- Soziales und Recht
DDG fordert Bundesregierung zur Bekämpfung von Diabetes auf
3 Minuten
Mit einem aktuellen Positionspapier nimmt die Deutsche Diabetes Gesellschaft die künftige Bundesregierung in die Pflicht, in Deutschland die qualitativ hochwertige medizinische Versorgung der rund 6,7 Millionen Diabetespatienten sicherzustellen.
„Die politisch Verantwortlichen dürfen die Augen nicht davor verschließen, dass die Bekämpfung der Volkskrankheit Diabetes angesichts der alternden Bevölkerung eine der größten gesellschaftspolitischen Herausforderungen ist“, sagt Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Präsident der DDG. Unter dem Titel „Politik und Diabetes: jetzt handeln!“ fordert die DDG in einem Positionspapier die Umsetzung des Nationalen Diabetesplans.
„Im Kampf gegen Diabetes ist der Gesetzgeber gefragt“
Mehr als 90 Prozent der Diabetesbetroffenen in Deutschland leiden an Typ-2-Diabetes. Hauptrisikofaktoren sind Übergewicht, ungesunde Ernährung und mangelnde körperliche Aktivität. Durch die fortschreitende Zunahme von Übergewicht, Adipositas und Bewegungsmangel sowie den demografischen Wandel ist mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Zunehmend betroffen sind auch Kinder und Jugendliche. Aus Sicht der DDG sind bisherige Appelle an die Vernunft des Einzelnen gescheitert – jetzt ist der Gesetzgeber gefragt.
„Die Politik muss es den Menschen erleichtern, einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu pflegen“, erklärt Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Mediensprecher der DDG und Past-Präsident. Ein Paradigmenwechsel der Präventionspolitik hin zu einer Verhältnisprävention sei längst überfällig. Mit Hilfe eines Nationalen Diabetesplans können die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden, so die DDG.
Forderung: Diabetes-Beauftragter der Bundesregierung
Als eine wesentliche Maßnahme fordert die Fachgesellschaft gemeinsam mit diabetes.DE – Deutsche Diabetes-Hilfe und der Deutschen Allianz für Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) die Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde Lebensmittel mit einem niedrigen Gehalt an Zucker, Fetten und Salzen. „Das schafft Anreize für eine gesunde Ernährung, ohne den Bürger zu belasten“, so Gallwitz.Eine verpflichtende Kennzeichnung aller Lebensmittel mit einem leicht verständlichen Ampel-System sei ebenfalls erforderlich.
Darüber hinaus empfiehlt die DDG ein Verbot von Lebensmittelwerbung, die sich an Kinder und Jugendliche richtet. Um sicherzustellen, dass Prävention und Therapie ressortübergreifend und dauerhaft im Fokus der politischen Entscheidungsträger stehen, erwartet die DDG in der kommenden Legislaturperiode auch die Benennung eines Beauftragten der Bundesregierung für Diabetes, Adipositas und Prävention.
Diabetologie stärker in medizinischer Aus- und Weiterbildung verankern
Die DDG beklagt zudem, dass im Zuge der Ökonomisierung und des wirtschaftlichen Kostendrucks die „Sprechende Medizin“ zunehmend ins Hintertreffen gerät. Die Folge: Klinische Lehrstühle für Diabetologie und selbstständige diabetologische Fachabteilungen fallen immer häufiger dem Rotstift zum Opfer. Diese Entwicklung gefährde die Aus- und Weiterbildung, den medizinischen Nachwuchs und damit auch die Versorgung und Forschung, kritisiert die Fachgesellschaft.
„Eine stärkere Verankerung der Diabetologie im theoretischen und praktischen Teil des Medizinstudiums ist zwingend erforderlich“, erklärt Gallwitz. „Bund und Länder müssen sich dafür stark machen, dass die Zahl der eigenständigen klinischen Lehrstühle und diabetologischen Fachabteilungen wieder wächst“, betont der Mediensprecher. Ebenso wichtig sei laut DDG der Ausbau sowie die Förderung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD), um mit modernsten Technologien und Forschungsansätzen innovative Strategien für die Prävention, Therapie und Diagnose von Diabetes zu entwickeln.
Gemeinsam mit dem Bundesverband Niedergelassener Diabetologen e.V. (BVND) spricht sich die DDG zudem für eine bundeseinheitliche diabetologische Zusatz-Weiterbildung auf hohem Niveau aus. Eine staatliche Anerkennung der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe durch die Politik sei zwingend, erklären die DDG und der Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland e.V. (VDBD). Das Berufsbild der Diabetesberater und -beraterinnen müsse sowohl gesellschaftlich als auch finanziell angemessen aufgewertet werden. Für die „Sprechende Medizin“ bedürfe es insgesamt sowohl ambulant als auch stationär einer angemessenen Vergütung.
Digitalisierung und Mitwirkungsrechte
Schließlich müsse die digitale Transformation vorangetrieben werden. „Diabetes ist eine Datenmanagement-Erkrankung, die Digitalisierung bietet große Chancen für die Medizin“, sagt Müller-Wieland. Voraussetzung dafür seien der flächendeckende Netzausbau und die zügige Umsetzung des E-Health-Gesetzes, mit dem die Bundesregierung die Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen installieren will.
Der Datenschutz der Patienten müsse dabei an erster Stelle stehen, ohne die Belange von Forschung und Wissenschaft zu blockieren, betont die DDG. Dafür sei unter anderem Transparenz und Qualitätskontrolle bei den Algorithmen von Behandlungspfaden und medizinischen Geräten notwendig.
Kritisch sieht die DDG auch die Tendenz, Gesundheitspolitik zunehmend durch patientenferne Organe und Institutionen zu regeln. Als medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft erwartet die DDG daher, bei der Festlegung des medizinischen Standards nach dem Sozialgesetzbuch Gesetzliche Krankenversicherung (SGB V.) regelhaft eingebunden zu werden. „Zudem fordern wir die Bundespolitik auf, das Mitwirkungsrecht der Patientenvertreter in den verschiedenen Gremien zu stärken“, so Müller-Wieland.
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG)
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uho1 postete ein Update vor 4 Tagen, 14 Stunden
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 1 Woche
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 1 Woche
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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ckmmueller postete ein Update vor 2 Wochen, 2 Tagen
Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos
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diahexe antwortete vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.
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