- Behandlung
Doppel-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen: Wenn Typ-1- und Typ-2-Diabetes zusammentreffen
3 Minuten

Lange Zeit galten Typ-1- und Typ-2-Diabetes als zwei klar voneinander getrennte Erkrankungen. Doch in den vergangenen Jahren zeigt sich auch bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger ein Phänomen, das beide Krankheitsbilder miteinander verbindet: der Doppel-Diabetes.
Während Typ-1-Diabetes durch eine Autoimmun-Reaktion entsteht, bei der die Insulin-produzierenden Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört werden, entwickelt sich Typ-2-Diabetes vor allem infolge einer Insulin-Resistenz, bei der das körpereigene Insulin nicht mehr so stark wirkt.
Von Doppel-Diabetes spricht man typischerweise, wenn Menschen mit Typ-1-Diabetes zusätzlich Merkmale eines Metabolischen Syndroms entwickeln. Dazu zählen ein auf das Körpergewicht bezogen deutlich erhöhter Insulin-Bedarf, Übergewicht oder Adipositas, Bluthochdruck oder eine Fettstoffwechsel-Störung. Gerade bei Kindern und Jugendlichen gewinnt der Doppel-Diabetes zunehmend an Bedeutung.
Wie ein Doppel-Diabetes entstehen kann
Das Entstehen einer Insulin-Resistenz bei Typ-1-Diabetes ist komplex und wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Zum einen spielt der Lebensstil eine Rolle. Bewegungsmangel, schlechter Schlaf und insbesondere Übergewicht können eine Insulin-Resistenz und damit Typ-2-Diabetes begünstigen. Eine Studie aus dem Jahr 2014 zeigt, dass bei Kindern und Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes, die in der Deutschen Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV) registriert waren, 12,5 Prozent übergewichtig und sogar 2,8 Prozent adipös waren.
Aber auch die Art der Insulin-Gabe könnte zur Insulin-Resistenz beitragen. Denn beim Typ-1-Diabetes gelangt das Insulin im Gegensatz zu körpereigenem Insulin nicht zuerst zur Leber, sondern durch die Gabe über das Unterhautfettgewebe verstärkt in den übrigen Körperkreislauf.
Zudem führen in der Pubertät Wachstums- und Sexualhormone vorübergehend zu einer Insulin-Resistenz. All diese Faktoren können also dazu beitragen, dass der Körper mehr Insulin benötigt, um den Glukosewert im Zielbereich zu halten. Insgesamt fehlen ausreichend Studien-Daten, um die Gründe für eine Insulin-Resistenz bei Typ-1-Diabetes genau festlegen zu können.
Doppel-Diabetes kann auch auftreten, wenn Personen mit Typ-2-Diabetes im Laufe ihres Lebens einen Typ-1-Diabetes entwickeln. Hierzu gibt es allerdings nur wenige Daten.
Die richtige Behandlung
Die Basis der Behandlung beim Doppel-Diabetes ist die Insulin-Therapie. Gleichzeitig rücken Maßnahmen zur Verbesserung der Insulin-Empfindlichkeit stärker in den Mittelpunkt.
Regelmäßige körperliche Aktivität gehört zu den wirksamsten Möglichkeiten, die Insulin-Resistenz zu senken. Die Weltgesundheits-Organisation (World Health Organization, WHO) empfiehlt für Kinder und Jugendliche von fünf bis 17 Jahren durchschnittlich mindestens 60 Minuten körperliche Aktivität pro Tag.
Einfache Tipps können im Alltag zu mehr Bewegung führen, z. B. Treppen-Steigen statt Aufzug-Fahren, beim Bus-Fahren eine Station früher aussteigen und den Rest des Weges zu Fuß gehen usw. Unterzuckerungen (Hypoglykämien) während des Sports können den Gewichtsverlust jedoch verhindern, da Kohlenhydrate zur Behandlung notwendig sind. Das kann die Motivation verringern. Daher ist es wichtig, mit dem behandelnden Diabetes-Team Strategien für die Insulin-Therapie beim Sport auszuarbeiten.
Ebenso wichtig ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Vollkorn-Produkten, hochwertigen Eiweiß-Quellen, gesunden Fetten und energiefreien Getränken. Strenge Diäten sind für Kinder und Jugendliche nicht geeignet. Stattdessen sollte das Ziel eine langfristig gesunde Lebensweise für die gesamte Familie sein.
Medikamente, die nützlich sein könnten
Immer wieder wird diskutiert, ob beim Doppel-Diabetes zusätzlich zur Insulin-Therapie Medikamente eingesetzt werden könnten, die für Typ-2-Diabetes entwickelt wurden. Studien zeigen, dass Metformin in Einzelfällen die Insulin-Empfindlichkeit verbessern und den Insulin-Bedarf senken kann. GLP-1-Rezeptor-Agonisten, wie Semaglutid und Tirzepatid, zeigen in Studien auch bei Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Verbesserung des HbA1c-Werts und eine Steigerung der Zeit im Zielbereich (Time in Range, TIR).
Gleichzeitig benötigten viele Behandelte weniger Insulin, besonders zu den Mahlzeiten. Auch Blutdruck, Blutfettwerte und weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf- und Nieren-Erkrankungen können sich mit dieser zusätzlichen Therapie günstig entwickeln. Beim Einsatz von GLP-1-Rezeptor-Agonisten muss die Insulindosis engmaschig kontrolliert werden, da Unterzuckerungen auftreten können.
Bislang ist jedoch keines dieser Arzneimittel für die Behandlung bei Typ-1- bzw. Doppel-Diabetes zugelassen. Patienten müssen besonders gründlich und nachweisbar über die Risiken, fehlende Zulassungen und Alternativen aufgeklärt werden.
Blick in die Zukunft
Doppel-Diabetes ist kein eigenständiger Diabetes-Typ, sondern bezeichnet das Zusammentreffen einer Autoimmun-Erkrankung mit einer Insulin-Resistenz. Mit der zunehmenden Zahl übergewichtiger Kinder wird dieses Krankheitsbild voraussichtlich häufiger auftreten. Umso wichtiger sind ein frühes Erkennen der Erkrankungen und ein ganzheitlicher Behandlungsansatz. Die moderne Diabetologie betrachtet daher nicht mehr ausschließlich den Blutzucker. Ebenso entscheidend sind körperliche Aktivität, Ernährung, psychische Gesundheit und das Vorbeugen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
von Sarah Obst
Erschienen in: Diabetes-Anker, 2026; 75 (10) Seite 18-19
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung

