Tiefkühlkost

4 Minuten

© Kirchheim/Bernhard Kölsch
Tiefkühlkost

Die Deutschen essen jährlich insgesamt 45 kg Lebensmittel aus dem Froster. Besonders beliebt ist dabei Pizza, bevorzugte Sorte: Salami – laut Statistik isst jeder Bundesbürger mindestens 12 davon pro Jahr. Fett- und kalorienfreundlicher als Pizza ist Tiefkühlgemüse: Hier liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei rund 6,3 kg pro Jahr. Es spricht einiges dafür, öfter mal etwas aus der Gefriertruhe zu essen. Welche Auswahl lohnt sich besonders? Worauf kommt es beim Handling mit Produkten aus dem Eis an?

Tiefkühlspinat, Eiscreme, gefrorenes Fleisch: Wir wollten wissen, welche Praxistipps zum richtigen Umgang mit Lebensmitteln wichtig sind. Die Ernährungswissenschaftlerin Claudia Sommer erklärt, worauf es ankommt; sie ist Referentin für Ernährung, Qualitätsmanagement und Verbraucherservice beim Deutschen Tiefkühlinstitut (dti) in Berlin.


DJ: Frau Sommer, was sind typische Fehler bei der Lagerung?
Sommer: Entscheidend für die Qualität von Tiefkühlprodukten ist, dass die Tiefkühlkette nicht unterbrochen wird. Um einzuschätzen, ob auch im Lebensmittelhandel sorgfältig mit der TK-Ware umgegangen wurde, sollte man beim Kauf die Augen offenhalten und die Verpackung des gewünschten Produktes kontrollieren. Empfehlenswert ist es, nur unversehrte Packungen zu kaufen. Sind Faltschachteln an den Ecken eingedrückt oder haben Folien bereits Risse, ist es besser, sie nicht zu kaufen.

Auch der Zustand der Verkaufstruhe gibt Aufschluss: Gepflegte Gefriertruhen oder -schränke sind sauber und ohne Eisschicht. Die Temperaturanzeige zeigt eine Temperatur von mindestens -18 °C, und die Stapelhöhe ist nicht überschritten. Für Einkauf und Transportweg gilt: Tiefgekühltes erst zum Ende des Einkaufs in den Wagen legen, im Idealfall in eine wiederverwendbare Isolier- oder Kühltasche. So ist alles praktisch für den Heimtransport verpackt. Dicht aneinander gelegte Tiefkühlpackungen bieten optimalen Kälteschutz. Tiefkühlprodukte, die nicht sofort verzehrt werden, sollten als Erstes im Gefriergerät eingelagert werden.

DJ: Wie entsteht Gefrierbrand, und was hat es mit No-Frost-Geräten auf sich?
Sommer: Bei Gefrierbrand handelt es sich um ausgetrocknete Stellen an gefrorenen Lebensmitteln. Undichte oder nicht eng anliegende Verpackungen führen zum Austrocknen des gefrorenen Nahrungsmittels, denn Wasser verdunstet auch bei tiefen Temperaturen. Luft dringt in die Verpackung ein und trocknet das Gefriergut aus. An den Stellen, die der Frischluft ausgesetzt sind, bilden sich dann unschöne schwarz-graue Verfärbungen.

Auch Temperaturschwankungen, die oft beim Transport entstehen, können bei unzureichender Verpackung zu Gefrierbrand führen. Beim Auftauen oder Zubereiten nehmen die ausgetrockneten Stellen kein Wasser mehr auf, sondern bleiben zäh und ledrig. Gefrierbrand tritt hauptsächlich bei Fleisch und Fisch auf, aber auch bei küchenfertigen Rohprodukten wie Bohnen. Die No-Frost-Technologie verhindert, dass das Gefriergerät vereist, und erspart das lästige Abtauen, aber auch die Reifbildung auf den Tiefkühlprodukten.

DJ: Sollen tiefgekühlter Spinat und Champignons nach dem ersten Erhitzen nicht erneut aufgewärmt werden?
Sommer: Spinat gehört zu den nitratreichen Gemüsesorten. Nitrat kann durch längeres Warmhalten zu Nitrit werden – und dieses eventuell im Magen zu Nitrosaminen, die eine möglicherweise krebserregende Wirkung auf den Körper haben können. Darum sollten Spinatreste nicht bei Zimmertemperatur aufbewahrt, sondern sofort im Kühlschrank gelagert werden. Wird der Spinatrest kurz und zügig aufgewärmt, ist der Verzehr unbedenklich. Lediglich Säuglingen und Kleinkindern sollte kein aufgewärmter Spinat angeboten werden.

