Wichtiger erster Schritt

2 Minuten

Wichtiger erster Schritt

Auf dem Weg zu einer nationalen Diabetes-Strategie wird im neuen Jahr ein erster Schrit vollzogen: der Aufbau einer Diabetes-Surveillance. Fachgesellschaften begrüßen dies, mahnen aber an, dass dies erst der Anfang sein dürfe.

Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe sehen in dem geplanten Nationalen Diabetes-Überwachungssystem ein wichtiges Instrument auf dem Weg zu einer Nationalen Diabetes Strategie. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hatte im Dezember angekündigt, am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin eine Nationale Diabetes Surveillance (indikatorgestütztes periodisches Berichtswesen) einzurichten.

DDG und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe wurden von Beginn an in den Aufbau involviert und begrüßen die Entwicklung, verweisen aber darauf, dass allein die Einrichtung eines Nationalen Überwachungssystems noch keine Verbesserung der Versorgungslage und der Präventionsmaßnahmen impliziert. Es fehlt nach wie vor die Formulierung konkreter Maßnahmen einer Nationalen Diabetes Strategie.

Verlässliche datengestützte Entscheidungsgrundlage

Nach der Ankündigung des Gesundheitsministeriums soll das Diabetes-Überwachungssystem eine verlässliche datengestützte Entscheidungsgrundlage für weitere gesundheitspolitische Maßnahmen erarbeiten. DDG und diabetesDE begrüßen dieses Vorhaben ausdrücklich. “Die Ankündigung zeigt, dass die Bedeutung der Diabetes-Epidemie in der Politik angekommen ist”, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE.

Professor Dr. med. Jochen Seufert, Sprecher der Kommission Versorgungsforschung und Register der DDG, ergänzt: “Es ist wichtig, alle verfügbaren Datenquellen zu nutzen, um Erkrankungsverläufe und deren Behandlung lückenlos zu erfassen und auszuwerten”. “So können nicht nur Versorgungsstrukturen optimiert, sondern auch effektive Präventionsstrategien entwickelt werden.”

Diabetes-Register-Konferenz bereits im April 2015

Die Kommission Versorgungsforschung und Register, die sich aus neun Mitgliedern beider Diabetesorganisationen und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) zusammensetzt, bringt ihre Expertise in das neue Nationale Diabetes-Überwachungssystem ein.

So hatte im April 2015 bereits die erste Diabetes-Register-Konferenz in Berlin stattgefunden, an der auch Repräsentanten des Bundesgesundheitsministeriums, des RKI sowie Experten zahlreicher Diabetesregister und Datensammlungen in Deutschland beteiligt waren. Eine zweite Konferenz, auf der das Projekt “Nationale Diabetes Surveillance” weiterentwickelt wurde, richtete das RKI am 17. November 2015 in Berlin aus.

Noch keine direkte Verbesserung der Versorgung

Nach Ansicht der Fachgesellschaften kann die Einrichtung des neuen Überwachungssystems nur eine erste Maßnahme einer Nationalen Diabetes Strategie sein. “Eine Diabetes Surveillance ist noch kein Nationales Diabetesregister und impliziert noch keine direkte Verbesserung der Versorgung, sondern ist zunächst nur eine Verbesserung der Datenlage.”, so Prof. Seufert.

Und Prof. Danne ergänzt: “Angesichts der Tatsache, dass ca. 80 Prozent der vorzeitigen Todesfälle auf die nichtübertragbare Krankheiten zurückzuführen sind, benötigen wir zusätzlich zur Diabetes-Strategie dringend eine Präventionsstrategie, die bei mehreren Erkrankungen gleichzeitig greift.” Viele nichtübertragbare chronische Krankheiten wie Krebs und Herzkreislauferkrankungen seien mit den gleichen Risikofaktoren wie Diabetes und Adipositas verbunden – ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Armut.

Mit einer Nationalen Diabetes Strategie und einer Präventionsstrategie käme Deutschland auch dem UN-Ziel ein Stück näher, die Sterblichkeit bei den nichtübertragbaren Krankheiten bis 2030 um ein Drittel zu senken.

Vier Forderungen

Um dieses Ziel zu erreichen, plädieren DDG und diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe zusammen mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) dafür, vier Forderungen umzusetzen:

  • Täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Schule und Kindergarten,
  • Besteuerung adipogener Lebensmittel bei gleichzeitiger Entlastung gesunder Lebensmittel (Zucker-Fett-Steuer),
  • Verbindliche Qualitätsstandards für die Kindergarten- und Schulverpflegung
  • Verbot von an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel.

