Trügerische Ampel: Lenkungswirkung verfehlt – warum der Nutri-Score so nicht funktioniert

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Trügerische Ampel: Lenkungswirkung verfehlt – warum der Nutri-Score so nicht funktioniert | Foto: DNI
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Trügerische Ampel: Lenkungswirkung verfehlt – warum der Nutri-Score so nicht funktioniert

Ein grünes „A“ für Weißmehl-Pasta, obwohl die Insulin-Ausschüttung Achterbahn fährt: Der Nutri-Score verspricht Orientierung, doch sein Algorithmus ignoriert fundamentale Regeln der Ernährungsphysiologie. Warum das Label in seiner jetzigen Form seine Lenkungswirkung verfehlt und sogar den Weg in Richtung Diabetes Typ 2 ebnen kann und warum nur eine Kombination aus Pflichtkennzeichnung und Zuckersteuer echte Abhilfe schafft, legen die Selbsthilfe-Verbände im Diabetes-Anker in einer gemeinsamen Position dar.

Man könnte meinen, gesunde Ernährung sei mittlerweile so einfach wie eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“: Grün ist gut, Rot ist schlecht. Seit der Nutri-Score 2020 in Deutschland auf freiwilliger Basis eingeführt wurde, zieren bunte Buchstaben immer mehr Verpackungen. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Die Ampel leidet an einer chronischen Rechenschwäche, die im schlimmsten Fall krank macht.

Die 100-Gramm-Illusion

Ein grundlegendes Problem des Nutri-Score ist seine starre Fixierung auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Das führt in der Praxis zu absurd verzerrten Bewertungen. Nehmen wir das klassische Beispiel: Eine Packung Hartweizennudeln aus hellem Mehl staubt locker ein dunkelgrünes „A“ ab. Dass eine reale Mahlzeit oft aus 150 bis 200 Gramm (Trockenmenge) dieser Kohlenhydrat-Bomben besteht, ignoriert der Score.

Direkt daneben prangt auf dem hochwertigen Bergkäse ein warnendes „D“ oder „E“. Käse ist fett- und salzreich, ja. Doch während kaum jemand 100 Gramm Käse pur verzehrt, ist die doppelte Nudel-Portion oft Standard. Die Ampel suggeriert: „Iss die Pasta, meide den Käse“ – eine Empfehlung, die an der Realität komplett vorbeigeht.

Die Insulin-Falle: Weißmehl im grünen Bereich

Viel gefährlicher als die falsche Portionsmenge ist jedoch die Blindheit des Algorithmus gegenüber der Qualität von Kohlenhydraten. Für den Nutri-Score sind Kohlenhydrate gleich Kohlenhydrate, ob sie nun aus nährstoffreichem Vollkorn oder aus isolierter Stärke in Weißmehl-Produkten stammen. Da wird, mit Ausnahme einer geringen Berücksichtigung von Ballaststoffen, kaum differenziert.

Das Ergebnis: Weißmehl-Produkte wie helle Nudeln oder Baguette erhalten Bestnoten, obwohl sie im Körper fast wie Zucker wirken. Sie werden blitzschnell in Glukose zerlegt, was die Blutzuckerwerte in die Höhe schnellen lässt. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit einer massiven Insulin-Ausschüttung. Werden solche „grünen“ Produkte regelmäßig konsumiert, droht langfristig die Insulin-Resistenz – und damit die Entwicklung eines Diabetes Typ 2. Dass ein Label, das Gesundheit fördern soll, ausgerechnet diese Stoffwechsel-Achterbahn mit einem „A“ adelt, führt die Idee ad absurdum.

Freiwilligkeit als Freifahrtschein

Ein weiteres Problem ist das Prinzip der Freiwilligkeit. Aktuell entscheiden die Hersteller selbst, ob sie den Nutri-Score aufdrucken. Das führt zu einem klassischen Cherry-Picking-Effekt: Unternehmen nutzen das Label als Marketing-Tool für ihre ohnehin „grünen“ Produkte, während die echten Zucker- und Fettfallen im Sortiment lieber anonym bleiben.

Solange die Ampel nicht verpflichtend für alle Marktteilnehmer ist, bleibt sie ein zahnloser Tiger. Ein echter Vergleich findet nur statt, wenn auch die „roten“ Produkte Farbe bekennen müssen. Nur so entsteht der nötige Druck auf die Industrie, Rezepturen flächendeckend gesünder zu gestalten, statt nur die Vorzeige-Artikel zu labeln.

Eine gute Ergänzung: Grünes Licht für die Zuckersteuer

Da der Nutri-Score in seiner aktuellen Form noch nicht alltagstauglich ist, ist der Vorstoß der Bundesregierung zur Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke mehr als zu begrüßen. Während die Ampel bisher nur unzureichend informiert, setzt die Steuer dort an, wo es der Industrie wehtut: beim Preis.

In Ländern wie Großbritannien hat dieses Modell bereits beeindruckend Wirkung gezeigt: Hersteller haben den Zuckergehalt massiv gesenkt, um die Abgabe zu umgehen. Flüssiger Zucker ist einer der Haupttreiber für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Deshalb sollte der Preis bei den Softdrinks die bittere Wahrheit widerspiegeln. Es ist Zeit für eine Ernährungspolitik, die nachhaltig positiv Einfluss auf die Prävention von Stoffwechsel-Erkrankungen nimmt.

Update notwendig: Was sich beim Score ändern muss

Um den Nutri-Score von der Marketing-Deko zum echten Instrument der Prävention zu machen, braucht es ein radikales Update:

Eine ergänzende Portionsbewertung! Ein kleiner Hinweis wie „pro übliche Portion“ würde die Praxisnähe deutlich erhöhen.
Mikronährstoffe und Verarbeitungsgrad stärker berücksichtigen! Ein naturbelassener Käse ist ernährungsphysiologisch etwas anderes als ein hochverarbeiteter Snack.
Qualität statt Quantität! Der Score muss unterscheiden, ob Kohlenhydrate lange satt machen oder nur den Blutzucker hochtreiben.


gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker

Logos Verbaende Diabetes Anker jpg

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (7) Seite 58-59

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  • multi postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 1 Woche

    Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.

  • olivers postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