Dicksein ist kein Verbrechen

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Dicksein ist kein Verbrechen

Die Zahl der Menschen mit starkem Übergewicht nimmt zu – und parallel dazu deren Stigmatisierung. Anstatt die gesellschaftlichen Missstände anzugehen, die zu diesem Anstieg führen, werden häufig die Betroffenen selbst angeggangen. Ein Unding, sagt Alex Adabei in ihrer Kolumne.

Deutsche werden immer dickerjeder zweite Deutsche ist zu dickDeutsche sind so dick wie noch nie

Wissen Sie was? Ich will sie nicht mehr lesen, kann sie nicht mehr hören, diese Schlagzeilen, durch die sich übergewichtige Menschen wie auf der Anklagebank vorkommen müssen. Sind dicke Menschen selbst schuld an ihrem Übergewicht? Nein: Gene und Umweltfaktoren spielen eine ganz große Rolle, und es ist deshalb sehr schwer, abzunehmen und das niedrigere Gewicht auf Dauer zu halten.

Dicke Menschen werden als faul, willensschwach oder sogar dumm abgestempelt

Überhaupt, die Sache mit dem “selbst schuld”: Ist das ein Grund für schiefe Blicke und Anfeindungen und die dauernde Anklage? Dicke Menschen haben einfach das Pech, ihren “Makel” nicht verbergen zu können. Nicht jeder hat eine eiserne Disziplin, ob er nun dick oder dünn ist. Es gibt also keinen Grund, dass dünne oder normalgewichtige Menschen sich als etwas Besseres fühlen. Dennoch geschieht genau das, wie Umfragen deutlich zeigen: Dicke Menschen werden abgestempelt – als faul, willensschwach, sogar als dumm.

Wissen Sie, ein Teil meiner Familie ist dick. Nicht kräftig oder moppelig, sondern: dick. Mein Onkel, der auch durch sein Gewicht gesundheitliche Probleme hat (Typ-2-Diabetes …), würde gern weniger wiegen. Er kämpft, aber dünn ist er bis jetzt nicht geworden. Ist er also faul und dumm? Nein, er hat ein erfolgreiches kleines Unternehmen aufgebaut, ist oft im Stress. Ha, dann muss er halt den Stress reduzieren! Aber mal ehrlich: Wie viele von uns schaffen es denn, Grundlegendes an ihrem Leben zu ändern?

Das ständige Schuldgefühl hilft sicher nicht beim Abnehmen

Auch wenn sich viele Dicke so verdammt schuldig fühlen und tagtäglich herablassende Blicke auf sich spüren: Dick zu sein ist doch kein Verbrechen! Gesundheitlich schadet das Übergewicht aber ganz vielen Menschen und wird auch für die Gesellschaft zum Problem. Die Schuld dafür bei den Dicken abzuladen, ist zu billig und einfach unfair. Und: Das ständige Schuldgefühl hilft sicher nicht beim Abnehmen!

Ich sehe es wie Dr. Dieter Garlichs (Deutsche Diabetes Gesellschaft): “Wir werden keinen Erfolg in der Prävention haben, wenn wir weiter nur an die Menschen appellieren, ihr Verhalten zu ändern, und nicht die Verhältnisse ändern, in denen sie leben und die ihr Verhalten bestimmen.”


von Alex Adabei

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.

Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (06131) 9 60 70 0, Fax: (06131) 9 60 70 90,
E-mail: redaktion@diabetes-journal.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2017; 66 (4) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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