Auswandern auf die grüne Insel: “Jederzeit wieder!”

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Auswandern auf die grüne Insel: “Jederzeit wieder!”

Diabetes-Journal-Leserin Tanja Telieps sagt: “Eigentlich lässt es sich in Irland mit Typ-1-Diabetes ganz ähnlich leben wie in Deutschland.” Vor einigen Monaten ist sie ausgewandert und fand große Unterstützung in einer Dubliner Selbsthilfegruppe.

So viel stand für mich fest: Nach Fertigstellung meiner Doktorarbeit wollte ich zumindest für eine Weile im Ausland arbeiten. Also Check internationaler Stellenanzeigen – und da fiel mir ein Angebot aus Irland auf! Was soll ich sagen? Meine Bewerbung war erfolgreich und beim Vorstellungsgespräch gefiel mir Dublin sofort. Nun: Los ging’s zunächst mit Dingen wie Wohnungssuche und das Beantragen einer PPS-Nummer, der irischen Sozialversicherungsnummer.

Wichtige Diabetes-Fragen

Dann stellten sich jedoch ganz andere Fragen: Wie würde ich als Typ-1-Diabetikerin in Irland leben und zurechtkommen können? Oder: Wie wird man als Diabetiker in Irland behandelt – und wie viel muss ich selbst bei der Therapie zuzahlen? Gibt es Diabetologen? Was ist der Standard der Diabetes-Therapie in Irland? Widersprüchliches dazu im Internet; zusätzlich bekam ich mit der Krankenschwester gleich Ärger bei der Einstellungsuntersuchung: Sie wollte nicht verstehen, wie ich als Typ-1-Diabetikerin nur zu viel wiegen kann …

Ich hatte während der Endphase meiner Doktorarbeit lange mit meiner Blutzuckereinstellung gekämpft, doch seitdem wurden meine Werte und meine Einstellung eigentlich kontinuierlich besser – daher stellte ich mir die Frage, ob alle irischen Diabetiker extrem diszipliniert sind? Oder ob hier ein striktes Essschema vorgeschrieben würde? Überwältigt von den Fragen, zog ich es zeitweise in Erwägung, den Auswanderungsplan aufzugeben.

Selbsthilfe in Dublin

Zum Glück stieß ich bei der Internetrecherche auf die Typ-1-Diabetes-Selbsthilfegruppe in Dublin: Ich schrieb gleich eine E-Mail – und als Antwort bekam ich eine Einladung zum monatlichen Treffen! Entgegen meinen Befürchtungen waren irische Diabetiker auch ganz normale Menschen: manche disziplinierter, andere weniger. Vor allem aber nahm sich die ganze Gruppe viel Zeit, mir zu erklären, wie die Behandlung von Diabetikern in Irland funktioniert:

Der “General Practitioner”

Ich müsse zusammen mit meinem General Practitioner (GP), einer Art Hausarzt, ein Formular ausfüllen, um in das Behandlungsprogramm für chronisch Kranke zu kommen; danach bekäme ich ein Buch, über das ich kostenlos Insulin, Teststreifen und Hilfsmittel in der Apotheke beziehen könne.

Nach dem Treffen ging ich beruhigt nach Hause: Ich kann jedem, der daran denkt, auszuwandern, nur empfehlen, sich im jeweiligen Land eine Selbsthilfegruppe zu suchen oder anderweitig mit Diabetikern Kontakt aufzunehmen.

Inzwischen kam besagtes Buch per Post; meine Ärztin beantragte zusätzlich einen Termin bei einem Diabetes-Spezialisten – diese sind hier in Kliniken angesiedelt. Einen Termin zu bekommen, dauert Monate – also werde ich sicherlich bis Herbst warten müssen. Solange kann ich zu der Ärztin gehen. Man kann sich in Irland zusätzlich privat krankenversichern – Diabetes scheint aber auch hier zunächst ausgenommen vom Schutz. Ich überlege, ob ich mich trotzdem darum bemühen soll, man bekommt dann schneller Termine, heißt es.

Arbeitsplatz: Jeder weiß es

An meinem Arbeitsplatz weiß jeder, dass ich Typ-1-Diabetes habe. Niemand hat damit ein Problem; das mag auch daran liegen, dass ich im Bereich Immunologie/Biomedizin arbeite und alle Kollegen wissen, was Diabetes ist. Aber schon in Deutschland ging ich immer offen um damit.

Alles in allem lebt es sich mit Typ-1-Diabetes in Irland ähnlich wie in Deutschland. Anfangs unterzuckerte ich öfter nachts, wohl deshalb, da ich jeden Tag eine halbe Stunde zur Arbeit laufe. Eine Reduktion des Basalinsulins löste das Problem. An neue Nahrungsmittel bin ich inzwischen gewöhnt und kann sie gut berechnen. Viele irische Typ-1-Diabetiker haben Insulinpumpen; ich hoffe, nach meinem Termin in der Klinik auch eine beantragen zu können.

Letzte Woche war die halbjährliche soziale Veranstaltung der Selbsthilfegruppe: Das Restaurant in einer alten Kirche – es war schön, eindrucksvoll und unterhaltsam! Ich bekam wertvolle Tipps zum Diabetes, lernte gleich viele nette Menschen kennen. Beim nächsten Treffen sind Ernährungs-Experten zu Gast, denen man Fragen stellen kann. Ich bin schon gespannt.

Nach Irland auswandern mit und trotz Typ-1-Diabetes ist also gut möglich – ich würde es jederzeit wieder machen.


Steckbrief

Name: Tanja Telieps

Alter: 33 Jahre

Beruf: Biologin/Immunologin

Diabetes: Typ-1-Diabetes

Therapie: ICT (NovoRapid; 2-mal täglich Levemir)

Hobbys: Fotografie, Schwimmen, Lesen, Reisen

Kontakt: TanjaTelieps@googlemail.com

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2013; 62 (10) Seite 54-55

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße