DIAlog 6 – die Quarantäne

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DIAlog 6 – die Quarantäne

Diabetes!“, brülle ich durchs Haus.

„Was ist denn?“, kommt die Antwort zurück, während er neben mir auftaucht.

„Was ist denn?“, äffe ich ihn nach. „Guck dich doch mal um.“

Der Diabetes macht eine dramatisch ausschweifende Kopfbewegung. „Erledigt.“

„Und, fällt es dir auf?“ Ich werfe ihm einen ungeduldigen Blick zu.

„Nope“, zieht er das Wort lang.

„Okay, es ist gerade vier Uhr morgens.“

„Richtig.“

„Und ich bin vor ein paar Stunden eigentlich eingeschlafen.“

„Sieht so aus.“

„Magst du mir also erklären, warum ich gerade hier sitze und diesen Artikel tippe, anstatt einfach entspannt weiterzuschlafen?“

Quelle: Huda Said

Nächtliche Gespräche

„Ah.“ Der Diabetes zuckt mit den Schultern. „Kann sein, dass die Kanüle abgeknickt ist und du jetzt darauf wartest, dass dein Blutzucker aus dem Weltall wiederkommt.“

Ich komme näher und beuge mich zu ihm rüber. „Jackpot“, erwidere ich mit glatter Stimme und der Diabetes hat zumindest den Anstand, halbwegs verängstigt zu gucken.

Dabei weiß ich gar nicht, ob ich wirklich wütend bin. Eigentlich einfach nur müde. Und ich würde mich gerne umdrehen, wieder einschlafen und darauf vertrauen, dass nach gewechselter Kanüle und Spritzeninjektion in ein paar Stunden alles wieder in Ordnung sein würde. Aber ich traue mich noch nicht, den Diabetes aus den Augen zu lassen.

Also unterhalten wir uns einfach um diese wunderbare Uhrzeit. Aber während ich alleine in meinem Zimmer sitze und nur das schwache Laptoplicht die Dunkelheit durchbricht, ist es schwierig, mich nicht schon wieder unglaublich frustriert zu fühlen.

„Weißt du“, sage ich also irgendwann, nachdem wir uns eine kleine Ewigkeit angeschwiegen haben, „wenn du, Diabetes, mein unfreiwilliger Mitbewohner bist, dann ist Diabetes zu haben wie in Dauerquarantäne mit dir zu leben.“

Die Diabetes-Quarantäne

Er sieht mich mit hochgezogenen Augenbrauen an. „Ernsthaft? Corona-Metaphern?“

„Das ergibt voll viel Sinn!“, verteidige ich mich. „Außerdem bist du an diesem Gespräch hier Schuld, darum musst du mir auch zuhören.“

„Na gut, fahr fort.“

„Also – man kann das Haus nicht einfach verlassen. Ich kann mich nicht einfach umdrehen und dich zurücklassen. Hab’ es immerhin oft genug versucht. Also stecken wir beide hier fest. Dazu kommt, dass es überall den Alltag verändert und auch, wenn es manchmal nur Kleinigkeiten sind, auf die man vorher nie geachtet hätte. Gesundheit lässt sich auf einmal nicht mehr vergessen und jede Änderung im Körpergefühl wird kritisch beobachtet. Und dieses Gefühlschaos? In einem Moment fühlt man sich, als ob man die Welt erobern könnte, und im nächsten will man einfach nur ein Jahrzehnt lang im Bett liegen bleiben. Manchmal verschwimmen die Tage ineinander und verlieren so sehr ihre Bedeutung, dass man einfach nur dastehen und sich fragen kann: Wie lange denn bitte noch?

Und als wäre das nicht schon genug, geht auch noch jeder anders damit um. Der eine kommt gut klar und passt sich problemlos an, während der andere sich vollkommen überfordert fühlt.“

Ich mache eine Pause, um durchatmen zu können. „Verstehst du, was ich meine?“

„Naja, zumindest den Teil, bei dem ich dir tatsächlich zugehört habe.“ Er grinst mich an, bevor sich Nachdenklichkeit in seine Züge schleicht. „Worauf willst du hinaus?“

Die eigene Verantwortung

Ich seufze. „Das Übliche. Man muss da durch, wenn man gesund bleiben möchte. Diese Verantwortung tragen. Es ist nicht angenehm und manchmal echt anstrengend, aber vor allem – oft sehr einsam. Jetzt noch mehr als sonst. Doch so, wie wir das Leben um Corona herum zurechtbiegen, so, wie wir einander vielleicht nicht ins Haus, aber weiterhin ins Herz lassen können, so können wir vielleicht auch mit dir umgehen. Dich begreiflich zu machen, ist keine einfache Aufgabe. Und natürlich gibt es auch zwischen der momentanen Situation und Diabetes große Unterschiede. Alleine schon, dass wir von Corona hoffentlich irgendwann nur noch in der Vergangenheitsform sprechen können, während du noch eine ganze Weile länger bleibst. Aber es gibt eben auch ein paar Gemeinsamkeiten.“

Quelle: Huda Said

Ich lehne mich zurück und schenke ihm ein halbes Lächeln. „Wenn durch Corona alle lernen, wie wichtig unser Wohlbefinden ist, wenn wir einfach nur daraus mitnehmen, dass wir aufeinander Acht geben und Rücksicht nehmen müssen, wenn man sich öfter die Zeit für lange Gespräche nimmt, wenn wenigstens in den Köpfen der Abstand nicht mehr mindestens 1,5 Meter beträgt – vielleicht wird dann auch das Leben mit dir einfacher.“

Ich blicke auf meine Dexcom-App, nehme zufrieden die abfallende Kurve wahr und beschließe, dass ich mich wenigstens für die nächsten Stunden von dir verabschieden kann.

„Ich geh’ jetzt wieder schlafen“, verkünde ich also, „und wehe, du weckst mich mit einer Unterzuckerung auf.“


Hudas letzten DIAlog findet ihr hier: DIAlog 5 – der Besuch

Mehr Beiträge zur aktuellen Krisen-Situation gibt es hier: Corona – so informieren wir

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  • moira postete ein Update vor 1 Woche

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 2 Wochen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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