Nichts muss ich…

3 Minuten

Community-Beitrag
Nichts muss ich…

Kennt ihr das? Es gibt Themen, die beschäftigen einen, verschwinden und tauchen eines Tages wieder auf. So geht es mir gerade und ich möchte versuchen, meine Gedanken hier in ein paar Zeilen wiederzugeben.

6 Jahre ist es nun schon her, dass ich die Diagnose Typ-1-Diabetes bekommen habe. Damals war ich sehr unwissend, das ist ja ganz normal. Die Diagnose war ein großer Schock für mich und ich musste erstmal alleine damit klarkommen. Aber nein, das reicht nicht. Von außen bekam ich Sätze zu hören wie: „Du musst einfach ganz viel Sport machen und dich gesund ernähren, dann geht das wieder weg“, „Jetzt hab dich nicht so“, „Ist doch alles halb so schlimm, immerhin darfst du essen, wenn du im Unterzucker bist“, „Darfst du Zucker essen, ich meine, du hast doch Diabetes?“. Ich sage euch eins: Das tat weh! Ich war frische Patientin, ich hatte keine Kraft, all das zu beantworten.

Warum?

Warum? In diesen Momenten habe ich mich nur das gefragt. Fragen die Leute, weil sie sich Sorgen machen? Oder fragen sie, weil sie tatsächlich mit ihrem Schein-Wissen angeben wollen? Ich weiß es nicht. Es hat mich fertiggemacht, weil ich weder wusste, was genau in meinem Körper jetzt passiert oder eben auch nicht, noch wusste ich, was ich darf und was nicht. Ich wusste, dass alles neu war und mich überforderte.

Es hat lange, sehr lange gedauert, bis ich (ohne eine Träne verdrücken zu müssen) ein normales Gespräch über meinen Diabetes führen konnte. Jedes Mal, wenn mich jemand darauf angesprochen hat, bin ich in Tränen ausgebrochen. Ich wusste in dem Moment nichts mehr. Ich hatte das Gefühl, ich müsse Frage und Antwort stehen und alles zu 100% beantworten. Es war eine schwierige Zeit.

Quelle: Pixabay

Fragen und Rechtfertigungen

Ja, ich bin die Betroffene. In den letzten 6 Jahren habe ich viel gelernt und ich weiß, was ich tun muss, wenn…

  • ich anfange zu zittern,
  • meine Werte dauerhaft zu hoch sind,
  • ich unendlich viel Durst habe…

und ich weiß auch, dass, wenn mein CGM Alarm gibt, ich etwas essen soll. Mache ich auch. Dass es dann nochmal Alarm von sich gibt, weil der Zucker nicht so schnell ansteigt, ist auch normal. Ich denke auch, dass es okay ist, im Unterzucker mal zickig zu sein oder gerade mal keine Hilfe zu benötigen. Wenn dann aber ständig kommt „Divya, iss was“, „Divya, hast du etwa Unterzucker?“, „Hast du alles im Griff?“, kommt es durchaus vor, dass ich mal wütend werde und mich nicht unter Kontrolle habe. Ist das denn schlimm? Muss ich mich danach immer rechtfertigen oder erklären? Ja, es ist anstregend. Ja, ich wünschte auch, es würde immer alles glattlaufen, und jaaaa, du hast recht, dass ich im Unterzucker bin, und nein, ich brauche deine Hilfe jetzt gerade nicht. Ständig muss man Fragen beantworten. Puuuuh.

Bin ich ein schlechter Mensch?

Ich versuche, immer rücksichtsvoll zu sein, aber manchmal überkommen mich meine Emotionen – es tut mir dann auch leid. Schwierig wird es dann, wenn ich im Nachhinein alles auf mich schiebe und mich als schlechten Menschen darstelle, weil ich jetzt eben die Person angezickt habe oder sonst blöd angegangen bin.

Könnt ihr, die nicht davon betroffen sind, euch vorstellen, wie es mir geht? Und an die Betroffenen: Geht es euch auch so? Erzählt mal, wie ihr damit umgeht.

Dieser Beitrag ist jedoch kein Vorwurf an euch, die uns Diabetikern helfen, wenn der Alarm klingelt oder es uns nicht gut geht. Danke, dass ihr da seid und euch die Zeit nehmt, uns und unsere Krankheit/Einschränkung kennenzulernen. Habt Verständnis, dass es manchmal einfach der falsche Zeitpunkt ist oder auch, wenn ihr helfen wollt, eure Hilfe nicht gebraucht/gewollt wird.

DANKE

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  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 5 Stunden

    @calvin240
    Ich hätte eine Frage zum
    Bestellablauf und deinen Erfahrungen mit Medtrum. Könnte ich dich auch „privat“ anschreiben? Wenn du vielleicht meine Freundschaftsanfrage annimmst? Gruß Ute

  • Bin neu hier. Typ2. Meine Werte verschlechtern sich obwohl ich nicht anders esse und mehr Bewegung eingebaut habe. Denke Stress ist hier das Hauptthema. Pflegebedürftige Mutter und Sohn steht im Stastsexsmen. Habe seit Jahren auch Depressionen und Panikattacken. Bin verzweifelt.

    • Liebe @123novesia, willkommen in unserer Community. Es tut mir sehr leid zu lesen, wie viel gerade auf deinen Schultern liegt. Die Sorge um deine Mutter, der Stress rund um das Staats­examen deines Sohnes und dazu Depressionen und Panikattacken. Dass dich das erschöpft und verzweifelt macht, ist sehr verständlich.
      Bitte mach dir keine Vorwürfe: Verschlechterte Werte bedeuten nicht automatisch, dass du etwas falsch machst. Stress und psychische Belastungen können den Blutzucker beeinflussen. Trotzdem wäre es wichtig, die Veränderungen zeitnah mit deiner Diabetespraxis oder deiner Hausärztin/deinem Hausarzt zu besprechen, damit auch andere Ursachen ausgeschlossen und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden kann.
      Du musst das alles nicht allein tragen. Vielleicht gibt es für deine Mutter Unterstützung durch Angehörige, einen Pflegestützpunkt oder einen ambulanten Dienst. Und auch für dich wäre jetzt Unterstützung wichtig – durch deine behandelnde Praxis oder eine psychotherapeutische/psychiatrische Anlaufstelle. Auch hier findest du vielleicht noch Halt und Unterstützung aus unserer Community. Alles Gute und pass auf dich auf. Liebe Grüße Lena

  • jseiffert postete ein Update vor 1 Woche, 4 Tagen

    Hallo zusammen,
    heute findet unser nächstes Community-MeetUp via Teams statt.
    Alle Infos gibt es hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-september-26
    Wir freuen uns auf Euch! 🙂