- Soziales und Recht
Bei Diabetes braucht es gute Pflege
3 Minuten
Der demografische Wandel führt dazu, dass auch Menschen mit Diabetes immer älter werden und möglicherweise durch geistige Einschränkungen oder eine Demenz irgendwann nicht mehr in der Lage sind, ohne fremde Hilfe ihren Diabetes-Alltag zu bewältigen. Zudem hat schon heute etwa jede fünfte Patientin beziehungsweise jeder fünfte Patient im Krankenhaus einen Diabetes mellitus. Hier werden unbedingt Fachkräfte in der Pflege mit Wissen über Diabetes benötigt. Der Landesverband Nordrhein-Westfalen der Selbsthilfe-Organisation Deutsche Diabetes-Hilfe – Menschen mit Diabetes (DDH-M NRW) hat aus diesem Anlass ein Positions-Papier verfasst. Vorgestellt wurde dieses anlässlich des Internationalen Tags der Pflegenden am 12. Mai 2022 im Rahmen einer Online-Presse-Konferenz. Der Verband fordert darin eine strukturiertere diabetologische Fort- und Weiterbildung von Pflegekräften sowie das Schaffen von Anreiz-Systemen.
Aus- und Weiterbildung von Pflege-Fachkräften unzureichend
"Trotz dieser hohen Prävalenz ist die Aus- und Weiterbildung von Pflege-Fachkräften zu Diabetes nicht ausreichend. In der Ausbildung zur Pflege-Fachkraft werden etwa 20 Stunden zum Thema Diabetes unterrichtet, eine verpflichtende Fortbildung zu diesem Thema nach dem Examen gibt es nicht", sagte Claudia Lenden, Gesundheits- und Krankenpflegerin aus Köln. Im Arbeits-Alltag erschweren zudem Zeit-Mangel, organisatorische und strukturelle Probleme in der Zusammenarbeit mit dem ärztlichen Personal sowie anderen Schnittstellen die kompetente Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2. Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern sind aber auf Pflege-Personal in stationären oder ambulanten Einrichtungen, das zu Diabetes geschult ist, angewiesen.
Aktuell haben nur 17 Prozent der Kliniken in Deutschland eine diabetologische Qualifizierung. Stoffwechsel-Entgleisungen wie Hypo- und Hyperglykämie und Begleit-Erkrankungen erfordern ein flexibles und individuelles Management auf Station. Auch die rasante Weiterentwicklung der medikamentösen Therapie des Diabetes und die technologischen Neuerungen wie Insulin-Pumpen und Glukose-Sensoren erfordern Fachwissen – mit stetigem Bedarf, das Wissen zu aktualisieren. Insgesamt zeigt die Studie, dass sich stationär ein hoher Versorgungs-Bedarf abzeichnet, um die immer älter werdenden Patienten mit Diabetes, die meist weitere Erkrankungen haben, versorgen zu können. Eine unzureichende Versorgung birgt die Gefahr von mehr Komplikationen und eines längeren Aufenthalts im Krankenhaus. Gleichzeitig herrscht in Krankenhäusern und Pflegeheimen ein akuter Personal-Mangel. Bis zum Jahr 2030 werden 300 000 zusätzliche Pflege-Fachkräfte benötigt.
In einer Untersuchung wurde das diabetologische Fachwissen von Pflege-Personal mit einem Fragebogen erhoben. Das Ergebnis: Nur etwa ein Drittel der Befragten konnte korrekte Antworten zum Thema Ernährung bei Diabetes geben und nur 16 Prozent wussten genug zum Thema Anpassung der Insulin-Dosis. Das bestätigen auch Diabetes-Patientinnen und -Patienten, die nach Aufenthalten in Kliniken und Pflege-Einrichtungen häufig davon berichten, dass sich die Pflege-Fachkräfte nicht mit der Stoffwechsel-Krankheit auskennen. "Pflegenden fehlt es oft an differenziertem Fachwissen, zum Beispiel zur Behandlung von Unter- und Überzuckerungen oder zum Umgang mit technischen Geräten wie Insulin-Pumpen", so Lenden.
Angehörige sind der größte Pflege-Dienst
Ähnlich ergeht es älteren Menschen mit Diabetes, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung stetig steigt. Ein Viertel der Betroffenen mit Typ-2-Diabetes gehört der Altersgruppe der über 75-Jährigen an und etwa eine Million ist über 80 Jahre alt. "Deutschlands größten Pflege-Dienst stellen die Angehörigen dar. Sie versorgen häufig ganz allein ihre Partnerinnen und Partner, Eltern usw. in der Häuslichkeit. Wie belastend diese Situation für die Erkrankten und Angehörigen ist, ist nicht vollends bekannt. Einige Angehörige erfahren Unterstützung durch ambulante Pflege-Dienste", sagt Doris Schöning, Mitglied im Fachbeirat der DDH-M NRW. Diese Situation führt häufig zu Konflikten. Denn die Mitarbeitenden des ambulanten Pflege-Diensts verfügen zwar über eine hohe pflegerische Kompetenz, doch meist über ein geringes diabetologisches Wissen. "Angehörige erhalten auf einmal semikorrekte Informationen von den Pflegenden – anders, als Diabetes-Teams sie vermitteln."
