- Ernährung
„Roots“: Wurzelwerk
6 Minuten
Das Echt Essen-Gasthaus im August: In Traumlage direkt am Rhein kocht Pascal Steffen in Basel größtenteils heimisch und fasziniert vor allem mit kreativen Gemüsegerichten.
Ein erfreulicher Trend: Immer mehr junge, gut ausgebildete Köche arbeiten vornehmlich mit Produkten aus ihrer Umgebung. In Deutschland sind das etwa Micha Schäfer vom „Nobelhart & Schmutzig“ in Berlin oder besonders vorbildlich Felix Schneider vom „Sosein“ bei Nürnberg. In der Schweiz zählt Pascal Steffen mit seinem „Roots“ zu den Pionieren der natürlichen Küche.
Schlägt Wurzeln am Basler Rheinufer: „Roots“
Aufgewachsen ist der heute 32-jährige Pascal Steffen als Sohn eines Schweizers und einer Italienerin in einem kleinen Dorf bei Luzern. Nach seiner Lehre in einem nahen Landgasthof folgten Stationen bei den derzeit besten Schweizer Köchen wie etwa Andreas Caminada vom Schloss Schauenstein bei Chur. Alles Köche, die einen großen Wert auf möglichst natürlich erzeugte Produkte aus der näheren Umgebung legen. Aus dieser Zeit stammen auch seine guten Kontakte zu Produzenten – ein verwurzeltes Netzwerk, das er mitgenommen hat ins „Roots“ nach Basel, wo er seit Ende 2017 seinen ersten Auftritt als eigener Küchenchef hat.
Ein lässig-elegantes Restaurant ist das direkt am Rhein liegende „Roots“, das mit einer großzügigen Terrasse lockt, wo es sich im Sommer prächtig tafeln lässt. „Momentaufnahme“ heißen klug bezeichnet die Menüs – und ich wähle sieben Gänge mit Weinbegleitung. Es startet mit gutem selbst gebackenem Brot und einer meisterhaften kalten Melonensuppe, der dezente Säure alles „melonige“ ausgetrieben hat.
Von der Gurke geküsst: Forelle
Ein Highlight gleich zu Beginn: Die klein geschnittene Forelle gemischt mit Gurkenstückchen, umkränzt von einem süffigen Gurken-Relish und bestreut mit Pumpernickel – gekrönt von einem hocharomatischen, nicht „senfigen“ Senfeis und aromatisiert mit Gurkenwasser. Großartig dazu der ungemein frische und knackige Kaviar. Ein Gericht mit Suchtpotential.
Prickelnd mineralisch wird der Gang begleitet vom leichten Grünen Veltliner vom Wachauer Weingut Schmelz.
Auf Blumenkohl gebettet: Jakobsmuschel
Braucht’s Jakobsmuschel in der Heimat-basierten Küche? An sich nicht, aber wenn sie sich so saftig frisch präsentiert, passt´s schon. Bestens auch hier wieder die Variation von einem Gemüse – in diesem Fall Blumenkohl. Den gibt es als schlotziges Püree, als intensive Essenz und als hochfeine Rolle vom Stamm des Kohls – eine gute Idee, um alles von der Pflanze zu verwerten. Zum Gericht gehört auch eine komplexe Zubereitung mit gebeiztem Ei, wie die extrem versierte und freundliche weibliche Bedienung erläutert. Da denke ich immer: Wahnsinnig, wie viel Mühe steckt in so einer Zubereitung. Kann ich das überhaupt schmecken? Aber wahrscheinlich würde etwas im Geschmacksbild fehlen, würde diese Komponente fehlen. Mutig das Würzen mit Schnittlauch, was mir gefällt, der Begleitung weniger.
Großer „Franzose“ aus der Schweiz: Fläscher Chardonnay
Herausragend die Weinbegleitung mit einem 2016er Chardonnay des naturnah arbeitenden Weinguts Adank aus Fläsch im Graubünden. Ein Wein voller Wucht mit feiner Säure, der auch als großer Tropfen aus Frankreich gefeiert würde.
Gemüse, wie wunderbar kannst du schmecken: Aubergine
Der Höhepunkt des Menüs: Die meist langweilige Aubergine hier in Bestform. Zuerst Sous Vide, also im Vakuum, gegart und anschließend gegrillt, schwimmt das Gemüse in einer hocharomatischen Kräutercrème, wird begleitet von federleichten Gnocchi auf Stärkebasis – und Bärlauchöl verfeinert diese wunderbare Melange, der Parmesan den letzten Kick verleiht. Ein Gericht, das zeigt, dass Pascal Steffen ein großer Gemüsekoch ist. Gerne würde ich dieses Gericht noch einmal essen – und noch lieber einmal sein vegetarisches Menü.
