- Ernährung
Trügerische Ampel: Lenkungswirkung verfehlt – warum der Nutri-Score so nicht funktioniert
3 Minuten

Ein grünes „A“ für Weißmehl-Pasta, obwohl die Insulin-Ausschüttung Achterbahn fährt: Der Nutri-Score verspricht Orientierung, doch sein Algorithmus ignoriert fundamentale Regeln der Ernährungsphysiologie. Warum das Label in seiner jetzigen Form seine Lenkungswirkung verfehlt und sogar den Weg in Richtung Diabetes Typ 2 ebnen kann und warum nur eine Kombination aus Pflichtkennzeichnung und Zuckersteuer echte Abhilfe schafft, legen die Selbsthilfe-Verbände im Diabetes-Anker in einer gemeinsamen Position dar.
Man könnte meinen, gesunde Ernährung sei mittlerweile so einfach wie eine Partie „Mensch ärgere dich nicht“: Grün ist gut, Rot ist schlecht. Seit der Nutri-Score 2020 in Deutschland auf freiwilliger Basis eingeführt wurde, zieren bunte Buchstaben immer mehr Verpackungen. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Die Ampel leidet an einer chronischen Rechenschwäche, die im schlimmsten Fall krank macht.
Die 100-Gramm-Illusion
Ein grundlegendes Problem des Nutri-Score ist seine starre Fixierung auf 100 Gramm bzw. 100 Milliliter. Das führt in der Praxis zu absurd verzerrten Bewertungen. Nehmen wir das klassische Beispiel: Eine Packung Hartweizennudeln aus hellem Mehl staubt locker ein dunkelgrünes „A“ ab. Dass eine reale Mahlzeit oft aus 150 bis 200 Gramm (Trockenmenge) dieser Kohlenhydrat-Bomben besteht, ignoriert der Score.
Direkt daneben prangt auf dem hochwertigen Bergkäse ein warnendes „D“ oder „E“. Käse ist fett- und salzreich, ja. Doch während kaum jemand 100 Gramm Käse pur verzehrt, ist die doppelte Nudel-Portion oft Standard. Die Ampel suggeriert: „Iss die Pasta, meide den Käse“ – eine Empfehlung, die an der Realität komplett vorbeigeht.
Die Insulin-Falle: Weißmehl im grünen Bereich
Viel gefährlicher als die falsche Portionsmenge ist jedoch die Blindheit des Algorithmus gegenüber der Qualität von Kohlenhydraten. Für den Nutri-Score sind Kohlenhydrate gleich Kohlenhydrate, ob sie nun aus nährstoffreichem Vollkorn oder aus isolierter Stärke in Weißmehl-Produkten stammen. Da wird, mit Ausnahme einer geringen Berücksichtigung von Ballaststoffen, kaum differenziert.
Das Ergebnis: Weißmehl-Produkte wie helle Nudeln oder Baguette erhalten Bestnoten, obwohl sie im Körper fast wie Zucker wirken. Sie werden blitzschnell in Glukose zerlegt, was die Blutzuckerwerte in die Höhe schnellen lässt. Die Bauchspeicheldrüse reagiert mit einer massiven Insulin-Ausschüttung. Werden solche „grünen“ Produkte regelmäßig konsumiert, droht langfristig die Insulin-Resistenz – und damit die Entwicklung eines Diabetes Typ 2. Dass ein Label, das Gesundheit fördern soll, ausgerechnet diese Stoffwechsel-Achterbahn mit einem „A“ adelt, führt die Idee ad absurdum.
Freiwilligkeit als Freifahrtschein
Ein weiteres Problem ist das Prinzip der Freiwilligkeit. Aktuell entscheiden die Hersteller selbst, ob sie den Nutri-Score aufdrucken. Das führt zu einem klassischen Cherry-Picking-Effekt: Unternehmen nutzen das Label als Marketing-Tool für ihre ohnehin „grünen“ Produkte, während die echten Zucker- und Fettfallen im Sortiment lieber anonym bleiben.
Solange die Ampel nicht verpflichtend für alle Marktteilnehmer ist, bleibt sie ein zahnloser Tiger. Ein echter Vergleich findet nur statt, wenn auch die „roten“ Produkte Farbe bekennen müssen. Nur so entsteht der nötige Druck auf die Industrie, Rezepturen flächendeckend gesünder zu gestalten, statt nur die Vorzeige-Artikel zu labeln.
Eine gute Ergänzung: Grünes Licht für die Zuckersteuer
Da der Nutri-Score in seiner aktuellen Form noch nicht alltagstauglich ist, ist der Vorstoß der Bundesregierung zur Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke mehr als zu begrüßen. Während die Ampel bisher nur unzureichend informiert, setzt die Steuer dort an, wo es der Industrie wehtut: beim Preis.
In Ländern wie Großbritannien hat dieses Modell bereits beeindruckend Wirkung gezeigt: Hersteller haben den Zuckergehalt massiv gesenkt, um die Abgabe zu umgehen. Flüssiger Zucker ist einer der Haupttreiber für Adipositas und Typ-2-Diabetes. Deshalb sollte der Preis bei den Softdrinks die bittere Wahrheit widerspiegeln. Es ist Zeit für eine Ernährungspolitik, die nachhaltig positiv Einfluss auf die Prävention von Stoffwechsel-Erkrankungen nimmt.
Update notwendig: Was sich beim Score ändern muss
Um den Nutri-Score von der Marketing-Deko zum echten Instrument der Prävention zu machen, braucht es ein radikales Update:
Eine ergänzende Portionsbewertung! Ein kleiner Hinweis wie „pro übliche Portion“ würde die Praxisnähe deutlich erhöhen.
Mikronährstoffe und Verarbeitungsgrad stärker berücksichtigen! Ein naturbelassener Käse ist ernährungsphysiologisch etwas anderes als ein hochverarbeiteter Snack.
Qualität statt Quantität! Der Score muss unterscheiden, ob Kohlenhydrate lange satt machen oder nur den Blutzucker hochtreiben.
gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (7) Seite 58-59
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thomas55 postete ein Update vor 9 Stunden, 45 Minuten
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Tag, 3 Stunden
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 2 Wochen, 1 Tag
Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
Wir freuen uns auf das nächste Community-MeetUp am 15. Juli! 1x im Monat treffen wir uns und tauschen uns rund um das Thema Diabetes aus. Die ganze Community ist herzlich eingeladen. […]