In ihrem Positions-Papier forderte die DDH-M NRW im Vorfeld der Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen daher eine strukturierte diabetologische Fort- und Weiterbildung von professionell Pflegenden in allen ambulanten und stationären Einrichtungen der Langzeit- und Akut-Pflege sowie in der Psychiatrie. "Im Bereich der medikamentösen Diabetes-Therapie erleben wir rasante Weiterentwicklungen sowie zahlreiche technologische Neuerungen. Diese erfordern ein hohes Maß an Fachwissen, das stetig aktualisiert werden muss", erklärte auch Norbert Kuster, Landesvorsitzender und Geschäftsführer der DDH-M NRW. Den Pflegenden müsse Zeit und die Möglichkeit gegeben werden, sich fortlaufend zum Thema Diabetes weiterzubilden, waren sich die Referierenden einig. "Damit mehr Menschen sich für entsprechende Weiterbildungs-Maßnahmen entscheiden, müssen außerdem finanzielle Anreize geschaffen werden – sowohl für die Pflegenden selbst als auch für die Einrichtungen."
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Bewegung
Faschingszeit: Gute Vorsätze – mit kurzer Pause
2 Minuten
- Behandlung
Mit Diabetes gut vorbereitet ins Krankenhaus: Was muss mit, was vorab geklärt werden?
5 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
laila postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes Typ 3c vor 11 Stunden, 44 Minuten
Hallo ihr Lieben….Mein Name ist Laila…Ich bin neu hier…Ich wurde seit 2017 mit Diabetes 2 diagnostiziert.Da bekam ich den Diabetes durch laufen ohne Medies in den Griff.Das ging so bis Januar 2025.Ich weiss heute nochicht warum…aber ich hatte 2024 den Diabetes total ignoriert und fröhlich darauf losgegessen.Mitte 2025 ging ich Sport machen und gehen nach dem Essen.Und nahm immer megr ab.Htte einen Hb1C Wert von 8…Da ich abnahm, dachte ich, das der Wert besser ist…Bis Januar 2025…Da hatte ich einen HbA1C Wert von 14,8…Also Krankenhaus und Humalog 100 zu den Malzeiten spritzen…Und Toujeo 6 EI am Morgen…Irgendwann merkte ich, das mich kein Krankenhaus einstellen konnte.Die Insulineinheiten wurden immer weniger.Konnte kein Korrekturspritzen megr vornehmen.Zum Schluss gin ich nach 5 Mon. mit 2 Insulineinheiten in den Hypo…Lange Rede …kurzer Sinn.Ich ging dann auf Metformin…Also Siofor 500…Ich war bei vielen Diabethologen….Die haben mich als Typ 1 behandelt.Mit Metformin ging es mir besser.Meine letzte Diaethologin möchte, das ich wieder spritze.Ich komme mit ihr garnicht zurecht.Mein HbA1C liegt jetztbei 6,5…Mein Problem ist mein Gewicht.Ich wiege ungefähr 48 Kilo bei 160 m…Ich bräuchte dringend Austausch…Habe so viele Fragen…Bin auch psychisch total am Ende. Achso…Ja ich habe seit 1991 eine chronisch kalfizierende Pankreatitis…Und eine exokrine Pankreasinsuffizienz…Also daurch den Diabetes 3c.Wer möchte sich gerne mit mir austauschen?An Michael Bender:” Ich habe Deine Geschichte gelesen . Würde mich auch gerne mit Dir austauschen, da Du ja auch eine längere Zeit Metformin eingenommen hast.” Ich bin für jeden, mit dem ich mich hier austauschen kann, sehr dankbar. dankbar..Bitte meldet Euch…!!!
-
vio1978 postete ein Update vor 1 Tag, 22 Stunden
Habe wieder Freestyle Libre Sensor, weil ich damit besser zurecht kam als mit dem Dexcom G 6. ist es abzusehen, ob und wann Libre mit d. Omnipod-Pumpe kompatibel ist?🍀
-
renrew postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
gibt es Tips oder Ratschläge dieser Pumpe betreffend?
-
moira antwortete vor 5 Tagen, 14 Stunden
Das kommt sehr darauf an – in welchem Bereich?
-

Hallo Leila, ich bin Suzana und auch in dieser Gruppe. Meine Geschichte kannst du etwas weiter unten lesen.
Es ist sicher schwer aus der Ferne Ratschläge zugeben, dennoch: ich habe mich lange gegen Insulinspritzen gewehrt aber dann eingesehen, dass es besser ist. Wenn die Pankreas nicht mehr genug produziert ist es mit Medikamenten nicht zu machen. Als ich nach langer Zeit Metformin abgesetzt habe, habe ich erst gemerkt, welche Nebenwirkungen ich damit hatte.
Ja auch ich muss aufpassen nicht in den unterzucker zu kommen bei Sport und Bewegung aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert. Traubensaft ist mein bester Freund.
Ganz wichtig ist aber ein DiabetologIn wo du dich gut aufgehoben fühlst und die Fragen zwischendurch beantwortet.
Weiterhin viel Kraft und gute Wegbegleiter!
@suzana: Ich danke Dir für die Nachricht.Könnten wir uns weiterhin austauschen?Es wäre so wichtig für mich.Vielleicht auch privat? Gebe mir bitte Bescheid…Ich kenne mich hier leider nicht so gut aus…Wäre echt super…😊