Tour aufs Dach der Welt: Gut planen – damit Sorgen der Vorfreude weichen!

3 Minuten

© XtravaganT - Fotolia
Tour aufs Dach der Welt: Gut planen – damit Sorgen der Vorfreude weichen!

Nepal – das Dach der Welt. Der südostasiatische Binnenstaat, eingeschlossen zwischen Tibet und Indien, beherbergt den 8.848 Meter hohen Mount Everest – und neben ihm noch sieben weitere der zehn höchsten Berge unseres Planeten. Im weltweit einzigen Land, dessen Flagge nicht rechteckig ist, leben 29 Millionen Menschen, die meisten davon in Armut. Aron Esser (19 Jahre; Typ-1-Diabetes) hat beschlossen, dieses Nepal, eines der ärmsten Länder der Welt, zu bereisen – mit einer möglichst optimalen Vorbereitung.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich den Entschluss gefasst habe, Nepal mit eigenen Augen sehen zu müssen: Es war ein eiskalter, wolkenloser Februarnachmittag. Ich war auf dem Rückweg einer Winterbegehung der Benediktenwand, die 30 Autominuten von meiner alten Schule im oberbayerischen Bad Tölz entfernt liegt. Nachdem der spannende Teil der Tour vorbei war, folgte ich dem Feldweg, der mich rund 10 Kilometer zurück zum Wanderparkplatz führen sollte.

Entschluss gefasst: sobald irgend möglich nach Nepal

Auf halber Strecke kam mir ein Wanderer mit seinem hellbraunen Labrador “Bruno” entgegen. Nach einer kurzen Streicheleinheit für Bruno und einigen netten Worten mit dem Herrchen entschied er sich, umzukehren und mir Gesellschaft zu leisten. So kam es, dass er mir von seinem einzigen großen Urlaub erzählte, den er je gemacht hatte: Zu Studienzeiten schnappte er sich einen Freund, seine Bergschuhe und eine Landkarte – und setzte sich ins Flugzeug nach Kathmandu.

Zunächst eher schweigsam, fing der Wanderer nun an, lebendig und mitreißend zu erzählen, Land, Landschaft und Leute zu beschreiben und von seinen beeindruckenden Bekanntschaften und atemberaubenden Erlebnissen zu berichten, dass ich trotz der 12 Stunden Wanderung zuvor nicht genug kriegen konnte. Angekommen am Parkplatz, von wo an wir getrennte Wege gingen, war der Entschluss gefasst – noch bevor ich Bruno zum Abschied über den Kopf streichelte: Ich wollte sobald irgend möglich nach Nepal reisen.

Nun soll der Traum in Erfüllung gehen

Nun, zweieinhalb Jahre später, soll mein Traum in Erfüllung gehen: Die Flüge sind gebucht, die Route geplant, die Vorkehrungen getroffen. Am 23. September werden meine Freundin Antonia und ich ins Flugzeug nach Kathmandu steigen. Dort angekommen, müssen wir uns um einige Genehmigungen für ausländische Trekker kümmern, bevor es zwei Tage später mit dem Bus aus der Millionenstadt in ein abgelegenes Bergdorf geht.

Die nächsten 16 Tage werden wir dann dem über 200 Kilometer langen Pfad vor uns folgen, der uns ebenso durch tropische Wälder wie durch kilometerlange Steinwüsten, durch Schnee und Eis führen wird. Unser Gepäck befindet sich in den über 15 kg schweren Rucksäcken, die wir von Bergdorf zu Bergdorf schleppen, um hier günstig in einer Lodge zu schlafen. Ziel ist es, den 8 091 Meter hohen Annapurna, den zehnthöchsten Berg der Welt, zu umrunden und dabei den Pass Thorong La auf 5 416 Meter über dem Meer zu überschreiten.

Selbst für Kerngesunde ist diese Trekkingreise eine Herausforderung, die viel Planung und Training voraussetzt. Wie viel mehr ich als Diabetiker hierfür beachten muss, ist mir erst bei der konkreten Planung bewusst geworden. Nachdem ich mich durch etliche Reiseberichte und Führer gewälzt hatte, mein Ausdauertraining (zusätzlich zum Spiel- und Spaßsport, den ich betreibe) begonnen hatte und einige Impfungen hatte auffrischen lassen, ging es daran, mögliche Hindernisse speziell für mich als Typ-1-Diabetiker auszumachen.

