Verzögert bolen bei viel Fett und Eiweiß

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© Kirchheim-Verlag / Frank Schuppelius
Verzögert bolen bei viel Fett und Eiweiß

Ernährungsempfehlungen für Insulinpumpenträger unterscheiden sich nicht von denen für Typ-1-Diabetiker, die mit einer ICT eingestellt sind. Durch technische Raffinessen, die Insulinpumpen heute bieten, lassen sich bestimmte Lebensmittel jedoch physiologischer abdecken – Dauer und Menge der Insulinabgabe entsprechen also eher denen eines Organismus ohne Diabetes. Dafür gibt es einige gute Tipps und Kniffe von Alisa Hilpert.

Neben dem Normalbolus (Standardbolus), mit welchem die gesamte Insulinmenge direkt abgegeben wird, werden zwei weitere Bolustypen unterschieden: der verlängerte/verzögerte Bolus und der duale Bolus/Multiwave-Bolus. Der Normalbolus wird für Lebensmittel eingesetzt, die ohne Verzögerung ins Blut aufgenommen werden – das sind z. B. solche mit geringem Fett-, Eiweiß- oder Ballaststoffgehalt (z. B. Weißbrot, Nudeln, Reis, Obst und Fruchteis).

Lebensmittel mit einem hohen Fett-, Eiweiß- oder Ballaststoffgehalt – wie Sahnetorte, Nüsse und Hülsenfrüchte – lassen den Blutzucker nur langsam ansteigen. Wird ein Bolus direkt abgegeben, steigt die Gefahr einer Unterzuckerung. Grund hierfür ist der schnelle Wirkeintritt von Insulinanaloga binnen weniger Minuten.

Verzögerter/verlängerter Bolus

Hier empfiehlt sich die Verwendung eines verzögerten/verlängerten Bolus. Die Pumpe gibt dabei in regelmäßigen Abständen kleine Insulinmengen ab. Zunächst wird dazu im Gerät die gesamte Insulindosis für die entsprechende KE/BE-Menge eingestellt. Im nächsten Schritt wird ausgewählt, über welchen Zeitraum die Insulinabgabe erfolgen soll. Je nach Pumpenmodell lassen sich zehn Minuten bis zwölf Stunden einstellen (s. Tab. 1).

Liegt eine Magenentleerungsstörung (Gastroparese) vor, wird ebenfalls eine verzögerte Insulinabgabe empfohlen, da durch die Gastroparese Kohlenhydrate langsamer ins Blut aufgenommen werden.

Bei einer kohlenhydratarmen oder -freien Kost (Ernährung nach Logi-Methode, Low Carb, HCG-Diät) mit höheren Fett- und Eiweißmengen kann die Berechnung der Fett-Protein-Einheit, kurz FPE (siehe Interview auf S. 30), sinnvoll sein. Denn der Körper kann größere Fett- und Eiweißmengen in Zucker umwandeln (Glukoneogenese). Eine FPE sollte zunächst mit 0,5 Einheiten Insulin abgedeckt und bei Bedarf angepasst werden. Aufgrund des späten Blutzuckeranstiegs sollte die Insulindosis über einen verzögerten/verlängerten Bolus abgegeben werden.

Die Abgabedauer lässt sich mit steigender FPE-Menge verlängern (siehe Pańkowska-Algorithmus).

Dualer/Multiwave-Bolus

Werden Lebensmittel gegessen, die neben einem hohen Fett-, Eiweiß- oder Ballaststoffanteil auch reichlich Kohlenhydrate enthalten (z. B. Pizza, Pasta mit Sahnesauce, Fast Food, Schnitzel mit Pommes frites oder Früchtemüsli), eignet sich der duale/Multiwave-Bolus, auch Pizza-Bolus genannt, besser. Dabei wird ein Teil der Insulindosis direkt abgegeben, während die restliche Dosis verzögert wird.

Beispielsweise lässt sich eine Pizza mit 10 KE und einer Gesamtinsulindosis von 10 Einheiten Insulin folgendermaßen abdecken: 40 Prozent (4 Einheiten) sofort und die übrigen 60 Prozent (6 Einheiten) über zwei Stunden verzögert. Werden Mahlzeiten über einen längeren Zeitraum eingenommen (mehrgängige Menüs, Brunch, Knabbereien wie Popcorn im Kino), kann ebenfalls ein dualer/Multiwave-Bolus eingesetzt werden. Da im Vorfeld meist nicht feststeht, wie viele KEs/BEs gegessen werden, kann jederzeit nachgebolt oder der duale/Multiwave-Bolus abgebrochen werden.

Wichtig ist, den Blutzucker bei verzögerter Insulinabgabe nicht zu früh zu korrigieren. Bei Insulinanaloga sollte frühestens drei Stunden nach Ablauf des verzögerten Bolusanteils korrigiert werden.

Individualität steht im Fokus

Dank verschiedener Bolustypen ist eine bessere Anpassung der Insulindosis an besonders fett- und eiweißreiche Mahlzeiten möglich. Die Aufteilung der Insulindosis und die Abgabedauer müssen dabei immer individuell angepasst und im Alltag ausprobiert werden.


von Alisa Hilpert
B. Sc. Oecotrophologin, AK-Diabetes VDOE, Diabetes Zentrum Mergentheim, Theodor-Klotzbücher-Straße 12, 97980 Bad Mergentheim

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2014; 63 (12) Seite 32-33

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  • Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

  • uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • 123novesia postete ein Update vor 2 Wochen

    Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena