschaft der Familie seines Bruders Kurt überlässt.
So gehört es sich: Drei Stufen führen zum Landgasthof.
Ideal für eine Einkehr ist der Sonntag Mittag, wo das „Kreuz“ bestens besucht ist von fein gekleideten Menschen aller Stände, jüngeren und älteren Pärchen, Familien mit Kindern bis zu mondänen Damen aus dem wohlbestallten Basel. Herzlichst der Empfang durch Veronika Meier, Schaffters Partnerin, und ihrem freundlichen weiblichen Serviceteam. Sofort umfängt den Gast eine wohltuende Unaufgeregtheit – und er fühlt sich geborgen.
Wo sich gestern und heute treffen: „Stübli”.
Zwei Räume (und im Sommer einen Garten) besitzt der Landgasthof, und wir sitzen im gemütlichen „Stübli“, wo Bilder der Ahnen hängen und ein Kachelofen, der in der Schweiz „Kunst“ heißt, eine wohlige Atmosphäre verbreitet. Klassiker der Schweizer Küche stehen auf der übersichtlichen Karte, wie Kalbsgeschnetzeltes mit Röschti, Kalbsrahmschnitzel mit Butternüdeli, Kalbsleberli mit Röschti. Das klingt alles mundwässernd – und das schmeckt auch genau so.
Schlichtes Gericht, raffiniert serviert: Kürbissuppe
Tadellos, schwebend elegant ist zum Start die Kürbissuppe, verfeinert mit einem schaumigen Schuss Sahne und gottseidank nicht ranzigen Kürbiskernen. Es sind solche Kleinigkeiten, die eine gute von einer besseren Küche unterscheiden. Die feine Weinkarte führt auch Tropfen aus der nahen Umgebung und interessante Schweizer Weine, die es bei uns praktisch nicht gibt, etwa Humagne Rouge aus dem Wallis. Ich wähle das Pendant zum badischen Gutedel, einen süffigen Chasselas aus dem Waadtland zu 6 Franken fürs Einerle, also 0,1 Liter.
Duftende innere Käse-Werte: Cordonbleu
Richtig gefreut habe ich mich auf das Hauptgericht, das es in dieser perfekten Form nur in der Schweiz gibt: Kalbs-Cordonbleu, ein Stück Fleisch, in das eine Tasche geschnitten wird, die mit Schinken und Käse gefüllt wird. Entscheidend ist der Käse – und das sind hier zwei der besten aus dem französisch-schweizerischen Käseparadies, nämlich Vacherin und Gruyère. Dazu fein geschnittene Pommes und knackiges Gemüse – ein Genuss für 39,50 Franken, was rund 37 Euro entspricht. Das ist nicht billig, aber für die ausgezeichnete Qualität gerechtfertigt, denn in der Schweiz ist Fleisch ziemlich teuer, weil im Gegensatz zu unserer überwiegenden Massentierhaltung bewusst auch eine kleinbäuerliche Landwirtschaft gefördert wird.
So vorbildlich wirtschaftet auch der neben dem „Kreuz“ stehende „Chirsgartenhof“ (Kirschgartenhof), wo 25 Mutterkühe und Mastrinder noch draußen grasen dürfen, und wo aus dem Obst der Hochstammbäume (ja, die gibt es noch!) köstliche Marmeladen gerührt werden. Viele Produkte des Hofes, der zur Familie seines Bruders gehört, werden auch in der Schaffter-Küche verarbeitet. Die kurzen Wege vom Erzeuger zum Verwender, hier funktionieren sie einwandfrei.
Vollendet wird mein Mahl von einem ausgezeichneten Stück selbst gebackener Linzertorte für 5,50 Franken und einer Tasse Kaffee. Erfreulich: Ich fühle mich gesättigt, aber nicht übersättigt – ein angenehmes Gefühl, das für Stunden anhält.
Bodenständig und sympathisch: Stefan Schaffter
Viele Köche fürchten sich vor dem Gang zu den Gästen. Nicht so Stefan Schaffter, dem der Plausch mit den Gästen sichtlich Freude macht. Das liegt sicher auch daran, dass er im Umgang mit unterschiedlichen Menschen versiert ist, schließlich tagen die Dorfprominenz und Teile der Solothurner Regierung gerne in dem behaglichen Landgasthof. Das ist Schweiz: Die Regierung tagt auf Augenhöhe mit ihren Bürgern – was auch erklärt, warum bei den Eidgenossen so vieles so viel besser läuft.
Im Dialekt unterhalte ich mich mit dem Wirt – und es macht Spaß, ihn zu fotografieren. Eins ist sicher: Es war nicht das letzte Mal, dass ich in diesem angenehmen Gasthaus einkehre.
Fazit: Ein Landgasthof auf der Höhe der Zeit – und trotzdem der Zeit enthoben.
„Kreuz“
Adresse: Hauptstraße 5, CH-4116 Metzerlen-Mariastein (Vom Bahnhof SBB in Basel fahren Tram und Bus in einer knappen Stunde bis vor die Wirtshaustür.)
Öffnungszeiten: Geöffnet Mittwoch bis Sonntag. Warme Küche ab 11 Uhr 30 und wieder ab 18 Uhr
Kontakt: 004161/731 14 95, www.kreuz-metzerlen.ch/home
„AUFGEGABELT“ heißt ein einzigartiges, fast 400 Seiten umfassendes Büchlein, wo die Wirtschaften drin stehen, die alle so lieben – und die es doch so selten gibt: Beizen, wie die urigen kleinen Gasthäuser in der Schweiz heißen, aber auch aus der „besseren“ Küche solche, die ehrlich kochen; die wissen, wo ihre Produkte herkommen, etwa die „Säge“ in Flüh. Es finden sich aber auch handwerkliche Brauereien, echte Metzger wie „Fässler“ in Appenzell, authentische Läden wie „Jeger“ in Solothurn und außergewöhnliche Refugien, wie das urige „Landvogthaus“ im Kanton Glarus.
Erfreulicherweise weist der von dem klugen Journalisten Martin Jenni verantwortete Führer auch auf das „Kreuz“ hin – und es gibt in dem beschaulichen Metzerlen mit der Beiz „Lämmli“ gleich noch einen zweiten Sehnsuchtsort mit jahrhundertelanger Tradition. Gute Gründe also für einen baldigen Ausflug in den Kanton Solothurn.
ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
L’Imprimerie: Vive la France
4 Minuten
- Ernährung
Izmir: „Fischeparadies“
6 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 10 Stunden, 36 Minuten
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
-
jasminj postete ein Update vor 18 Stunden, 13 Minuten
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 10 Stunden, 45 Minuten
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
-
jasminj antwortete vor 10 Stunden, 23 Minuten
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 9 Stunden, 15 Minuten
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
-
jasminj antwortete vor 8 Stunden, 21 Minuten
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
-
-
galu postete ein Update vor 4 Tagen, 15 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 4 Tagen, 13 Stunden
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
-
