Aufruf zur Aufklärung

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Aufruf zur Aufklärung

„Jaja, Diabetiker. Schlimm ist das. Immer messen. Nichts Süßes essen. Ach, und der Körper spielt auch verrückt? Jeden Tag anders. Hmmm. Ahja. Und dann immer diese Unterzuckerungen. Eieiei. Ich kann mir das gar nicht vorstellen.“

Solches oder Ähnliches höre ich oft. Nicht täglich, aber sicher wöchentlich. Und natürlich kommt es von Mitmenschen, die mit Diabetes bislang so gar nichts am Hut hatten. Denjenigen, die glauben, dass man Diabetes vor allem von zu viel Zucker in der Kindheit bekommt.

Quelle: Christian Puschke

Natürlich ist Diabetes nicht wichtig genug, um als Schulfach gelehrt zu werden. Und wir Diabetiker können nicht erwarten, dass alle Erwachsenen sich damit auskennen und wissen, was genau dahintersteckt, was die Auswirkungen sind und was Diabetes eigentlich heißt. Könnte man meinen. Wenn ich aber lese, dass fast 10 % der Deutschen entweder Diabetiker sind oder (noch) nicht wissen, dass sie einer sind, dann frage ich mich schon, ob ein wenig mehr Aufklärung nicht gut tun würde. Den Betroffenen, die unter dem verbreiteten Halbwissen immer wieder zu leiden haben, aber auch den Stoffwechselgesunden, deren Chancen gar nicht so klein sind, früher oder später einmal selber mit der Thematik in Berührung zu kommen. Und dabei möchte ich bewusst die Diskussion ausblenden, ob nun Typ 1 oder 2 der bessere Diabetes ist. Denn ich finde, wir haben wichtigere Dinge zu tun, als diese Frage zu klären.

Es gibt nicht die eine Wahrheit über Diabetes

In den Diabetes-Gruppen, -Foren und -Blogs liest man ganz oft, welcher Behauptungen man sich als Durchschnittsdiabetiker so erwehren muss. Hier hat der übergewichtige alte Mann, der schon als Kind nur Fanta bekommen und sich dann so gut wie gar nicht mehr bewegt hat, einfach mehr Publicity bekommen als der Diabetiker, der sich die Krankheit wirklich nicht ausgesucht hat. Letzterer kann durchaus normalgewichtig und sportlich sein und auf gesunde Ernährung achten. Es hat ihn trotzdem erwischt, die genauen Ursachen sind noch nicht erforscht, aber insulinabhängig ist er trotzdem. Und gehört nun zu einer Gruppe von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein kann. Die Ursache ist von Fall zu Fall unterschiedlich (aber der Unwissende vermutet zunächst natürlich viel zu viel Zucker und zu wenig Bewegung). Die Symptome treten bei jedem Betroffenen anders in Erscheinung (aber der Unwissende denkt spontan an amputierte Beine und Fettleibigkeit). Jeder Diabetiker wird individuell behandelt (aber der Unwissende sieht grausige Spritzen und viel Blut). Diabetiker können grundsätzlich alles essen, was auch stoffwechselgesunden Menschen gut tut (aber der Unwissende fragt bei jedem Plätzchen ungläubig nach).

Und woher soll dieser Unwissende es auch besser wissen? Ich kann keinem meiner Freunde und Bekannten vorwerfen, nicht interessiert zu sein. Ich kann auch niemandem vorwerfen, sich in dem großen Dickicht an unterschiedlichen Diabetes-Ausprägungen nicht auszukennen und Vorurteile und Vermutungen zu vermischen. Sich darüber aufzuregen, ist nicht nur müßig, sondern auch unfair. Denn gute, sinnvolle Aufklärung kann nur von uns Betroffenen kommen. Wir selber müssen dafür sorgen, dass fundiertes Wissen zum Thema verbreitet und dauerhaft zementiert wird. Dann wird es für alle einfacher.

Die richtigen Informationen müssen aktiv verbreitet werden

Gut ist, dass es rund ums Thema viele Möglichkeiten gibt, sich zu informieren. Es gibt richtig gute Blogs, lebhafte Foren, hilfreiche Facebook-Gruppen und durchaus kreative Aktionen rund um Diabetes. Allerdings werden all diese Angebote zumeist von Diabetikern und vielleicht noch deren Angehörigen wahrgenommen. Das ist natürlich wichtig, denn auch dort gibt es erschreckend viel Unwissen und Aufklärungsbedarf. Um jedoch wirklich etwas zu bewegen, ist jeder aufgerufen, an der Verbreitung der vielen Informationen teilzuhaben. Ob eine Ice Bucket Challenge dazu wirklich geeignet ist, sei dahingestellt (denn zur Aufklärung über ALS hat sie nur begrenzt beigetragen).

Wir können nicht erwarten, dass Menschen, die eigentlich gar nicht betroffen sind, sich auf einmal in diesen Foren und Facebook-Gruppen für Diabetiker tummeln. Diese Leute müssen wir auf anderen Wegen „erwischen“. Hier gilt wie bei jedem anderen Thema: Wer eine Meinung, aber keine Ahnung hat, der muss auch damit leben, aufgeklärt zu werden. Das kann man wunderbar charmant machen, bloß nicht besserwisserisch klingen. Und Aufgeben gilt nicht. Oftmals sind die Meinungen so eingefahren, dass man mit Argumenten nicht weiterkommt. In solchen Fällen setze ich auf Aufklärung durch den Aha-Effekt. Ich erinnere mich gerne daran, als meine 93-jährige Großmutter mir vor ein paar Monaten meinen Diabetes erklären wollte. Sie erzählte mir von ihrer Mutter, die seinerzeit ebenfalls daran litt (und die Betonung liegt hier auf litt). Ich müsse aufpassen und dürfe ja nun nichts mehr ohne Einschränkung essen.

Meine Beteuerungen, dass heutzutage alles wesentlich einfacher sei und viel mehr Freiheiten möglich sind, stießen auf Granit. Also setzte ich mich beim anschließenden Essen bewusst neben sie und ließ es mir schmecken. Ich präsentierte beiläufig, aber stolz meinen Pen und erklärte nebenbei, dass das Dessert aber heute besonders gut sei. Außerdem berichtete ich von meinem letzten Besuch beim Diabetologen und meinen durchaus guten Langzeitwerten. Das führte schnell zum gewünschten Ergebnis. Und seit ich kürzlich meiner Oma das FreeStyle Libre demonstrierte, habe ich kein einziges kritisches Wort mehr zu dem Thema gehört. Dazu muss man sagen, dass meine Oma grundsätzlich ein für ihr Alter sehr moderner und weltoffener Mensch ist – und ehemalige Ärztin.

Motivation durch Aufklärung

Das hier ist ja eine Kolumne zum Thema Motivation. Habe ich also diesmal am Thema vorbei geschrieben? Ich hoffe nicht. Denn wer aus seinem Umfeld positive Signale erhält, der ist auch motiviert und voller Tatendrang. Das gilt in allen Bereichen des Lebens, sei es im Job oder im Privatleben. Also auch, wenn es um Diabetes geht.

Quelle: Christian Purschke

Ich möchte Euch alle motivieren, offen mit dem Thema umzugehen, höflich aber bestimmt auf falsche Tatsachen hinzuweisen und Euch nicht zurückzuziehen. Lasst Euch nicht unterkriegen und helft anderen Menschen dabei, Verständnis zu entwickeln und zu lernen. Dann wird es für alle einfacher. Und angenehmer. Der Weg dorthin ist noch lang, aber die Aussichten sind gut.

Diabetiker dieser Welt, helft mit bei der Aufklärung!


Hier kommt ihr zum nächsten Teil von Christians „Motivation monatlich“: Motiviere dich selbst, sonst macht es ja keiner!

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  • tako111 postete ein Update vor 2 Wochen, 4 Tagen

    Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.

    Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.

  • moira postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo! Ich fahre in den Ferien nach Paris und möchte gerne auf den Eiffelturm steigen. Mein Mann macht sich deshalb große Sorgen, weil die Treppe schon sehr lang ist.
    War jemand schon mal dort und hat den einen oder anderen Tipp?

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