Hindernisse für Typ-1-Diabetiker …

Die Liste ist lang, hier also nur Stichpunke:

  • Diabetesausrüstung (Pumpe, Katheter, Reservoirs, Insulin, Messgerät, Stechhilfe, Nadeln, Teststreifen, Traubenzucker usw.) machen ca. 5 kg zusätzliche Last auf dem Rücken aus.
  • Starke körperliche Belastung führt evtl. vermehrt zu Unterzuckerungen.
  • extreme Höhe (evtl. Höhenkrankheit mit Hypoglykämie-ähnlichen Symptomen, Messgerät und Pumpe könnten laut Hersteller aufgrund des niedrigen Luftdrucks fehleranfällig sein)
  • Temperaturextreme von +30 °C bis -10 °C (Insulin sollte zwischen 2 °C und 8 °C aufbewahrt werden, Messgeräte funktionieren teilweise bei extremen Temperaturen nicht)
  • schlechte Infrastruktur (keine Apotheken, Straßen, Telefone; Hilfe im Notfall kaum möglich und nur per Helikopter aus Kathmandu)

… und trotzdem: Hürden sind Ansporn!

Trotz all dieser diabetesbedingten Hürden will ich mich nicht von der Reise abhalten lassen – sie sind viel mehr ein Ansporn für mich, noch gründlicher zu planen, um auf jedes erdenkbare Szenario vorbereitet zu sein. Um die besten Lösungen all dieser Probleme zu finden, habe ich mir Hilfe gesucht: Angefangen bei Internetforen über Fachliteratur bis hin zu meinem Diabetologen und der Deutschen Botschaft in Nepal konnte ich überall hilfreiche Infos und Tipps sammeln, die schlussendlich zu folgenden Ergebnissen geführt haben:

  • Ich werde mich vorher an einigen großen und hohen Touren in den Alpen versuchen, auch mit dem Extragepäck, und genau beobachten, wie mein Blutzucker sich bei Höhe und Anstrengung verhält. Insulin und Ernährung werde ich anpassen.
  • Das Insulin werde ich in Tüchern und Alufolie tief im Rucksack vor Hitze und in meiner Jackeninnentasche vor Kälte schützen.
  • Mein Gepäck kann ich dadurch reduzieren, dass ich Notfall-BEs nicht für drei Wochen, sondern nur für einige Tage mitnehme und unterwegs Industriezucker bei den Einheimischen kaufe.
  • Ich werde vorab eine Umstellung auf Pens üben, um den erwarteten Ausfall der Pumpe aufgrund der Höhe zu kompensieren.

Mit dem Plan fühle ich mich gut vorbereitet – die Sorgen können der Vorfreude weichen.

Nepal – ich komme!

Arons Abenteur mitverfolgen …

Ob alles glatt läuft, was Aron und Antonia unterwegs erleben und welche Diabetes-Begebenheiten in Nepal auf die beiden warten, können Sie während der Reise auf seinem Reiseblog mitverfolgen – sowie im Anschluss als Reisebericht in der November-Ausgabe des Diabetes-Journals nachlesen!


von Aron Esser

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2018; 67 (8) Seite 40-41

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes – Teil 2: Praxisnahe Tipps für Bewegung
Während die Glukosewerte bei längerer, gleichmäßiger Aktivität häufig sinken, können sie bei intensiven Belastungen zunächst sogar ansteigen. Dieses Wissen bildet die Grundlage, um alltagstaugliche Strategien für Sport und Bewegung zu entwickeln. Dazu haben wir hier praxisnahe Tipps zusammengetragen.
Sportlich leben mit Typ-1-Diabetes – Teil 2: Praxisnahe Tipps für Bewegung | Foto: kieferpix – stock.adobe.com

3 Minuten

Fußball-Camps für Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Die Fußballfabrik vereint Spielspaß und Diabetes-Management
Der Ball rollt wieder, nicht nur bei der WM: Die Fußballfabrik von Ingo Anderbrügge startet 2026 in eine neue Saison ihrer Fußball-Camps speziell für Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes. Diese verbinden intensive Fußballtrainings mit medizinischer Betreuung, Workshops rund ums Diabetes-Management und dem Austausch mit anderen betroffenen Familien.
Fußball-Camps für Kinder und Jugendliche mit Diabetes: Die Fußballfabrik vereint Spielspaß und Diabetes-Management | Foto: Fußballfabrik / VitalAire Deutschland

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
  • Hallo zusammen,
    ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus!

    • Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.

    • @calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!

    • calvin240 antwortete vor 5 Tagen

      @uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
      Liebe Grüße

  • stephanie-haack postete ein Update vor 4 Wochen

    Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂

    Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/

  • tako111 postete ein Update vor 4 Wochen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

Verbände