Insulin vor dem Müll retten

3 Minuten

Insulin vor dem Müll retten

Was geschieht mit Insulin und Diabetes-­Hilfsmitteln, die nicht mehr gebraucht werden? Idealfall: Man spendet sie dem Projekt „Insulin zum Leben“. Von dort werden sie hilfsbedürftigen Diabetikern in Entwicklungsländern überbracht.

Sterben an Diabetes, weil es an Insulin mangelt? In Deutschland unvorstellbar – aber weit verbreitet in den armen Ländern dieser Erde. Bei vielen Menschen, besonders auf dem Land, wird die Krankheit gar nicht erkannt. Ohne Behandlung geht es Typ-2-Diabetikern immer schlechter, und sie erleiden oft ernsthafte Folgeerkrankungen. Unerkannte Typ-1-Diabetiker müssen sterben.

Wurde die Diagnose Diabetes gestellt und ist Insulin notwendig, würde das Insulin für einen Patienten ungefähr die Hälfte eines Familieneinkommens kosten. Viele nehmen den Tod des kranken Kindes in Kauf, damit die gesunden Kinder ernährt und zur Schule geschickt werden können.

Mission: sammeln und weiterschicken

Das zu ändern, ist das Ziel von Insulin zum Leben bzw. Insulin for Life. Die Organisation sammelt in den Industrieländern das Insulin, das Diabetiker nicht mehr brauchen, wenn sie auf ein anderes Insulin umgestellt werden, wenn sie durch Gewichtsabnahme oder nach der Entbindung kein Insulin mehr brauchen oder wenn sie sterben.

Viel zu oft landet dieses wertvolle Gut auf dem Müll. Insulin zum Leben schickt das gesammelte Insulin an Ärzte und anerkannte Diabetesorganisationen. Diese müssen einen Vertrag unterzeichnen, dass das Insulin nie auf dem Schwarzmarkt verkauft wird.

Insulin für mindestens 500 Menschen

In den letzten drei Jahren konnte Insulin zum Leben Insulin und Hilfsmittel (alles noch mindestens vier Monate haltbar) im geschätzten Wert von 500.000 Euro pro Jahr verschicken. Das darin enthaltene Insulin ist ausreichend, um mindestens 500 Menschen ein Jahr lang zu versorgen, wenn man von 50 Einheiten Insulin pro Tag ausgeht. Ohne Insulin zum Leben wären diese Hilfsmittel auf dem Müll gelandet. Jetzt retten sie Leben.

Die Pakete gehen monatlich an unsere festen Partner in Afrika und Lateinamerika. Das hört sich einfach an, ist aber eine organisatorische Herausforderung. Der Dank der Empfänger ist uns gewiss für das Leben rettende Insulin mit vielem Zubehör. Uns erreicht aber auch der Dank der Menschen, die froh sind, dass sie ihr Insulin nach Umstellung nicht wegwerfen müssen.

Und gerade durfte ich erleben, wie ein Mitglied meiner Selbsthilfegruppe aus Dankbarkeit, trotz 59 Jahren Diabetes Typ 1 den 70. Geburtstag in gutem Zustand feiern zu dürfen, auf Geschenke verzichtet hat – zugunsten einer Finanzspritze für Insulin zum Leben.

Deutlich schwieriger, an Insulin zu kommen

Trotz allen Erfolgs war es in diesem Jahr deutlich schwieriger, an Insulin zu kommen. Die Pharmaunternehmen dürfen an Krankenhäuser und Ärzte nur noch wenige Muster abgeben. Das haben auch wir zu spüren bekommen. Deutlich zurückgegangen ist der Eingang von Mischinsulin wie 30/70, 25/75 oder 50/50. Dieses Insulin ist in den armen Länder äußerst beliebt: Man muss es nur zweimal am Tag spritzen und erreicht so eine Grundversorgung mit geringem Unterzuckerungsrisiko.

Wenn der Arzt in einem Partnerland seinem Patienten sagt, dass er dieses Mal kein Mischinsulin hat, glaubt das der Patient oft nicht. Er glaubt eher, der Arzt wolle ihn bestrafen. Um dem Arzt beizustehen, schreiben wir dann in unserem Begleitbrief auf Englisch: “Achtung! Wir hatten nicht mehr Mischinsulin. Wir haben alles geschickt, was verfügbar war!”

