Gut versorgt im Alter: Diabetes im Alter – Versorgungslücken und dringender Handlungsbedarf

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Gut versorgt im Alter: Diabetes im Alter – Versorgungslücken und dringender Handlungsbedarf | Foto: Daniel Ernst – stock.adobe.com
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Gut versorgt im Alter: Diabetes im Alter – Versorgungslücken und dringender Handlungsbedarf

Immer mehr ältere Menschen mit Diabetes berichten von Problemen in Pflege-Einrichtungen und Krankenhäusern. Kenntnisse im Umgang mit moderner Diabetes-Technologie sind oft unzureichend, die Ausbildungs- und Versorgungslücken sind gravierend. Worauf ältere Menschen mit Diabetes achten sollten – und warum sich dringend etwas ändern muss.

Älter werden mit Diabetes – ein unterschätztes Risiko

Die steigende Lebenserwartung ist ein Erfolg unserer Zeit. Doch was geschieht, wenn Menschen im Alter auf Pflege angewiesen sind – insbesondere mit einer chronischen Erkrankung wie Diabetes? Berichte und Studien zeigen zunehmend Defizite in der Versorgung, die Lebensqualität und Gesundheit erheblich beeinträchtigen können.

Gefährliche Fehleinschätzungen im Praxisalltag

Ein 72-jähriger Mann kam mit einer schweren Unterzuckerung (Hypoglykämie) in die Notaufnahme. Statt der notwendigen Glukose sollte ihm Insulin gespritzt werden – ein Fehler, den er gerade noch verhindern konnte.

Eine 70-jährige Insulinpumpen-Trägerin wurde nach einer korrekt behandelten Hypoglykämie angewiesen, weder Insulin zu spritzen noch ihre Pumpe wieder zu aktivieren. Ihr Blutzucker stieg über 600 mg/dl (33,3 mmol/l), sodass sie eigenmächtig die Insulinpumpe wieder einschaltete.

Diese Beispiele machen deutlich, dass fehlende Kenntnisse im Diabetes-Management schwerwiegende Folgen haben können.

Fehlendes Wissen im Umgang mit moderner Diabetes-Technologie

Immer mehr Pflege-Einrichtungen fordern Bewohnerinnen und Bewohner auf, sich von Systemen zum kontinuierlichen Glukose-Messen (CGM) oder Insulinpumpen zu trennen. Hintergrund ist die fehlende Ausbildung im Umgang mit dieser Technik. Gerade für ältere Menschen mit Diabetes bedeutet dies den Verlust eines erheblichen Teils ihrer Eigenständigkeit und Lebensqualität.

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) weist 2023 auf erhebliche Defizite im Diabetes-Management in der Pflege hin, insbesondere bei der Berechnung von Mahlzeiten, dem Hypoglykämie-Management sowie im Umgang mit modernen Technologien wie CGM-Systemen. Sie fordert die gesundheitspolitisch Verantwortlichen in Bund und Ländern auf, gezielte Nachqualifikationen sowie bessere Anreize für die Fortbildung von Pflegekräften zu schaffen. Als Träger eignen sich Fachgesellschaften wie die DDG, Diabetes-Akademien, anerkannte Weiterbildungs-Einrichtungen sowie spezialisierte Kliniken.

Probleme bei Wundversorgung und medizinischer Betreuung

Diabetische Wunden am Fuß (Fuß-Ulzera) werden oft unterschätzt oder unzureichend behandelt. Laut dem Deutschen Gesundheitsbericht Diabetes 2023 ist das Diabetische Fußsyndrom die häufigste Ursache für Amputationen oberhalb des Sprunggelenks und ein wesentlicher Grund für Krankenhaus-Aufenthalte bei Menschen mit Diabetes. Auch andere Komplikationen beispielsweise an Auge, Herz und Niere bleiben häufig unbeachtet.

Eine Studie der Uni Ulm 2021 zeigt, dass etwa jeder fünfte Krankenhauspatient an Diabetes erkrankt ist – meist jedoch nur als Nebendiagnose. Genau darin liegt das Problem: Die Diabetes-Erkrankung wird dann im Klinikalltag häufig nicht ausreichend beachtet und behandelt. Diese Vernachlässigung erhöht das Risiko für Komplikationen und verlängert Krankenhaus-Aufenthalte. Die DDG fordert deshalb eine systematische Diabetes-Erkennung und eine bessere Integration der Diabetestherapie in die stationäre Versorgung.

