- Leben mit Diabetes
Laubers Kolumne: Pflanzen – Wesen mit Würde
4 Minuten

Stehen stumm und dumm in der Gegend herum, so sehen die meisten die Pflanzen. Florianne Koechlin weiß es besser: Für die Biologin sind Pflanzen höchst kommunikativ und treffen sogar eigene Entscheide.
Selten habe ich mich so auf einen Vortrag gefreut. Selten bin ich dafür so belächelt worden: „Jetzt spinnt er komplett“, war noch nett. Selten war ich so begeistert.
„Schwatzhafte Tomate, wehrhafter Mais“, so lautet der witzige Titel im wunderschönen Botanischen Garten von Basel-Brüglingen. Bunt gekleidet erzählt die 1948 in Kalifornien geborene, in Basel lebende Florianne Koechlin (s. Abb. 1) scheinbar lustige Geschichten. Sehr gestenreich mit schlichten Fotos, mit selbst gefertigten Zeichnungen spricht die studierte Biologin und Chemikerin – und in angenehmer Schweizer Mundart.
„Do chunt ä Rupe zue dä domate“ – da kommt die Raupe zur Tomate, knabbert sie an. Als der Angreifer die benachbarte Tomate angreift, vergeht der Raupe schnell der Appetit – über Botenstoffe wurde diese Tomate blitzschnell informiert und „empfängt“ den Eindringling mit Giftstoffen. Die Biologin erzählt von afrikanischen Akazienbäumen, deren Blätter den Giraffen schmecken. Aber nicht lange, denn auch hier funktioniert das Warnsystem – und abstoßende Bitterstoffe vertreiben die Langhälse.
Da gibt es Tabakpflanzen, die analysieren den Speichel der Fressfeinde, identifizieren damit die Art – und die Art der Abwehrgifte. Sind die Feinde zu stark, holt sich die Pflanze mit Hilfe von Duftstoffen Hilfe, lockt Insekten an, welche den Schädling schädigen.
Ja, es geht sogar soweit, dass die Pflanze plötzlich merkt, dass sie einen der nachtaktiven Schädlinge wenigstens für die Bestäubung hätte brauchen können. Flugs ändert sie ihr Verhalten, lässt sich tagsüber von einem Kolibri bestäuben, den sie auch mit speziellen Duftstoffen anlockt.
Wie Krimis klingt das, wenn sie davon erzählt, wie Pflanzen unterirdisch kommunizieren, wie das dazu führt, dass etwa die Hirse mit ihrem überschüssigen Zucker den Flachs füttert – auf dass der doppelt so groß wird, wie ohne „Nachbarschaftshilfe“. Begeistert erzählt sie von der uralten Anbaumethode „3 Schwestern“ in Südamerika, wo sich Mais, Kürbis und Bohne gegenseitig unterstützen, etwa die Bohnen dem Mais Proteine spenden.
Plötzlich ändert sich der Ausdruck leicht, mit angelegten Armen macht sich die Biologin zur Maispflanze, einer „modernen“ Maispflanze, einer auf Höchstertrag optimierten Pflanze für die Monokultur. „Die ist fast stumm, die kann kaum mehr kommunizieren, wird Autistin“, meint sie bocksteif stehend.
Mit einem Mal wird sichtbar, was unsere industriealisierte LandWIRTSCHAFT auch noch zerstört: Die Fähigkeiten der Pflanzen, sich selbst zu organisieren, sich zu erinnern, Entscheide zu treffen, mit anderen Pflanzen in Kontakt zu treten – und: „Ein Immunsystem aufzubauen“.
Da zucke ich zusammen: Pflanze und Immunsystem. Da fällt mir ein, dass über 80 Prozent unserer Medikamente einen pflanzlichen Ursprung haben. Da sehe ich plötzlich, welche wirtschaftlichen Potentiale die Entschlüsselung der Pflanzengeheimnisse auch haben könnte.