In Deutschland sind 6,7 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt, 95 Prozent davon an Diabetes Typ 2. Die Dunkelziffer ist hoch: ein bis zwei Millionen sind an Diabetes erkrankt, wissen aber nichts davon – Tendenz steigend.


Quelle: Pressemitteilung der Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Ähnliche Beiträge

Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht
Kohlenhydrate einschätzen, Insulin berechnen, Bolus abgeben – und das bei jeder Mahlzeit. Für Menschen mit Typ-1-Diabetes gehört diese Routine trotz moderner Diabetestechnik weiterhin zum Alltag. Gerade beim Essen im Restaurant, auf Reisen oder bei einem spontanen Snack kann das zusätzliche Aufmerksamkeit erfordern. Eine neue Funktion innerhalb der CamAPS FX App setzt genau hier an.
Typ-1-Diabetes: Wenn der Bolus nicht mehr im Mittelpunkt steht | Foto: mylife Diabetes Care

2 Minuten

Anzeige
Apotheker Manfred Krüger im Interview: Probleme erkennen und lösen
Der Apotheker Manfred Krüger aus Krefeld gehört seit Jahrzehnten wie ein stabiler Anker in die Diabetes-Szene. Für ihn ging und geht es immer um die Menschen, die Hilfe bei ihm suchen – und sie bekommen. Im Interview berichtet er über sein Engagement.
Apotheker Manfred Krüger im Interview: Probleme erkennen und lösen | Foto: Dirk Deckbar

14 Minuten

Diabetes-Anker-Newsletter

Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.

Hinweise zum Datenschutz

Über uns

Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist ein umfassendes Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.

Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?

Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.

Werde Teil unserer Community
Folge uns auf unseren Social-Media-Kanälen
Community-Feed
Zur Community
  • Hallo Zusammen!
    Ich bin ein T3er und freue mich Gleichbetroffene zwecks Erfahrungsaustausch zu finden. Bin im Frankfurter Raum, aber auch im Heidelberger Raum unterwegs.
    Liebe Grüße
    Oliver

  • zojou96 postete ein Update vor 1 Tag, 5 Stunden

    Hallo, ich bin DT1 und trage seit etwa 1 Jahr eine Omnipod-Pumpe. Letztere löst seit mehrere Monaten eine Hautallergie an der Platzierungsstelle aus. Ich habe es bereits mit dem Cavillon-Spray und Pflastern (derzeit Omnifix von Hartmann und Unterpatch von My Sweet Stitch) für empfindliche Haut unter dem Pod probiert. Es hilft aber leider nicht oder nur bedingt, da auch mit Spray die Allergie ausgelöst wird und die Schutzpflaster nicht lange haften. Hat jemand vielleicht eine ähnliche Erfahrung gemacht und eine gute Lösung gefunden? Ich würde gerne weiterhin eine Pumpe tragen, wäre aber auch bereit das Modell zu wechseln, wenn es das Problem mit der Allergie löst. Ich bin um jeden Rat dankbar. Vielen Dank im Voraus 🙂

  • darktear postete ein Update vor 1 Tag, 20 Stunden

    Hallo,

    hat irgendwer der den Libre3 benutzt auch so massive Probleme ?
    Mein Kind hat ständig Ärger mit seinen Sensoren,selten wo mal einer durchhält. Entweder dauernd Sensorfehler oder ein neuer Sensor sitzt und nach kurzer Zeit kommt bitte neuen Sensor starten.
    Das kann ja nicht sein,ich hab selten mal einen Sensorfehler.
    Als ich das letzte mal bei denen angerufen hatte ,meinte dieser “sehr freundliche” Mitarbeiter nur es kann nicht sein das die so viele Fehler haben,es gab keinen Ersatz.
    Müßen wir jetzt ernsthaft selber Sensoren bezahlen?
    Weil bis der Nachschub kommt dauert es noch 🙁

    LG Sandra

    • Nun, ich weiß nicht, was ihr alles probiert habt. Aber Handyneustart, Bluetooth neu aktivieren, Akku muss genug Kapazität haben. Vielleicht ist der Sensor auch locker, Schweiss hat auch immer bei mir Schwierigkeiten gemacht (wird beim Kind nicht sein).
      Gruß Oliver