- Ernährung
„Wolfs Junge“: Jetzt-bürgerlich
5 Minuten
Das Echt essen-Gasthaus im Juli: Sebastian Junge hat den Zeitgeist begriffen: In seinem Restaurant vereint er bestes Kochhandwerk mit einheimischen Zutaten – vieles selbst angebaut.
Viele trauern der gut bürgerlichen Küche nach. Doch es naht Hoffnung: Eine junge Generation von Köchen setzt die Tradition, modern interpretiert, in die Jetztzeit fort. So in Köln das „maiBeck“ oder in Hamburg nahe der berühmten Außenalster seit bald zwei Jahren „Wolfs Junge“. Wobei der Name auf den Vornamen vom Vater des Kochs anspielt.
© Wolfs Junge GmbH | Bei schönem Wetter auch Draußen: „Wolfs Junge“
Eine vorbildliche Ausbildung hat Sebastian Junge durchlaufen: Lehre im Hamburger Traditionshotel Vier Jahreszeiten, viele Kochstationen, etwa in Australien und auf dem Biogut Wulksfelde – sowie Küchenchef im „Kleinen Jacob“, der „Filiale“ des berühmten Louis C. Jacob. Genau so wichtig waren aber auch Praktika auf Biohöfen, in Käsereien, in Fleischereien sowie ein Lehrgang bei der ersten Slow Food Youth Akademie in Deutschland. Damit hat sich der sympathische Koch ein breites Netzwerk geschaffen, um auf beste Produkte aus dem Umland zugreifen zu können.
Solides Holz, dezente Eleganz: Gastraum
Gekrönt wird dieses Engagement von einem eigenen Gemüsefeld mit 20 Sorten bei der renommierten demeter-Gärtnerei Sannmann in Ochsenwerder vor den Toren der Hansestadt. So kann das elegant-moderne Restaurant mit seinen bequemen Stühlen frischestes Gemüse anbieten. Gleichzeitig weiß die Crew, die am Dienstag, Donnerstag und Samstag in der Gärtnerei ist, wie die anspruchsvollste ökologische Wirtschaftsweise, nämlich die biologisch-dynamische, funktioniert. Auf diese Weise führt „Wolfs Junge“ eine der besten Traditionen der gut bürgerlichen Küchen fort, nämlich die Herstellung eigener Lebensmittel.
Krönt ein Tomatenbett: Handgemachter Ziegenkäse
Gastfreundliche 62 Euro kostet das Fünfgang-Menü, wobei die angebotene Weinbegleitung ebenfalls günstige 40 Euro kostet. Selbstredend selbst gebacken ist das kräftige Brot, plus eine süchtig machende selbst aufgeschlagene Butter. Vom „herzhaften Einstieg“ ist mir eine Entenpâtée in bester Erinnerung geblieben. Erinnernswert auch im ersten Gang der handgemachte Ziegenkäse, der auf einem Bett von süßsauer eingelegten Tomaten ruht – und alles ist umgeben von einer Olivenöl-Emulsion, dezent angesüßt mit Ahornsirup.
Sanft gegart in Nußbutter: Steinbeißer
Als Höhepunkt des Menüs entpuppte sich der „Fang des Tages“, ein perfekt in Nußbutter gegartes Stück vom Steinbeißer, ein Süßwasserfisch, der kaltes Wasser liebt – und mit schön machendem Vitamin B und Knochen stärkendem Phosphor punktet. Süß-sauer eingelegte Gurke und eigener Joghurt geben dem feinen Fisch einen frischen Kick. Ein kongenialer Begleiter ist der ausdrucksstarke Sauvignon Blanc vom kleinen Loire-Familienweingut Paul Thoma. Ausgesucht hat den Wein der souveräne Serviceleiter Sascha Ureidat, der vorher in namhaften Häusern, etwa dem Louis C. Jacobs, Gastgeber war. Er verkörpert eine feine hanseatische Noblesse, die sich wohltuend unterscheidet von dem teilweise reißerischen Gehabe entsprechender Lokale in Berlin.
Adeln den Bauerngockel: Ingwer und Sesam
Ein „Bauerngockel“ war als nächster Gang annonciert – und es wurden auch Brust und Keule angekündigt von „einem ganzen Tier“, wie der Service zu recht stolz versprach. Tja, irgendwie dachte ich dabei an ein schönes, saftiges Stück, aber hier war es eine Zubereitung, die etwas kleinteilig daherkam und fein mit Sesam gewürzt war. Dazu passten gut die mit Ingwer gewürzten Fermente. Sicher, das war handwerklich perfekt, aber ich hatte halt eine andere Erwartungshaltung.
Voll erfüllt werden aber alle Erwartungen bei der beeindruckenden Liste mit den Lieferanten. Die meisten aus der Umgebung, die meisten sind kleine Betriebe, die meisten arbeiten ökologisch, was erfreulicherweise nicht weiter ideologisch thematisiert wird; es ist hier einfach selbstverständlich. Das ist alles schon äußerst zukunftsträchtig. Wobei mich ein Betrieb besonders interessiert: „Arne Bläsling Elbwild“, der „weidegeschossenes Rindfleisch“ anbietet – eine besonders stressfreie Schlachtmethode. Da möchte ich gerne einmal vorbei gehen.
Begeisternder Wein von der Rhone: Vacqueyras Perrin
Sehr interessant sind die von Sascha Ureidat ausgewählten Weine, die ausnahmslos gut mit den Gerichten harmonieren. Mir sind sie nur teilweise ein wenig zu stark auf den hanseatischen Geschmack abgestimmt, der es gerne auch einmal etwas süßer mag. Aber es gibt ja auch noch eine klug kompilierte Weinkarte mit sehr bezahlbaren Tropfen, etwa einen Grünen Veltliner für 32 Euro vom österreichischen Kultweingut Ott.
Voll begeistert hat mich der rote, Grenache-basierte Vacqueyras „Les Christins“ vom Weingut Perrin, den ich mir besorgen werde. Serviert wurde er zum Hauptgang, bestehend aus zwei dicken Scheiben von der Ente, aromastark begleitet von einem eingekochten Jus und der Keule als raffiniertem Confit, plus knackigen Bohnen und Zucchini. Ein wunderbares Gericht, das noch besser gemundet hätte, wäre das Fleisch etwas länger gereift gewesen.
Kein Spielverderber für einen schönen Abend: Rechnung
Wohl abgerundet wurde das Menü von einem feinen Dessert aus Erdbeere, weißer Schokolade und Rahm – begleitet von einer natürlich süßen, aber natürlich auch großartigen 2018er Beerenauslese vom Vorzeigeweingut Dreissigacker aus dem rheinhessischen Bechtheim. Gut gesättigt war ich mit meinen Freunden, sodass uns der Sinn nach einem kräftigen Kümmel stand, der seine helfenden Kräfte auf das Vortrefflichste entfaltete.
Freude macht der Abend in diesem angenehmen Restaurant – und die Freude hält auch beim Blick auf die Rechnung an. Sicher, es ist nicht billig, aber für das Gebotene sehr angemessen. Wir sind sicher, dass es nicht unser letzter Besuch in der sehenswerten Zimmerstraße im noblen Uhlenhorst war.
Fazit: Hanseatische Gediegenheit trifft auf ein zukunftsträchtiges Konzept mit besten heimischen Produkten. Sternverdächtig!
Tipp: Ein ähnliches Konzept mit vielen Produkten aus der Umgebung verfolgt das Hamburger Gasthaus „Hobenköök“ (www.hobenkoeoek.de). Es wird geführt von Thomas Sampl, den ich vor einigen Jahren schon einmal vorgestellt habe, damals im „Vlet“.
„Wolfs Junge“
Adresse: Zimmerstraße 30, 22085 Hamburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag mittags von 12 bis 14 Uhr und Dienstag bis Samstag von 18 Uhr an geöffnet
Kontakt: 040 – 40 209 651 57. Es lohnt ein Blick auf die Lust machende und sehr informative Site www.wolfs-junge.de
ECHT ESSEN
heißt der Blog, in dem ich seit zehn Jahren jeden Monat mindestens ein Gasthaus vorstelle. Wichtiges Auswahlkriterium: Herkunft der Produkte.

von Hans Lauber
E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
Internet: www.lauber-methode.de
⇒ zurück zur „Echt essen“-Übersicht
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Ernährung
L’Imprimerie: Vive la France
4 Minuten
- Ernährung
Izmir: „Fischeparadies“
6 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
-
bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
-
ole-t1 antwortete vor 2 Wochen
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
-
-
thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
