„Sonne“: Bodenständig

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© Hans Lauber
„Sonne“: Bodenständig

Das Echt essen-Gasthaus im Oktober: Eine schnörkellose Landküche serviert das Gasthaus im nördlichen Kaiserstuhl. Und nach dem Essen lockt ein einladender Kräuterpfad

Am Ende eines lauschigen Tals liegt der uralte Weinort Amoltern. Dort bewirtschaftet die Familie Sacherer schon lange die eingesessene „Sonne“, deren Fachwerkfassade prächtig mit wildem Wein bewachsen ist, was wunderbar zum dazugehörigen eigenen Weingut passt.

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Wilder Wein schmückt die Fassade: „Sonne“ in Amoltern

Wie aus der Zeit gefallen wirkt das Gasthaus innen mit gemütlichen Tischen, Stühlen und Lampen. Gottseidank auf der Höhe der Zeit ist die Küche von Arno Sacherer, der nach jahrzehntelanger Wanderschaft wieder in die Heimat zurückgekehrt ist. Da ist einer, der das Handwerk perfekt beherrscht und die selbstgemachten Flädle in einer intensiv-kräftigen und heißen Brühe schwimmen lässt. Ein perfekter Einstieg für 5,80 Euro. Auch die frisch angemachten Salate sind weit entfernt von der üblichen Einheitsware.

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Als die Oma noch kochen konnte: Eingemachtes Kalbfleisch

Traditionelle badische und elsässische Gerichte sind die Spezialität des Kochs, der auch noch als Kellner und Wirt wirkt. So stehen Schinkenbrot, Elsässer Wurstsalat, Rindfleischsalat und Warmes Schäufele mit Kartoffelsalat auf der kleinen, aber feinen Karte. Auf Vorbestellung gibt es sogar das Elsässer Nationalgericht Bäckeoffe, einen deftigen Weineintopf. Ich aber ordere ein fast vergessenes badisches Nationalgericht, nämlich „Eingemachtes Kalbfleisch“ für 21,50 Euro. Das sind in Fett angedünstete Kalbfleischwürfel, die mit hauseigenem Wein abgelöscht, mit Kalbsfond aufgefüllt und mit Gewürzen sowie Suppengemüsen gegart werden. Das Fleisch ist butterzart, die Soße rassig-frisch und das Gemüse Diabetes-freundlich kurz und knackig gegart. Selbstredend sind die Spätzle selbst gemacht. Ein Gedicht von einem Gericht!

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Sieht aus wie Zunge – und ist: Kalbszunge in Burgunder

Ein großes Plus der „Sonne“ ist das vom Bruder Willi Sacherer geleitete Weingut auf der gegenüberliegenden Seite der Bergstraße. Ein gewitzter und kluger Winzer mit einem großen Weinwissen ist Willi Sacherer, von dem mich besonders sein Muskat begeistert. Oft geraten diese Tropfen blumig-süß, nicht so hier: Schlanke 11 Prozent Alkohol und keine 5 Gramm Restzucker ergeben einen eleganten Aperitif. Für 5 Euro steht das „Viertele“ (also 0,25 Liter, eine hergebrachte badische Maßeinheit) auf der Karte. Wer eine ganze Flasche mitnehmen möchte, ist mit 6,10 Euro bestens bedient. Ein „volles Maul Wein“ ist der 2020er Grauburgunder für 4,20 Euro (4,90 Euro die 0,75er Flasche zum Mitnehmen). Bestens passt dieser vollmundige, aber trockene Tropfen zu der ausgezeichneten, zarten Kalbszunge in Burgundersoße. Ein ebenso rares wie feines Gericht.

Fazit: So muss Landküche sein – gut, genug und preiswert

https://gasthof-sonne-amoltern.business.site/

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Feine Weine und großartiger Wildpflaumenschnaps: Zibärtle

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten die Sacherer Weine. Vor allem angetan bin ich von einem Wein, dem ich mit einer prinzipiellen Skepsis begegne, nämlich der pilzwiderstandsfähigen (PIWI) Rebe Regent. Solche Sorten werden angesichts des Klimawandels gezüchtet, um die gefürchtete Rebenkrankheit falscher Mehltau (Perenospera) mit weniger schädlichen Spritzmitteln zu bekämpfen. Allerdings schmecken sie oft belanglos. Aber der 2018er Regent ist erstaunlich „weinig“ und mit unter 3 Gramm Restzucker genau richtig trocken. Außerdem kostet die Flasche angenehme 5,90 Euro. Deutlich teurer, nämlich 18,90 Euro für den halben Liter ist der Wildpflanzenschnaps Zibärtle mit einem fruchtintensiven Bukett. Aber dieser Ausnahmeschnaps ist sein Geld wert.

Ein Kräuterpfad mit 17 Stationen lockt oberhalb von Amoltern. Kurz und bündig werden heimische Kräuter wie Wiesensalbei oder Holunder auf dem 3,6 Kilometer langen Rundweg erläutert. Eine besonders wichtige Heilpflanze ist der „Weißdorn“, weil er präventiv das Herz schützt – und das praktisch ohne Nebenwirkungen. Reizvolle Ausblicke ins Elsass mit seinen Vogesenbergen bietet der Rundweg – und von dort geht es anschließend in die „Amolterer Heide“, das älteste Naturschutzgebiet des vielfältigen Kaiserstuhls.

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Kräftigt das Herz: Kräuterwanderungspflanze Weissdorn

„Gasthof Sonne“


Adresse: Bergstraße 2, 79346 Endingen am Kaiserstuhl

Öffnungszeiten: Mi – Mo 11:00 – 14:00 Uhr und 16:45 – 22:00 Uhr; Di geschlossen

Kontakt: 07642 7242, https://gasthof-sonne-amoltern.business.site


ECHT ESSENheißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.


von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de

Internet: www.lauber-methode.de

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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