Plakat-Motiv der Hamburger Polizei sorgt für Empörung

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© Fotolia – DDRockstar
Plakat-Motiv der Hamburger Polizei sorgt für Empörung

Da hat die Polizei Hamburg über das Ziel hinausgeschossen: In einem Plakat-Motiv brachte sie Insulin-Injektionen mit Heroin-Konsum in eine direkte Verbindung – Bürger sollten es bei der Polizei melden, wenn sie Menschen beim Injizieren beobachten, die könne dann klären, um was es sich handelt. Nach heftiger Kritik und einer Anfrage der Diabetes-Journal-Redaktion hat die Behörde das Motiv nun umgehend zurückgezogen.

Ein neues Plakat-Motiv im Rahmen der Öffentlichkeitskampagne „In Hamburg schaut man hin“ der Polizei Hamburg hat für große Aufregung in den sozialen Medien gesorgt: Auf dem Plakat ist eine Person auf einer Bank sitzend zu sehen, neben der eine medizinische Spritze liegt. Darüber prangt in großer Lettern „Insulin oder Heroin?“ und in etwas kleiner Schrift darunter „Geh auf Nr. sicher, ruf die Polizei.“

Nachdem das Motiv nun gestern Nachmittag von der Polizei Hamburg via Facebook verbreitet und damit der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hagelte es – verständlicherweise – umgehend Empörung und scharfe Kritik.

Heftige Kritik aus der Diabetes-Community

Tine Trommer, Diabetes-Journal-Kolumnistin („diabetes and the city“) und Bloggerin (www.icaneateverything.com) twitterte daraufhin:

„Ist das echt euer Ernst, @PolizeiHamburg??? es trauen sich eh schon nicht alle mit Diabetes, sich öffentlich Insulin zu spritzen. Unter anderem genau wegen sowas! Dabei ist es wichtig, die Vorurteile die Menschen gegenüber Diabetes haben aus der Welt zu schaffen & ihr tragt stattdessen weiter zu unserer Diskriminierung bei?“.

Ilka Gdanietz (mein-diabetes-blog.com), merkte auf Facebook u.a. an, dass Insulin hierzulande mittlerweile ausschließlich in speziellen Pens injiziert wird, die sich sehr von einfachen medizinischen Spritzen unterscheiden lassen:

„Liebe Polizei Hamburg Ich schätze eure Arbeit wirklich sehr, aber das ist ein super Fail!!! Vielleicht mal als kleine Aufklärung: Insulin ist für uns Menschen mit Diabetes lebensnotwendig. Für viele Menschen mit Diabetes, egal ob Typ-1 oder Typ-2 Diabetes, ist es schon schwierig genug in der Öffentlichkeit zu dieser Erkrankung zu stehen, da sie leider noch immer mit sehr viel Vorurteilen behaftet ist, die durch die Medien und Posts wie diese verstärkt werden. Und nur mal so nebenbei: Insulin wird, zumindest in Deutschland, bereits seit Jahren nicht mehr mit einer Spritze injiziert, sondern mit sogenannten Insulin Pens (oder Insulinpumpen), die aussehen wie große Kugelschreiber/Füllfederhalter […].
Ein wenig mehr Recherche über Insulin Therapie und das Thema Diabetes hätte ich ehrlich gesagt schon von euch erwartet bevor ihr mit so einem Post an die Öffentlichkeit geht. Wie wäre es mir ein wenig Aufklärungsarbeit? Wie sieht eine Heroin Spritze aus, wie sieht ein Insulin Pen aus? Biete gerne meine Hilfe an.
Ansonsten, ihr macht einen tollen Job!“

Und Stephanie Haak (Pep Me Up – Diabetes-Blog) wandte sich ebenfalls per Facebook-Post an die Sicherheitsbehörde der Hansestadt:

„Liebe Polizei Hamburg, das Leben mit Diabetes ist echt nicht leicht, manchmal sogar richtig scheiße. Vor 100 Jahren war die Diagnose noch ein Todesurteil. Aber heute hält uns Insulin am Leben.
Ohne Insulin würde ich sterben – so einfach ist das. Neben der physischen und mentalen Last dieser Krankheit an sich erleben Menschen mit Diabetes so oder so schon ein hohes Maß an Diskriminierung und Stigmatisierung innerhalb unserer Gesellschaft. Das letzte, was wir von euch brauchen, ist dass ihr besorgte Bürger*innen nun auf uns hetzt. Die Situation, die ihr damit heraufbeschwört, ist vielen von uns schon passiert: Von Mitmenschen und der Polizei dafür belästigt zu werden, dass wir einfach nur am Leben bleiben wollen. Wollt ihr, dass wir uns wegen solcher Kampagnen verstecken oder gar unsere Gesundheit vernachlässigen?
Schämt euch, zieht dieses Kampagnenmotiv zurück und entschuldigt euch bei Menschen mit Diabetes, die ihr hiermit ins Kreuzfeuer zieht.Auch wenn der Kontrast zwischen Insulin und Heroin euch auf den ersten Blick sinnvoll erschienen haben mag, vergesst ihr den Respekt vor den Menschen – sowohl vor Menschen mit Suchtproblemen, als auch vor Menschen mit Diabetes.
Eine Person mit Diabetes“

Polizei Hamburg zieht das Motiv zurück

Heute Vormittag haben wir die Polizei Hamburg um eine Stellungnahme gebeten und nachgefragt, ob an dem Plakat-Motiv festgehalten wird:

„Sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre obenstehende Plakat-Kampagne sorgt derzeit bundesweit für Aufregung, wie Sie vielleicht mitbekommen haben. Denken Sie vielleicht daran, das Motiv zurückzuziehen? Wir selbst als Verbandsorgan sämtlicher großer Diabetes-Verbände in Deutschland werden uns zunächst nicht an der Weiterverbreitung des Motivs bzw. an der massiven Kritik desselben beteiligen. Vielleicht könnten wir aber dazu beitragen, eine versöhnliche Botschaft an die Menschen mit Diabetes in Deutschland zu verbreiten. Was war Ihre Intention? Sehen Sie, dass das Ziel doch verfehlt wurde und man Menschen vor den Kopf stößt? Ich würde mich freuen über eine Stellungnahme.
Mit freundlichen Grüßen aus Mainz
Günter Nuber
Diabetes-Journal-Chefredaktion“

In ihrer Antwort teilte die Polizei Hamburg nun mit, dass man das Motiv zurückziehen werde:

„Vielen Dank für Ihre Email. Gern möchte ich Ihnen dazu eine Antwort übersenden.
Aktuell erreichen uns tatsächlich viele Kommentare zum Plakatmotiv „INSULIN oder HEROIN“. Uns wird mangelndes Feingefühl im Umgang mit Menschen vorgeworfen, die sich krankheitsbedingt Insulin spritzen müssen.
Das Plakat „INSULIN oder HEROIN“ ist im Kontext der Öffentlichkeitskampagne „in Hamburg schaut man hin“ und der damit verbundenen Reihe von Plakaten zu verstehen, die den Betrachter animieren soll, hinzusehen und bei verdächtigen Wahrnehmungen die Polizei zu rufen.
Eine Stigmatisierung von Insulinpflichtigen, wie sie einige Nutzer vermuten, war ausdrücklich nicht unsere Intention.
Wie bei anderen Plakatmotiven zu den Themen Einbruch, Gewalt, KFZ-Aufbruch oder Trickdiebstahl möchten wir lediglich dazu anregen, hinzusehen, auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen und ggf. Hilfe zu leisten oder uns zu alarmieren. Wenn bei der anschließenden Überprüfung herauskommt, dass das Bauchgefühl falsch war, erwarten weder den Anrufer noch den Kontrollierten Kosten.
Werbung darf für Aufmerksamkeit sorgen, sollte aber niemanden verletzen. Nachdem uns inzwischen mehrere Menschen ihr Missfallen des Motivs widergespiegelt haben, reagieren wir auf diese Kritik und ziehen dieses Motiv zurück.“



Redaktion Diabetes-Journal

Kirchheim-Verlag, Wilhelm-Theodor-Römheld-Straße 14, 55130 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-journal.de

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  • florahdo postete ein Update vor 5 Tagen, 8 Stunden

    Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!

    Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB

    Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂

  • mr postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.

    • Hallo mr,

      Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.

      Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.

      Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.

      Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?

  • moira postete ein Update vor 1 Woche

    Hallo!
    Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
    Ich wüsste gerne wie gut das klappt.