- Soziales und Recht
Diabetes und Technik: Bessere Unterstützung, andere Herausforderung
3 Minuten

Moderne Medizintechnik ist fester Bestandteil des Krankheits-Managements bei Diabetes. Sie ist aber kein Selbstläufer oder Allheilmittel, es braucht zusätzliche Unterstützung, mahnt die organisierte Selbsthilfe im Diabetes-Anker. Risiken, unerwünschte Auswirkungen und andere Herausforderung müssen stärker berücksichtigt werden – in der Versorgung wie im gesellschaftlichen Alltag.
Sensoren zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) und Systeme zur automatisierten Insulin-Dosierung (AID-Systeme) erhöhen das Sicherheitsgefühl vieler Nutzender und können den Therapieerfolg steigern. Dennoch ist die Annahme leichtfertig und falsch, Technik könne eine Diabetes-Erkrankung im Alltag vollautomatisch managen und quasi unsichtbar machen. Der tägliche Aufwand für die Betroffenen bleibt hoch und sie tragen weiterhin die Verantwortung für das Krankheits-Management.
Alarmbereitschaft und familiäre Last
Inzwischen wissen wir: Das Gefühl der Abhängigkeit von Technik oder von anderen Menschen, häufige Warnmeldungen und die Allgegenwart von Körper-bezogenen Daten können die Nutzenden und ihre Mitmenschen psychisch stark beanspruchen. Insbesondere Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes profitieren zwar von Fernüberwachung (Remote Patient Monitoring, RPM), haben aber gleichzeitig ununterbrochen ihre Verantwortung vor Augen. Das kann Beziehungen belasten und die eigene Gesundheit von Eltern, Partnern oder pflegenden Angehörigen gefährden.
Wenn Daten Beziehungen verändern
Teilen Betroffene ihre Körper-bezogenen Daten mit Lebenspartnern, Eltern oder pflegenden Angehörigen, gibt das oft zusätzliche Sicherheit. Das geteilte Wissen beeinflusst aber auch die persönliche Beziehung zu den Followern. Die Geräte-Hersteller sind gefordert, Daten-Autonomie technisch zu implementieren: Nutzende entscheiden selbst, welche Daten sie wann mit wem teilen, und behalten die Hoheit über ihren Körper und ihr Verhalten. Nur so können Kinder und Jugendliche ein Gefühl für ihren eigenen Körper und Verantwortung für ihre Gesundheit entwickeln und Asymmetrien in Beziehungen zu Partnern, betreuten oder zu pflegenden Personen werden vermieden.
Die Selbsthilfe fordert:
- langlebige, barrierefreie Systeme und offene Standards
- technisch implementierte Daten-Autonomie
- langfristige Finanzierung von Schulungs- und Beratungsangeboten für Betroffene, verbindliche Angebote für betreuende Einrichtungen, spezialisierter Beratungsberuf „Diabetestechnik“
- psychische Entlastung und verlässliche, bundesweit einheitliche Versorgung
- strukturelle Stärkung der Selbsthilfe als unabhängige Anlaufstelle für Orientierung und Unterstützung
- Menschen mit Diabetes wünschen sich eine realistische Erwartungshaltung ihrer Mitmenschen und der Gesellschaft, in der wir gemeinsam leben!
Kompetenz-Lücken und mangelnde Honorierung
Die Versorgung stößt an Grenzen des deutschen Gesundheitssystems. Diabetesberater sind zeitlich und thematisch mit den raschen Neuerungen oft überfordert. Noch immer fehlt ein spezialisiertes Berufsbild für Technik-Beratung und Krankenversicherungen honorieren Schulung und Beratung zu wenig. Auch qualitativ hochwertiges Schulungsmaterial ist rar, insbesondere in nicht deutscher Sprache. Dabei bräuchten nicht nur Erkrankte und Angehörige, sondern auch Betreuungspersonal an Schulen, Kindertagesstätten oder Pflegeeinrichtungen dringend fundierte Kenntnisse.
Ärztinnen und Ärzte beherrschen die Technik häufig nicht ausreichend und binden Patientinnen und Patienten nicht immer aktiv in Entscheidungen ein. Nicht jeder Mensch mit Diabetes braucht ein AID-System und gerade anfänglich ist der Zeitaufwand für die Nutzung automatisierter Systeme enorm.
Wenn Bürokratie bewährte Versorgung gefährdet
Medizintechnik sollte für alle, die sie benötigen, gleichermaßen verfügbar sein. In Deutschland bestehen jedoch weiterhin regionale und Krankenkassen-spezifische Unterschiede bei der Genehmigung. Bürokratische Hürden verzögern die Versorgung. Besonders problematisch sind Rabattverträge der Krankenkassen.
Sie können dazu führen, dass etablierte, zuverlässige und vertraute Geräte plötzlich aus der Versorgung verschwinden. Funktionierende Systeme werden zu „Edelschrott“, weil bei einem Defekt kein Ersatz auf Kosten der Krankenkassen gewährt wird, obwohl Verbrauchsmaterial noch verfügbar wäre. Diese Praxis ignoriert die Sicherheit und Vertrautheit, die Nutzerinnen und Nutzer mit bewährten Geräten aufgebaut haben.
Langlebig, barrierefrei und interoperabel
Viele Geräte und Software werden in extrem kurzen Zyklen funktional obsolet. Eine Aktualisierung des Betriebssystems kann intakte Hardware unnötigerweise unbrauchbar machen. Das erzeugt erhebliche Kosten und unnötigen Technik-Schrott.
Barrieren nehmen stellenweise zu statt ab: Mechanische Schalter und akustische Rückmeldungen wie ein Klicken statt glatter Displays bieten gerade blinden und sehbehinderten Menschen wichtige Orientierung. Menschen mit Hörbehinderung brauchen – zusätzliche – haptische Alarme wie ein Vibrieren, ältere Menschen mehr Sicherheit im Umgang mit digitalen Anwendungen.
Zudem fordern wir seit Langem Interoperabilität und offene technische Standards, damit Betroffene nicht (mehr) in geschlossene Systemwelten gedrängt werden. Denn Technik darf Menschen mit Diabetes nicht benachteiligen oder isolieren. Sie soll vielmehr helfen, sie zu integrieren!
gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker

Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (10) Seite 58-59
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multi postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Doppel-Diabetes vor 5 Stunden, 47 Minuten
Hallo, hat hier noch jemand Doppeldiabetes (durch Corona verursacht oder warum auch immer)? Ich würde mich gerne austauschen.
olivers postete ein Update vor 5 Tagen, 9 Stunden
Hallo Zusammen!
Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
Liebe Grüße
Oliverzojou96 postete ein Update vor 6 Tagen, 10 Stunden
Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂



