- Aus der Community
Diabetes-Kurzgeschichte: Der kleine Melli und ich – der Diabetes macht stärker …
3 Minuten

Du hast eine wichtige Präsentation, liegst wach, schaust morgens noch hektisch in den Computer, vergisst ihn fast daheim. Dann kommt ein hoher Blutzuckerwert dazu. So wie bei Nina.
Der Wecker klingelt, es ist 6.30 Uhr. Doch Nina liegt schon seit zwei Stunden wach im Bett. Heute ist ihr großer Tag, denn sie wird in einer Präsentation ihren Kollegen ihre neuen Ideen vorstellen. Nervös dreht sich Nina von links nach rechts. „Wieso habe ich mir das einreden lassen von meinem Chef, dass das eine gute Idee ist? Ich mag es nicht, vor Menschen zu reden. Und das kann ich auch einfach nicht.“
Kurze Zeit später kommt Melli hereingestürmt und ruft: „Nina, du musst aufstehen, heute ist doch deine Präsentation. Dein großer Auftritt.“ Da erwidert Nina angespannt: „Fang du nicht auch noch davon an, ich bin eh schon nervös genug.“
Am Frühstückstisch sitzt Nina schweigend vor ihrem Müsli und starrt vor sich hin. Plötzlich schaut sie auf und sagt: „Vielleicht sollte ich die letzten zwei Folien weglassen. Die werden meinem Chef bestimmt nicht gefallen.“ Kaum hat sie ihre Gedanken in Worte gefasst, will sie auch schon zu ihrem Laptop stürmen und das Gesagte umsetzen. So wird sie von Minute zu Minute nervöser.
Die Diabetes-Kurzgeschichten-Reihe „Der kleine Melli und ich“ – der Hintergrund
Melli ist ein kleiner Junge, der mit Nina, einer jungen erwachsenen Frau, zusammenlebt. Die beiden Protagonisten der Diabetes-Kurzgeschichtenreihe geraten im Alltag immer wieder in Konflikt: beim Essen, beim Sport etc.
Autorin Lena Schuster ist Psychologin und hat seit 2014 Typ-1-Diabetes. Ihr Bruder hat seit der Kindheit ebenfalls Typ-1-Diabetes, deshalb ist ihr auch der Einfluss der Stoffwechselerkrankung auf die Familie gut bekannt. Zu ihren Kurzgeschichten sagt sie: „Für mich ist der Diabetes vergleichbar mit dem kleinen Melli, den man oft zu gerne ignorieren möchte, doch das geht leider nicht. Denn ignoriert man den Diabetes, ist er wie ein schreiendes Kind, das einen nicht zur Ruhe kommen lässt. Kümmert man sich jedoch um den Diabetes, so macht einen das stark – und man erkennt, dass man bereit ist, auch andere Probleme des Lebens zu bewältigen.“
➤ hier gibt es alle Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
Panik steigt auf. Melli versucht, sie zu beruhigen, indem er auf sie einredet: „Nina, das packst du schon. Du hast dich doch so gut darauf vorbereitet.“ Nina steckt in Gedanken, die Worte erreichen sie nicht.
Wichtige Präsentation … aber den Laptop daheim vergessen!
Angespannt steht sie vom Tisch auf und läuft vom Wohnzimmer zum Schlafzimmer und schließlich in die Küche. Aufgewühlt murmelt sie vor sich hin: „Den Laptop brauche ich und eine Flasche zu trinken. Und eine Kleinigkeit zu essen.“
Letztlich verlassen Nina und Melli das Haus und laufen in Richtung Straßenbahn. Kurz vor der Haltestelle bleibt Nina abrupt stehen. Der Schock steht ihr ins Gesicht geschrieben: „Oh Gott, ich habe meinen Laptop vergessen. Ich muss noch mal heim. Oje, schaffe ich das überhaupt noch rechtzeitig?“ Kaum ausgesprochen, stürmen die beiden schon los und holen den Laptop. Zum Glück hat dann die Nachbarin noch die Tür der Straßenbahn blockiert, sodass Nina und Melli in letzter Sekunde hineinhuschen können.
„Du musst Dich jetzt spritzen!“ – „Lass mich in Ruhe!“
Die beiden lassen sich auf einen Sitz fallen, und Nina packt direkt ihren Laptop aus. „Ich schaue mir nur noch mal meine Notizen an. Nicht, dass ich irgendetwas vergesse.“ Jedoch muss sie zur Arbeitsstelle nur vier Haltestellen fahren, sodass sie kurze Zeit später schon wieder aussteigen müssen. Kaum sind sie ausgestiegen, zieht Melli Nina am Arm. Zunächst ignoriert Nina ihn, doch Melli bleibt hartnäckig. Schließlich dreht sich Nina zu ihm und bemerkt: „Du, ich kann mich jetzt nicht um dich kümmern. Stress mich jetzt bitte nicht, ich bin eh schon so nervös.“
Aber Melli lässt nicht locker. „Nina, das geht so nicht. Du hast einen hohen Blutzuckerwert. Du musst dich spritzen.“ Diese Worte bringen bei Nina das Fass zum Überlaufen. Panisch versucht sie, sich loszureißen. „Lass mich in Ruhe, ich kann einfach nicht mehr. Du siehst doch, wie aufgewühlt ich bin.“ Gleichzeitig weiß Nina, dass sie keine Chance hat. Sie muss sich jetzt um Melli kümmern. Da führt kein Weg daran vorbei.
Insulin geben – auch dann, wenn es gar nicht passt
Also packt sie die Spritze aus und gibt sich die entsprechende Menge Insulin. Daraufhin schaut Melli sie liebevoll an und sagt: „Weißt du, ich bin echt stolz auf dich. Du leistest jeden Tag so viel und kümmerst dich um mich. Das ist nicht einfach.“ Versöhnend streichelt er ihr über den Arm und fügt hinzu: „Ich bin mir sicher, dass jemand, der schon so viel erreicht hat im Leben, solche Hürden wie eine Präsentation auch gut meistern wird.“
Darauf antwortet Nina: „Eigentlich hast du recht. Das sollte ich mir viel öfter vor Augen halten. Wir sind ein starkes Team!“ Bestärkt durch diese Worte betritt Nina deutlich weniger aufgewühlt und selbstbewusster den Raum und startet ihre Präsentation.
Kommentar der Autorin:
Das Leben stellt uns ständig vor Herausforderungen, sodass wir uns häufig in stressigen Situationen befinden, in denen der Blutzuckerspiegel verrücktspielt. Es ist wichtig, dass wir uns vergegenwärtigen, dass wir täglich Großes leisten mit dem Diabetes und wir deshalb die Stärke haben, die Hürden des Lebens bewältigen zu können. Macht Euch bewusst, dass der Diabetes Euch stärker macht!
➤ weitere Diabetes-Kurzgeschichten mit Nina und dem kleinen Melli
von Lena Schuster
Erschienen in: Diabetes-Journal, 2020; 69 (11) Seite 48-49
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aus der Community

4 Minuten
- Aus der Community

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
- moira antwortete vor 5 Tagen, 16 Stunden
Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …mr postete ein Update vor 2 Wochen, 6 Tagen
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Wochen, 1 Tag
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?