Frische oder aufgetaute Pilze sind leicht verderbliche Lebensmittel. Die alte Haushaltsregel,dass Champignons nach dem ersten Erhitzen nicht mehr verzehrt werden dürfen, gilt heute nicht mehr. Da sich Champignons bzw. Pilze allgemein hauptsächlich aus Wasser und Eiweiß zusammensetzen, sind sie sehr anfällig für die Zersetzung unter dem Einfluss von Sauerstoff und Bakterien. Die beim Abbau der Eiweiße entstehenden Stoffe können gesundheitsschädlich sein. Wärme begünstigt diesen Zersetzungsprozess.

Durch die Aufbewahrung im Kühlschrank lassen sich diese Abbauvorgänge jedoch verlangsamen: Werden Pilzgerichte also nach dem Zubereiten schnell abgekühlt und entsprechend kühl gelagert, kann man Pilze aufwärmen, ohne dass die Gesundheit gefährdet wird. Auf keinen Fall sollte ein Pilzgericht nach dem Abkühlen noch lange Zeit bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Auch das längere Warmhalten auf der Herdplatte kann die schädlichen Abbauprozesse in Gang setzen und beschleunigen. Im Idealfall verzehrt man die Champignons möglichst bald nach dem Braten, Dünsten oder Kochen. Die Reste eines Pilzgerichtes müssen auf mindestens 70 °C erhitzt werden. So werden potenziell schädliche Keime abgetötet und das Pilzgericht kann bedenkenlos gegessen werden.

DJ: Auftauen bei Zimmertemperatur oder im Kühlschrank, z. B. Geflügel, Fleisch oder Gemüse: Was ist sinnvoller?
Sommer: Aus hygienischen Gründen sollten Geflügel, Fisch und Fleisch in einer Schale getrennt von anderen Lebensmitteln langsam im Kühlschrank aufgetaut werden, und nicht bei Zimmertemperatur. Die Auftauflüssigkeit von Fleisch kann beim Braten mit verwendet werden. Der Fleischsaft sollte bis zum Zubereiten der Sauce im Kühlschrank aufbewahrt und die Sauce gut durchgekocht werden. Wichtig beim Auftauen von rohem Geflügel ist, dass die Auftauflüssigkeit wegen der Salmonellengefahr unbedingt weggeschüttet werden muss.

Alle Gegenstände und Flächen, die mit dem Tauwasser in Berührung gekommen sind, sowie die Hände sofort gründlich mit heißem Wasser reinigen. Gemüse kann unaufgetaut zubereitet werden. Generell sollen die Zubereitungshinweise des Herstellers beachtet werden, dann kann bei der Zubereitung nichts schiefgehen.

DJ: Gibt es einen geschmacklichen Unterschied, wenn Fertigprodukte vor dem Erhitzen zuerst vollständig aufgetaut sind oder tiefgekühlt direkt weiterverarbeitet werden?
Sommer: Viele Lebensmittel aus der Tiefkühlung können unaufgetaut zubereitet werden. Dazu zählen Gemüse, Kartoffel- und Snackprodukte, Pizza und komplette Menüs sowie panierte TK-Produkte wie Fischstäbchen. Aufgetaut werden müssen Produkte, die ohne Erhitzen verzehrt werden, wie Torten, geräucherter Fisch und Obst. Informationen für die Zubereitungsart und -dauer der Produkte finden die Verbraucher auf den Verpackungen. Für ein optimales Geschmackerlebnis sollte man die Zubereitungshinweise des Herstellers unbedingt berücksichtigen.

DJ: Wir danken Ihnen für das Gespräch.


von Kirsten Metternich von Wolff
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (4) Seite 72-75

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte
Sommer auf dem Grill: Aprikosen und Nektarinen werden mit Zitronensaft und Rosmarin aromatisiert, mit Camembert überbacken und in nur 20 Minuten servierfertig. Mit Nährwerten pro Portion eignet sich das Dessert auch für die diabetesbewusste Küche.
Rezept für Gratinierte Sommer-Früchte | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg
Samira Firoziboyaghchi wuchs im Iran auf und bekam als junge Frau Typ-1-Diabetes. Inzwischen lebt sie in Deutschland. Ihr Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg. Auch deshalb hat sie das Kinderbuch „Mira und der blaue Drache“ geschrieben, dass Kindern mit Diabetes Mut machen und Stärke geben soll.
Kinderbuch-Autorin Samira Firoziboyaghchi: Diabetes stärkte sie auf ihrem Lebensweg | Foto: privat

8 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • uho1 antwortete vor 1 Tag

      @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

  • Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 3 Wochen, 2 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände