Kolumne | Zum gute Schluss: Richtungswechsel

2 Minuten

© Christian Mentzel
Kolumne | Zum gute Schluss: Richtungswechsel

In der Kolumne „Zum gute Schluss“ geht es heute um die Frage, wie Krisen den Alltag im Diabetes-Team verändern. Dr. Hans Langer beschreibt, warum ein Richtungswechsel nötig ist und weshalb Zusammenhalt und persönliches Engagement jetzt wichtiger werden.

Kürzlich saß ich mit einigen meiner Kollegen aus dem Diabetes-Team im Pausenraum. Irgendwie waren wir alle nicht gut drauf und fragten uns: warum eigentlich? Warum ist die Grundstimmung kategorisch mies?

Natürlich kamen der Personalmangel, die hohe Belastung, die Ausfälle durch Corona und die allgemeine Stimmung zur Sprache. “Da gibt es nicht das eine Problem allein”, meinte unsere Oberschwester, “sondern es ist ein Sammelsurium aus vielen Problemen und natürlich aus den gesamten gesellschaftlichen Veränderungen.” “Genau”, fügte unser Psychologe hinzu. “Bislang kannte unsere Gesellschaft nur eine Richtung, nach oben. Immer höher, immer schneller, immer weiter, immer mehr! Jetzt lehren uns die Pandemie, der Krieg in Europa und natürlich auch der Klimawandel, dass es auch andere Richtungen gibt, z. B. die nach unten.”

Da hatten meine Kollegen natürlich recht. Persönlich bin ich nur der Meinung, dass das ganz viele Menschen in unserem Land noch nicht verstanden haben oder nicht verstehen wollen. Sie erwarten, dass alles so weitergeht wie bisher – und wenn es nicht läuft, wird sich schon jemand finden, der das ausgleicht. Nur sind auch die Möglichkeiten in unserem Sozialstaat begrenzt. Wir sehen das täglich in der Klinik.

Deswegen sind wir alle jetzt aufgefordert, die aktuelle Situation anzunehmen und zwar in aller Konsequenz. Fragt also nicht, was der Staat für uns tun kann, sondern packt selbst an! Jeder muss für sich, aber auch für die Mitmenschen seinen Betrag leisten, um aus der Krise zu kommen. Das ist zumindest meine Meinung.

“Gemeinsam werden wir das schon schaffen”, meinte unsere junge Lernschwester und lächelte sogar dabei. Das hat mich wirklich überrascht, dass ein so junger Mensch heute doch noch an die Gemeinschaft glaubt. Denn es ist natürlich falsch zu meinen, dass, wenn jeder an sich selbst denkt, an alle gedacht ist. Nur im Team können wir unsere Aufgaben erfüllen und da heißt es eben für alle anpacken, so, wie wir es auch in der Vergangenheit getan haben, um Krisen zu überwinden. Das gilt nicht nur für die Kollegen in unserer Diabetes-Klinik, sondern auch für die Menschen im ganzen Land. Bleibt nur zu hoffen, dass das am Ende auch alle kapieren. Der allgemeinen Stimmung wäre eine solche Denkart sicher zuträglich, oder?

Das Team für den guten Schluss: Dr. Hans Langer arbeitet als Arzt in einer Diabetesklinik, Jana Einser hat schon seit Kindertagen Typ-1-Diabetes und Alex Adabei hat viele Bekannte und Verwandte mit Typ-2-Diabetes. Sie schreiben abwechselnd für diese Kolumne.


von Dr. Hans Langer

Dr. Hans Langer war ein fiktiver Charakter im Rahmen der Kolumne „Zum guten Schluss“, die von 2013 bis 2024 im Diabetes-Journal erschienen ist. Hinter der Rolle als Arzt in einer Diabetes-Klinik, der aus seinem Berufsleben berichtete, steckte ein echter Mensch, mit ähnlichem Hintergrund.

Erschienen in: Diabetes-Journal, 2022; 71 (9) Seite 82

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  • thomas55 postete ein Update vor 3 Wochen

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße

  • lena-schmidt hat eine Umfrage erstellt vor 1 Monat

    Reminder: Das nächste Community-Meetup findet am 15. Juli statt!
    Den Link und weitere Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juli/

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