Die Organisation bekannt machen

Geholfen hat uns in der Flaute sehr die Präsentation von Insulin zum Leben am Diabetes-Update im März 2015 vor 600 Diabetologen. Danach ist die Zahl der Zusendungen, die wir von Arztpraxen und Krankenhäusern bekommen haben, deutlich gestiegen.

Beim DDG-Kongress im Mai in Berlin konnte ich wieder Kontakte knüpfen, und der VDBD (Verband der Diabetesberaterinnen) hat an seinem Stand Regenschirme gegen eine Geldspende für Insulin zum Leben vergeben. Großartig. Hilfreich war auch, dass immer mehr Menschen bei uns Flyer bestellen, um damit Insulin zum Leben in ihrem Umfeld bekannt zu machen.

Unterstützung für Camps

In diesem Jahr haben wir drei Schulungscamps für Kinder und Jugendliche finanziell unterstützt: in der Demokratischen Republik Kongo, in Ruanda und “eigentlich” in Bolivien. Dort musste das Camp aber wegen Frosts auf Januar verschoben werden.

DANKE

Mein Dank gilt allen Menschen, die uns mit Insulin und Hilfsmitteln unterstützen, die unsere Flyer verteilen und Geld spenden für Transportkosten und Schulungscamps, außerdem der Biokanol Pharma GmbH unter Geschäftsführerin Sylvia Weimer-Hartmann für die kostenlose Überlassung des Lagerraumes und das ganztägige Annehmen unserer Pakete.

Bitte helfen Sie uns!
Insulin- und Hilfsmittelspenden,mindestens noch 4 Monate haltbar, können ungekühlt, nur etwas gepolstert und bitte freigemacht, an das Insulinlager geschickt werden: Insulin zum Leben, c/o Biokanol Pharma GmbH, Kehler Straße 7, 76437 Rastatt

Geldspenden sind willkommen auf dem Spendenkonto: BdKJ e. V. Insulin zum Leben, Volksbank Hameln-Stadthagen eG, IBAN: DE20254621600670320801, BIC: GENO DE F1 HMP, Der BdKJ ist berechtigt, Spendenbescheinigungen auszustellen.

Haben Sie Fragen an die Projektbeauftragte? Oder wollen Sie eine Bestellung aufgeben? Heidrun Schmidt-Schmiedebach, Telefon: 0 72 22/20 09 72, E-Mail: heidi.schmidt-
schmiedebach@gmx.de

, www.insulin-zum-leben.de

von Heidrun Schmidt-Schmiedebach
Projektbeauftragte “Insulin zum Leben Deutschland”
Tel.: 0 72 22 / 20 09 72, Fax: 0 72 22 / 1 76 29
E-Mail: heidi.schmidt-schmiedebach@gmx.de

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2015; 64 (12) Seite 48-49

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Ähnliche Beiträge

Rezept für knusprige Apfeltaschen

Rezept für knusprige Apfeltaschen | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch

2 Minuten

Community-Rezept: Vietnamesische Sommerrollen mit Gambas von Chrissi

Community-Rezept: Vietnamesische Sommerrollen mit Gambas von Chrissi | Foto: MedTriX / Bernhard und Gabi Kölsch / Frank Rossbach

3 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage

Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community

Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen

Community-Feed

  • Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

  • sayuri postete ein Update vor 1 Woche, 2 Tagen

    Hi, ich bin zum ersten Mal hier, um mich für meinen Freund mit Diabetes Typ 1 mit anderen auszutauschen zu können. Er versteht nicht alles auf Deutsch, daher schreibe ich hier. Etwa vor einem Jahr wurde ihm der Diabetes diagnostiziert und macht noch viele neue Erfahrungen, hat aber auch Schwierigkeiten, z.B. die Menge von Insulin besser abzuschätzen. Er überlegt sich, mal die Patch-Pad am Arm auszuprobieren. Kann jemand uns etwas über eingene Erfahrungen damit erzählen? Ich wäre sehr dankbar!🤗🙏
    Liebe Grüße
    Sayuri

Verbände