Da bekomme ich plötzlich eine Ahnung, warum weltweit auf diesem Gebiet geforscht wird, das vor kurzem noch mit der Esoterik-Keule platt gemacht wurde. In Basel, in Bonn, in Jena, in China, in Kanada, den USA arbeiten an der Entschlüsselung der Pflanzenkommunikation exzellente Wissenschaftler, viele hat die weitgereiste Baslerin persönlich besucht. Und alle Geschichten, die sie erzählt, basieren auf exakten Experimenten von Wissenschaftlern.
Nur, als ich genauer nachfrage, woher das plötzliche Interesse rührt, da weicht die gesprächige Baslerin aus. Vielleicht fürchtet sie, dass diese Erkenntnisse wieder primär wirtschaftlichen Interessen dienen, von denen sie einige selbst angedeutet hat: So lassen sich in klug zusammengestellten Mischkulturen die Erträge um ein Mehrfaches steigern – bei gleichzeitig minimiertem Spritzmitteleinsatz.
Viel lieber spricht die couragierte Wissenschaftlerin über ihr Lieblingsthema: Unsere veränderte Sicht auf Pflanzen. Denn die sind nach einem Koechlin-Vortrag mit einem Male keine leblosen Sachen, keine Bioautomaten mehr. Sondern sie haben vielleicht sogar ein Bewusstsein, können bei Verletzungen ihrer elektrischen Signalkaskaden vielleicht sogar Schmerz empfinden.
Die auch grün-politisch Engagierte bleibt immer in der Möglichkeitsform, weist lachend das Argument zurück, dass wir jetzt gar nichts mehr essen dürften, wobei Vegetarier und die sich noch edler dünkenden Veganer schon mal ins Nachdenken kommen dürften angesichts des neuen Bildes der Pflanzen als Lebewesen, das Florianne Koechlin beredt entwirft.
Konkret wird sie dann doch, als sie wie selbstverständlich darauf hinweist, dass sich damit wohl Patente auf Pflanzen verbieten. Danke, Frau Koechlin! Aber ich sehe auch Chancen durch die neuen Erkenntnisse: Vor allem könnte die Ökolandwirtschaft davon profitieren, könnte zeigen, wenn ihre Experten auf das „Schwätzen“ der Pflanze hören, dass ihre Wirtschaftsweise sich positiv auf die Pflanzen auswirkt.
„Die Würde der Kreatur ist unantastbar“. Das steht tatsächlich in der Schweizer Verfassung – und auch nur in der. Die anerkannte Wissenschaftlerin war jahrelang in einer Ethik-Kommission, die darüber diskutierte, ob das auch für Pflanzen gilt. Amüsiert berichtet sie von den Diskussionen in der Kommission.
Noch amüsierter erzählt sie von den hämischen Reaktionen, als die Pflanzen tatsächlich als von der Verfassung geschützte Kreaturen anerkannt wurden. Die Baslerin ficht das nicht an – sie weiß, dass neue Erkenntnisse immer von den Rändern ins Zentrum dringen.
Passend dazu berichtet sie vom ältesten Baum der Schweiz, einer 1 200 Jahre alten Lärche im Wallis. Einem Baum, der allen Stürmen trotzte, der mit immer neuen Fressfeinden zu kämpfen hatte, der sich anpassen musste. „Pflanzen sind viel wandlungsfähiger als Tiere und Menschen“, meint sie, „wir können nur rennen“.
„Würde“, erklärt sie abschließend, „ist ein sperriges Wort, aber ein gutes, es kommt aus dem Althochdeutschen und steht für: Wertigkeit“.
„Pflanzenpalaver“ heißt ein spannendes Buch von Florianne Koechlin, das im Basler Lenos-Verlag erschienen ist. Ein faszinierender Einblick in eine kommende Welt.
von Hans Lauber
- E-Mail: aktiv@lauber-methode.de
- Internet: www.lauber-methode.de
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche
Hallo Philipa,
beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
Viel Erfolg
Thomasphilipa postete ein Update vor 1 Woche
Hallo zusammen,
Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?- ole-t1 antwortete vor 5 Tagen, 23 Stunden
Hallo philipa,
Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
Beste Grüße
lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 3 Wochen, 1 Tag
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Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/Wer ist am Start?
Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Juli – Diabetes-Anker
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