Defizite in Ausbildung und Studium

Ein Blick in die Ausbildungspläne der Alten- und Krankenpflege zeigt: Diabetes nimmt dort nur einen geringen Raum ein. Auch im Medizinstudium wird das Thema häufig nur in wenigen Unterrichts-Einheiten behandelt. Wichtige Inhalte wie das Erkennen und Behandeln von Unter- bzw. Überzuckerungen (Hypo- bzw. Hyperglykämien) bei älteren Menschen, altersgerechte Insulin-Dosierung oder der Umgang mit CGM-Systemen fehlen oder werden nur oberflächlich thematisiert.


Wir fordern, dass die Ausbildung in Pflege- und Gesundheitsberufen dringend um Inhalte zur Diabetes-Versorgung ergänzt wird. Gleichzeitig muss die Versorgung älterer Menschen mit Diabetes stärker in den Fokus von Politik und Gesundheitssystem rücken – damit Lebensqualität auch im Alter erhalten bleibt.

Selbsthilfe fordert: Pflege stärken, Ausbildung verbessern – Versorgung älterer Menschen sichern!


Die DDG fordert seit Jahren eine stärkere Berücksichtigung diabetologischer Inhalte in allen Gesundheitsberufen – bisher ohne ausreichenden Erfolg. In vielen Regionen fehlt es zudem an einer wohnortnahen, spezialisierten Versorgung durch niedergelassene Diabetologinnen und Diabetologen sowie qualifizierte Diabetesberaterinnen und -berater.

Zusammengefasst: Die größten Herausforderungen

  • unzureichende Ausbildung von Alten- und Krankenpflegekräften im Bereich Diabetes
  • mangelhafte Integration von Diabetologie in das Medizinstudium
  • fehlende flächendeckende Versorgung durch niedergelassene Diabetologinnen und Diabetologen sowie Diabetesberaterinnen und -berater
  • sinkende Bewerberzahlen in Pflegeberufen

gemeinsame Positionen der organisierten Selbsthilfe und Patientenvertretung im Diabetes-Anker


Erschienen in: Diabetes-Anker, 2025; 73 (6) Seite 58-59

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  • loredana postete ein Update vor 1 Tag, 10 Stunden

    Die Registrierung mit dem Geburtsjahr war echt sportlich. Wollte es schon fast wieder abbrechen.

  • ambrosia postete ein Update vor 2 Tagen, 7 Stunden

    Ich wünsche allen einen schönen Mittwoch.

  • Hallo, ich bin Stefanie, die Diagnose Typ 1, habe ich vor drei Monaten bekommen.
    Ich merke wie es mir aktuell mit der Diagnose eher schlechter, als besser geht und meine Depression wieder da ist und ich auch eine neue Therapie starten werde. Ich habe aber das Gefühl, dass mich niemand Freundeskreis verstehen kann, weil niemand weiß, wie sehr diese Diagnose das Leben durcheinander bringt und ich auf so vieles aufpassen muss. Vor zwei Wochen hatte ich meine Schulung, tatsächlich fällt mir der Umgang mit dem Diabetes eher sogar schwerer. Eine Leichtigkeit (ist auch zu viel verlangt) ist nicht eingetreten. Sicherheit nur etwas.
    Es gibt bei mir leider keine Selbsthilfegruppen vor Ort, darum habe ich mich nun entschieden, den Diabetes Anker beizutreten und hoffe auf Verständnis von “Gleichgesinnten”
    Viele Grüße

    • Hallo Stefanie, schön ,dass du da bist. Wir treffen uns zum virtuellen Austausch nächste Woche Donnerstag. Vielleicht hast du ja Zeit und kannst dich einwählen 🙂 Ich freue mich, wenn wir uns dort sehen. Liebe Grüße Lena

      Virtuelles Diabetes-Anker Community-MeetUp im Dezember

    • Hallo Stefanie! Ich weiß noch wie es nach meiner Diagnose war – es dauert bis da von Leichtigkeit die Rede sein kann. Und das Umfeld tut sich oft sehr schwer das alles zu verstehen. Es wird besser aber es braucht Zeit. Alles Gute

    • @lena-schmidt: Hallo Lena, ich habe angemeldet und steht auch fest im Kalender.

    • @moira: Danke dir, ja es ist nicht ganz leicht damit klarzukommen und du hast recht, das Umfeld stellt mir Unmengen an Fragen, aber die kann ich aktuell selbst nicht beantworten, weil ich selbst genügend habe und andere Prios. Am schlimmsten empfinde ich die gutgemeinten “Ratschläge”.

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