14 Minuten
- Behandlung

4 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
florahdo postete ein Update vor 5 Tagen, 1 Stunde
Hallo zusammen, ich arbeite gerade an einer Seminararbeit zum Thema „Die Behandlung von Typ-1-Diabetes mit CRISPR/Cas“ (eine Methode der Gentechnik). Dazu habe ich eine Umfrage erstellt und suche dafür Menschen mit Typ-1-Diabetes, die einige Fragen beantworten könnten zu ihrer Einstellung gegenüber dem Einsatz dieser Technologie zur Behandlung von Typ-1-Diabetes. Die Umfrage ist vollständig anonym und dauert etwa 5 Minuten, sie richtet sich ausschließlich an Menschen mit Typ-1-Diabetes. Es würde mir enorm weiterhelfen, wenn sich Teilnehmer finden würden!
Der Link zur Umfrage lautet: https://forms.cloud.microsoft/r/PN2hqhkuLB
Vielen Dank für eure Unterstützung! 🙂
mr postete ein Update vor 1 Woche
Hallo kann mir jemand einen Tipp geben wie ich On Pot Gerichte mit Reis besser schätzen kann.
- katrin-kraatz antwortete vor 2 Tagen, 8 Stunden
Hallo mr,
Dein Problem, die Kohlenhydrate wie Reis in einem One-Pot-Gericht richtig einzuschätzen, vor allem wenn es für mehrere Personen gekocht ist oder Du es im Restaurant bestellst, kennen sicher viele – ich auch. Einfacher ist es, wenn Du nur für Dich kochst. Ich wiege tatsächlich, trotz mehr als 50 Jahren Diabetes, in diesem Fall vorher Reis, Nudeln oder was auch immer vorher ab. Dann weiß ich genau, wie viel es ist.
Ansonsten heißt es: Augenmaß! Gut ist, immer wieder mal eine bestimmte Menge Reis abzuwiegen und zu kochen (mache ich so). Dann sieht man die Menge und bekommt ein besseres Gefühl für die Menge beim Schätzen. Natürlich verteilt sich gerade Reis sehr gut zwischen den anderen Zutaten, aber ob es “viel” oder “wenig” ist, kann man meist erkennen.
Sinnvoll finde ich außerdem (und nicht nur ich), gerade bei eher schwierig einzuschätzenden Kohlenhydratmengen die Insulindosis eher zu gering anzusetzen und lieber später höhere Werte zu korrigieren oder – falls ein AID-System im Einsatz ist – dieses seinen Job machen zu lassen. Denn eine Hypo direkt nach dem Essen finde ich deutlich weniger angenehm.
Eine Patentlösung gibt es also nicht. Vielleicht helfen Dir die Tipps trotzdem etwas?
moira postete ein Update vor 1 Woche
Hallo!
Hat schon jemand die liberal Funktion bei der ypsopump app ausprobiert?
Ich wüsste gerne wie gut das klappt.- moira antwortete vor 6 Tagen, 16 Stunden
Ich meinte Liberty



