Viele Leckereien: Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt

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Viele Leckereien: Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt | Foto: Sina Ettmer – stock.adobe.com
Foto: Sina Ettmer – stock.adobe.com
Viele Leckereien: Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt

Kaum eine Zeit hat etwas so Magisches und Märchenhaftes an sich wie die Adventszeit. In der Dämmerung bei Lichterglanz, weihnachtlichen Klängen und Düften von Bratwurst, Punsch und Waffeln über den Weihnachtsmarkt zu schlendern, lässt Kinderaugen strahlen. Was beim Schlemmen der Leckereien zu beachten ist, erklärt Diabetes-Beraterin Juliana Ehrmann.

Vor Ostern wird gefastet und vor Weihnachten geschlemmt. Das ist für viele Brauch. Deshalb sind einige Menschen in diesen Zeiten besonders streng oder eben äußerst locker und großzügig mit sich selbst und auch mit ihren Kindern.

Ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist für Kinder etwas Besonderes, sodass an diesem Tag andere Prioritäten gesetzt werden sollten. Es braucht bei den Glukosewerten keine Zeit im Zielbereich (Time in Range) über 70 Prozent. An diesem Tag zählt das pure Vergnügen und der Diabetes steht nicht im Vordergrund. Damit das gelingen kann, ist es trotzdem wichtig, extrem niedrige oder langanhaltende hohe Werte zu verhindern.

Vermutlich wird das Einschätzen der Kohlenhydrate unbekannter und vielleicht schwer kalkulierbarer Lebensmittel die größten Fragen aufwerfen. Hinzu kommen die unterschiedlichen Effekte auf den Glukoseverlauf. Auch Kälte und Bewegung können die Glukosewerte beeinflussen. Die dicke Winterjacke, der Zwiebel-Look und die Handschuhe machen die Selbstkontrolle und die Insulininjektion schwieriger. Was ein Glück, dass Glukosesensoren und Insulinpumpen dies inzwischen deutlich vereinfachen.

Kinderpunsch, Magenbrot, Crêpes und Co: Zucker und Fett gemischt

Typische Leckereien auf dem Weihnachtsmarkt sind eine Mischung aus schnellen und langsamen Kohlenhydraten. Zu den schnellen Kohlenhydraten zählen zum Beispiel Kinderpunsch, Magenbrot, kandierte Äpfel oder Crêpes mit Puderzucker. Einige Leckereien enthalten viel Zucker, aber gleichzeitig viel Fett, was sich im Glukoseverlauf Stunden später zeigen kann. Klassiker sind gebrannte Mandeln, Schmalzgebäck, Pommes, die große Feuerwurst oder auch der Langosch.

Wie viele Gramm Kohlenhydrate exakt enthalten sind, lässt sich nur schwer ermitteln und variiert je nach Weihnachtsmarkt und Rezept. Die Tabelle rechts soll helfen, einen Richtwert zu erhalten und ist daher mit einem „Von-bis-Bereich“ oder mit Circa-Angaben versehen. Bei sehr schwer einschätzbaren Leckereien hat sich bewährt, diese vorsichtiger einzuschätzen und ggf. erhöhte Werte im Nachgang zu korrigieren.

Tabelle: Kohlenhydrateinheiten von Leckereien auf dem Weihnachtsmarkt

Weihnachtsleckereien (Auswahl)Kohlenhydrateinheiten (1 KE = 10 g Kohlenhydrate)
kandierter Apfel4,5 – 5,5 KE
Nürnberger Lebkuchen (mittelgroß, 70 g)3,5 – 4 KE
Belgische Waffel (klein, ca. 60 g/groß, ca. 120 g) ca. 3/ca. 6 KE
gebrannte Mandeln (100 g)5,5 – 6 KE
Crêpe mit Nutella2,5 – 3,5 KE
Langosch (250 g)6 – 8 KE
Kinderpunsch (200 ml)2 – 2,5 KE
Bratapfel mit Marzipan3,5 – 4 KE
Bratwurst im Brötchen3,5 – 4 KE
Portion Pommes (mittelfgroße Portion)3 – 3,5 KE
Feuerwurst mit Brötchen3,5 – 4 KE
Currywurst mit Pommes5 – 6 KE
1 Zuckerstange (28 g)2,5 – 3 KE
Baumstriezel (165 g)ca. 6,5 KE
geröstete Maronen (100 g)ca. 4 KE
Marzipankartoffeln (100 g)3,5 – 4,5 KE
Magenbrot (100 g)6 – 7 KE
Churros mit Zimt und Zucker (100 g)ca. 4 KE
Dampfnudel (120 g),
mit Vanillesoße (150 ml)
ca. 5,5 KE
plus 2 KE
Kaiserschmarren (200 g)5 – 6,5 KE
Kakao (200 ml)ca. 2,5 KE

Sinnvolle Insulingaben beim Schlemmen auf dem Weihnachtsmarkt

Bei den schnellen Kohlenhydraten wird eine direkte Insulingabe zu den Mahlzeiten geraten. Der empfohlene Spritz-Ess-Abstand bei AID-Systemen lässt sich auf dem Weihnachtsmarkt kaum einhalten. Wichtig wäre dennoch die Insulingabe zum Essen und nicht danach, da es sonst zu Unterzuckerungen nach dem Essen kommen könnte. Unter intensivierter Insulintherapie (ICT) und Insulinpumpen-Therapie ohne AID ist auch die Insulingabe nach der Mahlzeit eine Option, was bei fettigen Mahlzeiten sogar zu glatteren Verläufen führen kann.

Je nach persönlichen Erfahrungen können auch das Aufteilen des Bolus bei ICT und die Bolusvarianten (dualer Bolus, verzögerter/verlängerter Bolus) bei den Insulinpumpen ohne AID eine Option sein. Die verschiedenen AID-Systeme bieten hier unterschiedliche Möglichkeiten. Es gilt: Je fettiger das Essen ist, desto weniger Insulin wird direkt benötigt und desto länger können sich die Glukose-Effekte zeigen.

Bei den vielen Köstlichkeiten ist es kaum möglich, sich für nur einen Leckerbissen zu entscheiden. Innerhalb kurzer Zeit finden mehrere Mahlzeiten hintereinander statt – ähnlich einem Brunch, nur ohne Büfett. Unabhängig von der Therapie können und sollen solche kurz aufeinanderfolgenden Mahlzeiten mit Insulin ausgeglichen werden. Wichtig dabei ist, erhöhte Glukosewerte vorerst nicht zu korrigieren und ausschließlich die Insulinmenge für die Kohlenhydrate zu kalkulieren. Bei Insulinpumpen berücksichtigt der Boluskalkulator in der Regel das aktive Insulin, sodass es nicht zu einer zu frühen Korrektur kommt.

Aufpassen sollte man jedoch, dass es nicht zu allzu großen Überlappungen der Insulindosen kommt. Denn sonst steigtdas Risiko für Unterzuckerungen – vor allem, wenn eine Kombination aus langsam und schnell aufnehmbaren Kohlenhydraten hintereinander gegessen wird und beide Mahlzeiten direkt mit Insulin abgedeckt werden.

Es gibt beim Diabetes kein Patentrezept

Je nachdem, wie viele Schmankerl verputzt werden, kann das bei der Insulintherapie mit dem Pen ziemlich viele Insulininjektionen bedeuten, was äußerst unpraktisch sein kann. Da viele Leckerbissen mit ordentlich Fett versehen sind und den Glukosewert erst später ansteigen lassen, können die Kohlenhydrate auch „gesammelt“ und das Insulin mit einem Zeitversatz von etwa einer bis eineinhalb Stunden gegeben werden. Das wird höchstwahrscheinlich nicht zu Traumwerten führen, aber vielleicht zu einem Nachmittag, an dem die Kinder vom Christkind und dem Weihnachtsmann träumen können.

All diese genannten Optionen sollen Möglichkeiten darstellen, um extreme Werte zu verhindern oder für mögliche schlechte Erfahrungen oder Misserfolge bessere Lösungen zu finden. Es gibt beim Diabetes kein Patentrezept und trotz gut geschätzter Kohlenhydratmengen können diese von Kind zu Kind zu unterschiedlichen Verläufen führen. Kein Tag ist wie der andere und ein Besuch auf dem Weihnachtsmarkt ist absolut nicht alltäglich, sodass erhöhte Werte vom Weihnachtsmarkt so gut wie keinen Einfluss auf die generelle Glukoseeinstellung und die Time in Rage haben. Mit einer Prise Gelassenheit steht dem Genuss mit allen Sinnen nichts im Weg.


von Juliane Ehrmann

Juliane Ehrmann ist Diabetes-Beraterin DDG und tätig in der Bereichsleitung Diabetes-Beratung sowie in der berufsfachlichen Kursleitung am Diabetes Zentrum Mergentheim und Referentin für den Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD).

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2024; 72 (11) Seite 42-43

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  • kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?

    • Hallo!
      Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
      Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
      Vielleicht hilft das etwas – viel Glück

  • katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen

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  • mr postete ein Update vor 2 Wochen, 5 Tagen

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?