„Weg mit dem Überangebot an ungesunden Lebensmitteln“

2 Minuten

© Gina Sanders - Fotolia
„Weg mit dem Überangebot an ungesunden Lebensmitteln“

Die Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe fordert die Politik erneut dazu auf, die Lebensmittelindustrie in die Pflicht zu nehmen, damit diese ihre Produkte gesünder gestaltet.

Weltweit steigt die Zahl der Menschen, die an Typ-2-Diabetes, Adipositas und ihren Folgekrankheiten leiden. Das Überangebot von hochkalorischen Lebensmitteln und Getränken, reich an gesättigten Fetten, Zucker und Salz, trägt entscheidend dazu bei. Durch eine solche ungesunde Ernährung wird das deutsche Gesundheitssystem jährlich um mehr als 17 Mrd. Euro belastet, schätzt eine aktuelle Studie der Universität Halle Wittenberg.

Forderung: Lebensmittelindustrie in die Pflicht nehmen

Anlässlich des Weltverbrauchertages 2016 fordert die gemeinnützige Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe die Politik erneut auf, die Lebensmittelindustrie in die Pflicht zu nehmen, damit diese ihre Produkte gesünder gestaltet. Zwar gehe die von der Regierung ab 2016 geplante Reduktionsstrategie für Salz, Zucker und gesättigte Fette grundsätzlich in die richtige Richtung. Ein freiwilliger Ansatz ohne gesetzliche Obergrenzen oder ökonomische Anreize zur Produktverbesserung wird jedoch nicht zum Ziel führen, sind sich Experten von diabetesDE sicher. Bis Ende 2020 sollen messbar mehr gesunde Lebensmittel in Europa verfügbar sein*.

Verbraucherschutzthema Nummer eins für die Bevölkerung in Deutschland ist der Verbraucherschutz bei Lebensmitteln, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). „Besteht aber ein Überangebot von fetten, süßen oder salzigen Lebensmitteln, gewöhnen wir uns an sie und essen und trinken sie häufig und finden das normal. So nehmen wir die Gefahr nicht mehr wahr“, warnt Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE.

Lebensmittelangebot: Die ungesunde Wahl ist immer noch die leichtere

„Kekse voller Fett und Zucker für weniger als einen Euro finden Sie in jedem Supermarkt – aber ein Päckchen Vollkornkekse ist schwierig zu finden und kostet das Vierfache. Die ungesunde Wahl ist heute immer noch die leichtere. Die Erkenntnis, dass gesünder zusammengesetzte Lebensmittel und Getränke auch einen Schutz vor chronischen Krankheiten bieten, müssen wir für die Prävention besser nutzen – wir sollten den Menschen häufiger gesunde Produkte zu bezahlbaren Preisen anbieten“, so Kinder- und Jugendarzt Danne, Chefarzt der Kinderklinik Auf der Bult in Hannover.

Diabetes sei aber weiter auf dem Vormarsch und die Bevölkerung Deutschlands sei mehrheitlich übergewichtig. Gesundheitliche Chancengleichheit herzustellen heiße deshalb auch, es Menschen leichter zu machen, gesund zu essen und zu trinken, so Danne. „Eine gesunde Ernährung darf kein Statussymbol für Besserverdienende sein – wir brauchen die Entwicklung gesünderer Produkte für die Breite der Gesellschaft. Die Lebensmittelwirtschaft kann hier einen entscheidenden Beitrag leisten, indem sie ihre Produktrezepturen verbessert und die Gehalte an gesättigten Fetten, Zucker und Salz in verarbeiteten Lebensmitteln verringert“, fordert Danne.

Ökonomischer Anreize für effektivere Rezepturverbesserungen

diabetesDE begrüßt grundsätzlich die ab 2016 von der Bundesregierung initiierte nationale Reduktionsstrategie, die den Gehalt von Zucker und Salz in verarbeiteten Produkten und den Verzehr von gesättigten Fetten reduzieren soll. „Der Zielsetzung im Hinblick auf die geplante Reduktion des Salzgehaltes in Lebensmitteln können wir zustimmen (minus 16 Prozent in den nächsten vier Jahren), wir kritisieren aber das Fehlen eines produktbezogenen Zielwertes bei den gesättigten Fettsäuren und eine zu lasche Zielsetzung beim Zuckergehalt (minus mindestens 10 Prozent in fünf Jahren)“, ergänzt Ernährungsexperte Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Joost, ehemaliger Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE).

diabetesDE empfiehlt darüber hinaus ein engmaschiges Monitoring (alle zwei Jahre), die Einbeziehung unabhängiger Expertengremien sowie den Einsatz ökonomischer Anreize für effektivere Rezepturverbesserungen, gemäß den Empfehlungen der WHO und der Vereinten Nationen.


* Gemeinsam mit 21 anderen EU-Ländern sowie Norwegen und der Schweiz unterstützt Deutschland im Rahmen der derzeitigen niederländischen EU-Ratspräsidentschaft ein gemeinsamen Aktionsplan für die Verbesserung der Ernährungsqualität von Lebensmitteln und Getränken.


Quelle: Pressemitteilung von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Präventionsoffensive: Auftakt zum breiten Angriff auf chronische Krankheiten?
Noch wird um die genaue Ausgestaltung der „Zuckersteuer“ gerungen. Mit einer „Präventionsoffensive“ will das Bundesgesundheitsministerium dafür sorgen, dass diese Abgabe kein Strohfeuer im Kampf gegen Typ-2-Diabetes und andere chronische Krankheiten bleibt.
Zwei Fußballspielerinnen in schwarzen und blauen Trikots laufen auf einem grünen Rasen einem Fußball hinterher. Die Aufnahme aus der Vogelperspektive symbolisiert Bewegung und Prävention.

3 Minuten

Community-Rezept: Sonnenblumenkern-Brot von Daniel
Daniels Rezept für Sonnenblumenkern-Brot wird mit Roggenvollkornmehl, Leinsamen und Hefe gebacken. Der Teig braucht Zeit zum Gehen, ist aber schnell angerührt. Das Ergebnis ist ein saftiges, ballaststoffreiches Brot mit knuspriger Kruste und kräftigem Geschmack. Daniel zeigt, worauf es ankommt.
Community-Rezept: Sonnenblumenkern-Brot von Daniel | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

3 Minuten

Community-Beitrag
Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • uho1 postete ein Update vor 51 Minuten

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