- Eltern und Kind
Nachgefragt | Psychologie: Was tun, wenn mein Kind zu viel nascht?
2 Minuten
Gerade für Kinder mit Typ-1-Diabetes kann das Thema “Naschen” zu einer größeren Herausforderung werden, denn Essen muss mit Insulin abgedeckt werden. Prof. Dr. Karin Lange beschreibt, wie Eltern damit umgehen können, wenn ihr Kind (zu) gerne und (zu) viel nascht.
Die Frage
Unser Sohn Max (7) hat seit 8 Monaten Typ 1 Diabetes. Es war für uns alle zunächst ein großer Schock. Zum Glück wurden wir in der Kinderklinik sehr gut aufgefangen und geschult. Max erhielt gleich einen Sensor und eine Insulinpumpe. Er hat von Anfang an gut mitgemacht und versteht schon viel. Inzwischen klappt es auch in der Schule gut. Nur das Thema “Süßigkeiten und heimliches Naschen” führt ständig zu Streit und Sorgen.
Familie M.
Die Antwort von Prof. Dr. Karin Lange:
Zunächst erst einmal große Anerkennung, dass Sie und Max es so schnell geschafft haben, den Diabetes gut mit Ihrem Alltag zu verbinden. Das Problem “zu viel Naschen” kennen fast alle Eltern, denen eine gesunde Ernährung der ganzen Familie wichtig ist. Dafür gibt es einige wichtige Gründe:
- Menschen bevorzugen den süßen Geschmack – das ist angeboren und war früher sogar sinnvoll.
- Erst seit es Süßigkeiten im Übermaß an allen Ecken gibt, fällt es Kindern, aber auch vielen Erwachsenen schwer, Maß zu halten.
- Die Portionen werden immer größer und Süßes ist so zusammengesetzt, dass es Appetit auf mehr macht.
- Leider spricht die Werbung gezielt Kinder an, die den Versprechungen von “gesund”, “macht stark” oder “alle genießen es” kritiklos glauben.
Damit ist Max eines von vielen Kindern, die wir vor diesem Überangebot schützen müssen. Was können Eltern tun?
Zunächst sollten nicht zu viele “Versuchungen” im Haushalt sein, also keine offenen Schalen voller Süßigkeiten. Dem können so junge Kinder noch nicht widerstehen, es fehlt ihnen die sogenannte Impulskontrolle. Seien Sie als Eltern Vorbild und verzichten Sie auf häufiges Naschen oder Süßigkeiten als Belohnung. Regelmäßige ausgewogene Mahlzeiten, die Ihr Kind mit Ihnen genießt, schützen auch vor Heißhunger. Für die Schulpause sollte Max etwas mitnehmen, was er gerne isst und vielleicht sogar selbst mit vorbereitet hat.
Ab und zu eine Süßigkeit ist auch bei Kindern mit Diabetes möglich. Dazu können Sie mit Max auswählen, was ihm besonders gut schmeckt und gemeinsam beobachten, wie sein Blutzucker darauf reagiert. Sie könnten dann besprechen, dass Max Ihnen Bescheid gibt, wenn er etwas Süßes möchte und Sie ihm sagen, wie viel Insulin er braucht.
Gegen Unterzuckerungen (Hypos) isst Max am besten eine vorher festgelegte Menge an Traubenzucker. So lernt er, dass es Traubenzucker gegen Hypos gibt und Süßigkeiten zum Genuss zusammen mit der passenden Menge an Insulin.
Gerade im Grundschulalter hat es sich bewährt, in Ruhe über Regeln zu sprechen, Kinder zu Wort kommen zu lassen und Absprachen liebevoll, aber auch konsequent vorzuleben und einzufordern. Und wenn Max sich an die Absprache gehalten hat, dann sollte er dafür gelobt werden.
Erschienen in: Diabetes-Eltern-Journal, 2022; 13 (3) Seite 23
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Begleit-Erkrankungen
- Aktuelles
3 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
stephanie-haack postete ein Update vor 2 Tagen, 21 Stunden
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
-
tako111 postete ein Update vor 2 Tagen, 23 Stunden
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
-
katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 21 Stunden
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
-
-
moira postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?
