- Leben mit Diabetes
Mit Insulin, Spritzen und Attest als Reporter um die Welt
2 Minuten

Klaus Blume, Zweiter Vorsitzender des Diabetikerbund Hamburg, war mit insulinpflichtigem Diabetes lange Jahre weltweit als Reporter tätig. Er hat dabei die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit Diabetes selbstbewusst über ihre Krankheit sprechen sollten – auch, um falschen Annahmen und Stigmatisierungen adäquat zu begegnen.
Schlimm, wie die Polizei Hamburg übers Ziel hinausgeschossen ist, in dem sie in einem Plakat-Motiv die Insulin-Injektionen mit Heroin-Konsum in eine direkte Verbindung brachte – Bürger sollten es bei der Polizei melden, wenn sie Menschen beim Injizieren beobachten, die könne dann klären, um was es sich handelt. Nach heftiger Kritik und einer Anfrage des Diabetes-Journals hat die Behörde das Motiv umgehend zurückgezogen.
Ob er nicht Insulin gegen das Corona-Virus einsetzen solle, fragte Präsident Donald Trump. Jerome Adams, Chef der US-Gesundheitsbehörde, wagte, einzuwenden: „Ihr Körper, Herr Präsident, stellt Insulin selbst her.“ Der Präsident nahm‘s zur Kenntnis, blieb aber skeptisch.
Doch was lernen wir, die betroffenen Diabetiker, daraus?
Unwissenheit ist weit verbreitet
Nun rümpfen Sie nicht gleich die Nase. Fragen Sie lieber Ihre Nachbarn, auch ihre engsten Freunde, was die so über Diabetes wissen. Wahrscheinlich nichts. Warum auch? Würde sonst so viel Krudes über uns verbreitet? Dass wir – ohne Pillen und Insulin – unserer „Zuckerkrankheit“ durchaus Herr werden könnten: Mit Sauerkraut statt Schwarzwälder-Kirsch, mit Zitronenschorle statt Eierlikör, mit Selters anstelle süßen Sektes. Alles Humbug.
Merke: Unwissenheit schützt vor Torheit nicht. Aber Lesen und Weiterbilden. Und: Wir Diabetiker sollten selbstbewusst über unsere Krankheit sprechen – vor allem darüber, wie wir trotzdem unseren Beruf ausüben.
Als zuckerkranker Reporter bin ich jahrzehntelang auf Achse gewesen. Weltweit, bis zweihundert Tage im Jahr. Überm Herzen einen eingebauten Defilibrator, im Handgepäck zwei Sorten Insulin und den für vier Wochen abgezählten Tagesbedarf von jeweils 18 Tabletten. Wissend, dass ich allabendlich andernorts schlafen würde
Wie z.B. auf der Tour de France, wobei die großen Hotels der Tour-Direktion, den Rad-Teams und den Fernseh-Stars vorbehalten sind. Reporter für Hörfunk, Agenturen und Zeitungen übernachten in winzigen Landgasthöfen. In einem solchen Hotel deponieren Sie zu allererst das Insulin im Kühlschrank der Küche, denn auf Ihrem Zimmer gibt‘s so etwas nicht. Auf den Nachtisch, nur notdürftig beleuchtet, kommen dann Ihre Tabletten, griffbereit für die Nacht.
Immer die Nerven behalten!
Man muss nur immer die Nerven behalten. Wie auf der Dienstreise nach Amerika, mitten im Winter. Mit Zwischenlandung in New York. Ich habe mein Insulin und einen Sack Tabletten für zehn Tage in meinem Handgepäck dabei. Auch eine in englischer Sprache abgefasste ärztliche Bescheinigung, die mich als insulinpflichtigen Diabetiker ausweist. Mißtrauisch beginnt der Beamte dennoch sein Verhör. Was ich denn überhaupt in den USA wolle? Ich lege ihm meine olympische Akkreditierung vor und gebe ihm zusätzlich die Rufnummer unserer New Yorker Redaktion. Nach einer Stunde Wartens fliege ich endlich weiter. Mit Insulin und Tabletten – und einem „Entschuldigung, Sir!“
Im kanadischen Quartier messe ich meinen Blutzucker: 220! Das geht drei Tage so. Egal, was ich esse, trinke, spritze. Ich will mich schon mit einem deutschen Mannschaftsarzt beraten, da sackt mein Zuckerwert urplötzlich auf das übliche Maß ab. Einfach so. Und mein Insulin? Der Hotelwirt, zugleich Barkeeper, Buchhalter und Geschäftsführer, legt meine Ampullen in seinen gläsernen Kühlschrank, gleich neben den Whisky. Auf die Ampullen schreibt er meinen Namen: „Damit du weißt, wo du jetzt zu Hause bist.“
von Klaus Blume
Zweiter Vorsitzender des Diabetikerbund Hamburg
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Leben mit Diabetes
- Behandlung

3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
kleisen postete ein Update vor 1 Stunde, 5 Minuten
Ich kündige das Abo mit Ihnen zum nächstmöglichen Zetpunkt. Danke . Bitte bestätigen. Klaus Eisenschmidt, Bloherfelder str. 212D, 26129 Oldenburg
kety22 postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen
Hallo zusammen, ich bin eine Dia-Mama und wollte fragen, was isst ihr abends oder kocht abends für eure Dia-Kids, damit der Wert nicht so hoch steigt und dann nachts nicht in die Unterzuckerung fällt? Oder habt ihr generell irgendwelche Tipps gegen nächtliche Unterzuckerung?
katrin-kraatz schrieb einen neuen Beitrag vor 2 Wochen, 2 Tagen
Diabetes-Anker-Podcast | Extra: Gürtelrose bei Diabetes – Risiken, Symptome und Vorbeugung im Überblick
In dieser Podcast-Sonderfolge geht es um Gürtelrose bei Diabetes. Dr. Katrin Kraatz spricht mit Diabetologe Dr. Dietrich Tews über Risiken, Symptome u …





Hallo!
Ich habe für mich festgestellt, dass Proteine am Anfang vom Abendessen helfen (Käse, Ei…) dann steigt der Blutzucker beim Essen nicht so schnell. Außerdem geht der Zucker später noch etwas hoch wegen den Proteinen. Das hilft etwas gegen Unterzucker.
Allerdings habe ich kaum noch Unterzucker seit ich meine Insulinpumpe habe.
Vielleicht hilft das etwas – viel Glück