Passen perfekt: Artischocke und Seeteufel
Am liebsten genieße ich den Seeteufel ganz frisch auf der heißen Grillplatte, der Plancha, direkt an der Meeresküste. Aber auch hier im Binnenland gelingt er erstaunlich gut, hat feine Röstaromen und passt zum gebratenen Artischockenboden mit getrockneten Tomaten, die trotzdem verführerisch saftig schmecken. Ein Gedicht auch das Ragout aus Rübli (schweizerisch für Möhre) und Kapern – und alles amalgiert wohlwürzig eine Safranvinaigrette.
Gutedel in Höchstform: Steingrüble
Kongenial begleitet wird das Gericht vom „Steingrüble“ des badischen Kultweinguts Ziereisen aus dem nahen Efringen-Kirchen. Ein leichter, trotzdem intensiv nachhallender Gutedel ist das, eine Rebe, die lange als Zechwein abgetan wurde. Doch Winzer wie der Lörracher Karlheinz Ruser und natürlich Hanspeter Ziereisen zeigen, welches Potential diese Rebe bietet, die zu den ältesten der Welt zählt.
Gewagte, gelingende Kombination: Erbsen mit Lamm
Wieder so ein Gang, der sich überzeugend einem Gemüse widmet. Hier ist es mein Lieblingsgemüse Erbse, die es bissfest gebraten und als Püree gibt. Hinreißend saftig und wohlschmeckend der Bauch vom heimischen Lamm, den ein kunstvoller Jus begleitet, der sowohl intensiv wie elegant ist. Ach, ja, Trüffel aus Luzern gehören auch dazu. Zu sehen sind sie, zu schmecken nicht.
Fein dazu der 2015er Blaufränkisch vom ebenfalls naturnah arbeitenden burgenländischen Weingut Wachter Wiesler. Ein Wein, der seine wirkliche Trinkreife erst in einigen Jahren erreichen wird.
Dreiklang: Rind, Brokkoli, Pepperonicrème
Pascal Steffen kann auch schlicht – und das ist gut so. Damit kommt eine kluge Dramaturgie aus komplex und einfach in das Menü. Auf den Punkt gegrillt das Nackenstück vom Rind. Intensiv die Pepperonicrème und kraftvoll der Jus, den Pimientos, die speziellen spanischen Paprikas, würzen. Ein Gaumenschmeichler ist das dazu extra gereichte, tolle Buchweizenrisotto mit Schalotten. Auch ernährungsphysiologisch machen die mit dem Rhabarber verwandten Körner „Bella figura“, strotzen die fitten Dreiecke doch vor schön machenden B-Vitaminen und Haut verjüngendem Silizium. Das musste jetzt einfach einmal gesagt werden.
Finale furioso: Erdbeer-Dessert
Desserts sind nicht so mein Fall, meist zu schwer, zu süß. Aber gut, dass ich im „Roots“ die Variation von der Erdbeere gegessen habe. Ein hinreißender Schlussakkord. Auch dieses Gericht wurde genau erklärt – und ich habe nicht alles behalten, schließlich ergeben sieben Mal 0,1 Liter Weinbegleitung irgendwann eine veritable Flasche. Jedenfalls war es eine außergewöhnlich intensive Erdbeersorte, die vor allem leicht getrocknet ein Gedicht war. Ein Erdbeereis war auch noch dabei, etwas mit Holunder – alles hocharomatisch und vor allem nicht zu süß. Idealst dazu ein trockener Cava. Chapeau!
Ruht in sich: Pascal Steffen
Ungemein sympathisch, geerdet ist Pascal Steffen. Im urigsten Schweizer Dialekt unterhalte ich mich mit ihm – und gerne erzählt er von seiner Kindheit, wo er auf dem Acker die bei der Ernte übrig gebliebenen Kartoffeln sammelte – und mit Rosmarin in der Pfanne briet: „Des ischs Gröschte gsi“.
Großes kann ihm auch in Basel gelingen, dieser so reichen Stadt, wo aber die pietistisch geprägten Bürger trotzdem sehr genau auf den Franken achten. Sicher, die knapp 440 Franken (rund 390 Euro) sind ein gewichtiges Wort. Aber das Menü ist seinen Preis wert – wobei ich empfehle, fünf Gänge zu nehmen, denn es dauert doch mit rund vier Stunden etwas zu lang.
Fazit: Ein sympathisches Restaurant, das vor allem mit seinen Gemüsekreationen begeistert.
Nicht preiswert, aber den Preis wert: „Roots“
„Roots“
Adresse: Mühlhauserstraße 17, CH-4056 Basel
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag mittags und abends, Samstag ab 18 Uhr geöffnet. Sonntag und Montag ist zu.
Kontakt: 00 4161/322 10 56, Sehr informative Website auf Französisch: www.roots-basel.ch
ECHT ESSEN heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
L’Imprimerie: Vive la France
4 Minuten
- Ernährung
Izmir: „Fischeparadies“
6 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
