Laubers Kolumne: Wer Lauber liest, lebt fitter

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© Markus Thelen
Laubers Kolumne: Wer Lauber liest, lebt fitter

Klammheimlich wurden die Ernährungsregeln geändert. Sie nähern sich jetzt dem, was Kolumnist und Erfolgsautor Hans Lauber seit über 10 Jahren empfiehlt.

So macht es sonst nur die Katholische Kirche: Ein scheinbar unfehlbares Dogma postulieren – und es irgendwann ohne weitere Begründung durch ein neues, scheinbar wieder unfehlbares ersetzen. Genau nach diesem Muster hat vor einigen Wochen die einflussreiche Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ihre Regeln überarbeitet und ohne größere Kommentare veröffentlicht.

Überrascht hat viele Experten diese Revision. Überrascht hat sie auch mich. Nämlich, dass sie erst jetzt erfolgt. Denn viele Empfehlungen waren schon seit Jahren nicht mehr haltbar – und insbesondere für die Therapie des Typ-2-Diabetes waren sie geradezu kontraproduktiv. Ganz im Gegensatz zu den Empfehlungen, die ich in meinen Büchern, meinen Blogs seit über zehn Jahren vertrete. Hier die wichtigsten DGE-Änderungen, einschließlich meiner Anmerkungen:

Vorsicht Kohlenhydrate

Wurden bis Ende August 2017 noch „reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln“ empfohlen, so entfällt der Hinweis auf die dick machenden Kohlenhydrate nun vollständig. Auch wird inzwischen in moderater Form vor dem Zucker gewarnt – für mich mit der stärkste Auslöser von Übergewicht und damit ein Hauptreiber des grassierenden Lifestyle-Diabetes. Sehr löblich ist die Empfehlung für Vollkornprodukte, sei es Brot, Nudeln oder Reis. Auch das ist den Lesern meiner Schriften seit langem bekannt und die Richtigkeit ist auch leicht nachzuprüfen: Einfach nach dem Verzehr von Weißmehlprodukten den Blutzucker messen. Er schießt nach oben, dick machendes Insulin wird ausgeschüttet.

Gemüse schlägt Obst

Mehr als ein Wortspiel: Hieß es bis August 2017 noch „Obst und Gemüse“, lautet die Empfehlung jetzt „Gemüse und Obst“. An sich naheliegend: Frisches Gemüse strotzt nicht nur vor Ballast- und Vitalstoffen (wie natürlich auch Obst), aber es enthält in der Regel weniger Fructose, also Fruchtzucker. Dieser Zucker wurde bis vor wenigen Jahren noch auf Diabetes-Kongressen als „guter“ Zucker angepriesen – bis sich herausstellte, dass er auf Dauer noch viel schädlicher als „normaler“ Zucker ist, nachzulesen in meinem Kolumnengespräch mit Dr. med. Kai Hahn auf der Website des Kirchheim-Verlags.

Fitte Fette bevorzugen

Auch das hat mich seit Jahren gewundert: Die generelle Verteufelung von Fett. Schon im Jahr 2000 hat der Arzt und Apotheker Dr. med. Siegfried Schlett in meinem Buch „Schönkost“ gezeigt, wie wichtig gerade die Omega-3-Fette für ein fittes Gehirn sind. Deshalb heißt es in den neuesten DGE-Empfehlungen, dass die Qualität der Fette entscheidend ist – also keine gehärteten, keine Transfette, wie sie gerne in Fertigprodukten vorkommen. Also lieber etwa Rapsöl nehmen, wobei seltsamerweise keine Empfehlung für das Basisfett der Mittelmeerkost, das Olivenöl, ausgesprochen wird.

Eier ohne Obergrenze

Jahrelang wurden die Eier als Cholesterinbomben verteufelt. Inzwischen hat es sich aber bis in die Ernährungswissenschaft herumgesprochen, dass der Körper den allergrößten Teil des Cholesterins selbst produziert. Deshalb wurde auch diese Obergrenze abgeschafft – wobei kein vernünftiger Mensch pro Tag mehr als drei Eier verzehrt. Außerdem habe ich neulich zusammen mit Prof. Hubert Kolb darauf hingewiesen, dass das angeblich so schädliche böse LDL-Cholesterin vielleicht gar nicht so schlimm ist. Ernährungslehre ist halt auch immer Erfahrungswissenschaft – und natürlich auch oft sehr stark von Industrieinteressen geleitet.

Gefährlicher Alkohol?

Befremdlich, dass Alkohol seit neuestem als „nicht empfehlenswert“ eingestuft wird. Natürlich ist übermäßiger Konsum schädlich. Aber in meinem Buch „Zucker zähmen“ hat der Diabetologe Prof. Kristian Rett analysiert, „dass alkoholische Getränke die Insulinwirkung verstärken, wobei der Wein am günstigsten zu sein scheint“. Seine Empfehlung: Rund drei „Achtele“ pro Tag für Männer. Meine Empfehlung: Ein 2016er Gutedel mit NULL Gramm Restzucker und 11 Prozent Alkohol vom Weingut Karlheinz Ruser aus Lörrach.

Fazit: Die neuen Regeln sind ein längst überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Aber die Warnungen vor den gefährlichen schnellen Kohlenhydraten, dem Zucker gehören verstärkt – und Olivenöl gehört empfohlen!

Wer hilft dem Bürger beim Einkauf?

Ein erster Schritt sind die neuen Empfehlungen. Aber wie sieht die Lebenswirklichkeit der Menschen aus? Nur die wenigsten sind in der Lage das Kleingedruckte zu verstehen; sind etwa in der Lage, die vielfältigen Tarnbezeichnungen zu dechiffrieren, hinter denen die Industrie den Zucker versteckt. Also braucht es einfache Anleitungen für den täglichen Einkauf, aber auch dafür, dass die ungesunden Dickmacher nicht mehr so billig angeboten werden können.

„Wir brauchen eine Lebensmittelampel“

Wie so etwas aussehen müsste, hat Prof. Kristian Rett im Gespräch mit der FAZ Anfang November konkretisiert: „Viele Betroffene sind nicht vernünftig. Diese Bürger werden schutzlos dem Gewinnmaximierungsbestreben der Lebensmittelindustrie überlassen. Also müssen sich die Verhältnisse ändern. Konkret heißt das: Zuckersteuer auf Lebensmittel und Getränke, Verbot von Kindermarketing für zuckerhaltige Produkte und Ampelkennzeichnung für Energie-/Fett- und Zuckergehalt von Lebensmitteln“.

Diabetes Manifest von 2011

Schlicht zu früh war ich manchmal – etwa mit meinem „Diabetes Manifest“ aus dem Jahr 2011. Da habe ich schon eine „Sweet Tax“ gefordert. „Ach, ist der rechthaberisch“, werden jetzt wieder einige sagen. Mag sein.

Nur, wären meine Thesen früher umgesetzt worden, wäre viel menschliches Leid, wären viele Kosten erspart geblieben.


von Hans Lauber

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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 4 Wochen

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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