- Soziales und Recht
Deutschland auf einigen Gebieten immer noch Schlusslicht
3 Minuten
Tabakkonsum, schädlicher Alkoholkonsum und Übergewicht – laut der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) macht die Politik in Deutschland noch immer zu wenig, um gegen Hauptrisikofaktoren für chronische Erkrankungen zu vorzugehen.
Seit Jahren fordert die Weltgesundheitsorganisation WHO konkrete politische Maßnahmen, um chronischen Erkrankungen wie Herzkreislauf- und Lungenkrankheiten, Krebs und Typ-2-Diabetes effektiv vorzubeugen. Doch noch immer scheut die Bundesregierung vor einer wirkungsvollen Präventionspolitik zurück, kritisiert die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK).
„In manchen Bereichen gehört Deutschland sogar zu den europäischen Schlusslichtern“, sagt DANK-Sprecher Dr. Dietrich Garlichs. So ist Deutschland das einzige Land in der EU, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt. Die DANK-Experten fordern daher in einem Grundsatzpapier, das allen Bundestagsabgeordneten zugestellt wurde, endlich wirksame Maßnahmen gegen Tabakkonsum, schädlichen Alkoholkonsum sowie Übergewicht zu ergreifen.
Experten fordern den Einsatz von Preissignalen
Nichtübertragbare Krankheiten wie Krebs, Typ-2-Diabetes, chronisch obstruktive Lungenkrankheiten (COPD) und Herzkreislauf-Erkrankungen sind weltweit Todesursache Nummer eins. In Deutschland sind rund zwei Drittel aller Todesfälle darauf zurückzuführen. Hauptrisikofaktoren für diese chronischen Erkrankungen sind Rauchen, hoher Alkoholkonsum, ausgeprägtes Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel. „Wir brauchen gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die diesen Risikofaktoren entgegenarbeiten und einen gesunden Lebensstil fördern“, betont Garlichs.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind Preissignale besonders wirksam. „Preiserhöhungen tragen nachweislich dazu bei, Tabak- und Alkoholkonsum zu reduzieren“, so Garlichs. Auch Übergewicht und Diabetes lassen sich durch eine Umstrukturierung der Besteuerung von Lebensmitteln effektiv bekämpfen. „Für Produkte mit niedrigem Fett-, Zucker- und Salzanteil sollte die Mehrwertsteuer gesenkt werden“, führt der DANK-Sprecher aus.
Im Gegenzug würde die Mehrwertsteuer für verarbeitete Lebensmittel mit hohem Gehalt an Fett, Zucker und Salz erhöht. „Das schafft Anreize für eine gesunde Ernährung, ohne die Bürger zusätzlich zu belasten“, so Garlichs. Zahlreiche europäische Staaten – darunter Großbritannien, Frankreich, Ungarn und Portugal – haben inzwischen entsprechende Abgaben oder Steuererhöhungen für ungesunde Produkte beschlossen, etwa das Vereinigte Königreich für stark gesüßte Getränke.
Außenwerbungsverbot für Tabakprodukte unnötig verzögert
Dazu konnten sich deutsche Politiker noch nicht durchringen, ebenso wenig wie zu einem Verbot der Außenwerbung für Tabakprodukte. „Die Bundesregierung hat bereits einem Entwurf für die Abschaffung der Außenwerbung für Tabakprodukte zugestimmt“, erklärt Professor Dr. med. Dr. h.c. Robert Loddenkemper von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin.
„Dass sie dafür seit Monaten die entscheidende Unterstützung aus dem Parlament nicht bekommt und das Vorhaben in unverantwortlicher Weise verzögert wird, ist nicht nur bedauerlich, sondern auch nicht nachzuvollziehen“, so Loddenkemper weiter. „Dabei hat sich Deutschland mit der Ratifizierung des WHO-Tabakrahmenübereinkommens dazu verpflichtet, bis 2010 ein umfassendes Tabakwerbeverbot einzuführen – ein Verbot der Tabakaußenwerbung ist also überfällig“, meint Loddenkemper.
Kitas und Schulen: gesündere Verpflegung, mehr Bewegung
Politischer Widerstand regt sich ebenfalls gegen ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel. „Dabei könnte eine solche Maßnahme langfristig den Anteil übergewichtiger Kinder um 25 Prozent senken, wie Untersuchungen belegen“, berichtet Professor Dr. med. Manfred Müller, Sprecher des Kompetenznetzes Adipositas.
Mehr körperliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter sollte eine solche Initiative flankieren. So fordert DANK, in jeder Kita und Schule täglich mindestens eine Stunde Bewegung oder Sport verpflichtend einzuführen. Sinnvollerweise ergänzt würde diese Vorgabe durch eine verbindliche Umsetzung der Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für das Essen in Kitas und Schulen. „In Deutschland ernähren sich nahezu 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen nicht nach den Empfehlungen für eine gesunde Ernährung“, erläutert Müller. So verzehrt nur rund ein Drittel der Sechs- bis Elf-Jährigen die empfohlene Menge an Obst und Gemüse.
Über die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) ist ein Zusammenschluss von 17 wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Die Allianz wurde 2010 aus Auslass des ersten UN Gipfels zu den nichtübertragbaren Krankheiten gegründet, um sich für nachhaltige und bundesweite Primärprävention in Deutschland einzusetzen.
www.dank-allianz.de
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK)
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Aktuelles
4 Minuten
- Behandlung
17 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
anseaticids postete ein Update vor 15 Stunden, 31 Minuten
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 3 Tagen, 13 Stunden
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
-
othenbuehler postete ein Update vor 4 Tagen, 6 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
Mehr Infos im Flyer 👇




