- Ernährung
Wie gefährlich ist die Wurst?
3 Minuten
Wurst und Schinken (also verarbeitetes Fleisch) erhöhen das Risiko für Darmkrebs – mit dieser Nachricht hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) viele Menschen aufgeschreckt. Was ist dran an den Studienergebnissen, die Wurst auf eine Stufe stellt mit krebserregenden Substanzen wie Zigaretten, Asbest und Dieselabgasen? Professor Dr. Friedrich Hagenmüller, Chefarzt der Gastroenterologie in der Asklepios Klinik Altona (Hamburg) und Darmkrebs-Experte, erklärt im Interview, was nun für Wurst- und Fleischesser wichtig ist.
Mit ihrer Veröffentlichung einer aktuellen Zusammenfassung von rund 800 verschiedenen Studien im renommierten Medizin-Journal “The Lancet” sorgt die Weltgesundheitsorganisation WHO für Aufregung. Der Verzehr von 50 Gramm verarbeitetem Fleisch wie Wurst oder Schinken pro Tag erhöht danach das Darmkrebsrisiko um 18 Prozent. Auch rotes Fleisch erhöht nach den WHO-Daten die Krebsgefahr, auch wenn dieser Zusammenhang nicht so eindeutig ist wie bei verarbeitetem Fleisch. Welche Schlüsse sollten Verbraucher aus der WHO-Veröffentlichung ziehen?
Wie ernst ist diese Warnung zu nehmen?
Prof. Hagenmüller: Die Hinweise auf eine erhöhte Krebsgefahr durch Fleischprodukte sind nicht neu und werden in der Fachwelt seit Jahrzehnten diskutiert. Aber wenn die Weltgesundheitsorganisation die Daten in dieser Form zusammenträgt und eindeutige Schlüsse daraus zieht, bedeutet das eine neue Qualität und verschafft dem Thema mehr Aufmerksamkeit. Dass verarbeitetes Fleisch, also gesalzenes, gedörrtes, geräuchertes, fermentiertes oder anderweitig verändertes Fleisch, das Darmkrebsrisiko erhöht, müssen somit auch die Hersteller solcher Produkte anerkennen. Rotes Fleisch wurde als “wahrscheinlich krebserregend” eingeordnet, hier ist die Beweislage also nicht so eindeutig.
Wie hoch ist das Risiko für den Einzelnen?
Prof. Hagenmüller: Für den einzelnen Verbraucher ist das Risiko, nur aufgrund seines Fleischkonsums Darmkrebs zu entwickeln, klein. Das sogenannte Lebenszeitrisiko, an Darmkrebs zu erkranken, liegt bei fünf Prozent. Wer täglich 50 Gramm Wurst isst, erhöht es also auf knapp sechs Prozent. Man muss aber sehen, dass die Wurst nur ein Puzzlestein ist, der im Zusammenspiel mit weiteren Risiken wie familiärer Belastung, Übergewicht, Diabetes, Rauchen und chronischen Darmerkrankungen zu Darmkrebs führt.
Einem 60-Jährigen den Teller wegzunehmen, wenn Fleisch der einzige Risikofaktor ist, macht also keinen Sinn. Das muss man mit Augenmaß betrachten. Gesellschaftlich betrachtet ist der hohe Fleischverbrauch aber ein relevantes Problem. Da das Risiko mit der verzehrten Menge steigt, ließe sich durch die Reduzierung des Fleischverzehrs schon viel erreichen.
Leben Vegetarier gesünder?
Prof. Hagenmüller: Ja, das haben schon viele Studien gezeigt. Vegetarier haben nicht nur ein geringeres Krebsrisiko, sondern leiden auch seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht und anderen Zivilisationskrankheiten. Sogenannte Pescetarier, die neben vegetarischer Ernährung auch Fisch essen, haben die längste Lebenserwartung, gefolgt von Vegetariern und Veganern.
Am schlechtesten schneiden Menschen ab, die große Mengen Fleischprodukte konsumieren. Das hat die WHO ja nun auch bestätigt. “Radikale” Vegetarier entwickeln aber nicht selten einen Eisenmangel, wenn sie nicht auf eine ausgewogene Ernährung achten. Wer hin und wieder ein bisschen Fleisch isst, hat damit keine Probleme.
Wie soll ich mich als Verbraucher verhalten?
Prof. Hagenmüller: Grundsätzlich muss man sich bei jedem vermeidbaren Risiko fragen, ob man es persönlich eingehen möchte oder nicht. Das gilt für jede Zigarette genauso wie für die Wurst. Der Verzicht auf Fleisch alleine schützt nicht vor Krebs, man sollte alle Risikofaktoren im Auge behalten. Generell sollte man in allem das Übermaß vermeiden, das gilt für den Fleischkonsum genauso wie für das Essen generell oder bei Genussmitteln wie Alkohol und Tabak. Daneben sollte man ausreichend schlafen und sich möglichst viel bewegen – dann ist man auf einem guten Weg, sein Krebsrisiko im Griff zu behalten.
Was kann ich noch tun, um mein Darmkrebsrisiko zu senken?
Prof. Hagenmüller: Der beste Schutz ist die Darmkrebsvorsorge! Darmkrebs entwickelt sich in der Regel über viele Jahre aus sogenannten Polypen, die bei einer Darmspiegelung gefunden und entfernt werden können. Deshalb sollte jeder Mensch mindestens einmal im Leben ab dem 55. Lebensjahr eine Darmspiegelung durchführen lassen.
Wir haben in Deutschland mit den Stuhltests und dem Angebot der Darmspiegelung ein vorbildliches Darmkrebs-Vorsorgeprogramm, um das uns andere Nationen beneiden und das die Darmkrebsrate hierzulande bereits deutlich gesenkt hat und weiter senkt. Die Hamburgerinnen und Hamburger sind bei der Darmkrebsvorsorge übrigens Spitzenreiter: Hier haben in den vergangenen zehn Jahren fast 50 Prozent der Anspruchsberechtigten bereits eine Darmspiegelung durchführen lassen.
Quelle: Pressemitteilung der Asklepios Kliniken
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 49 Minuten
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 3 Wochen
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 3 Wochen
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 3 Wochen
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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