Diabetes digital

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Diabetes digital

Es gibt heute quasi für alles eine App, ein Forum oder Videos und Blogs. Viele davon helfen Diabetikern, ihren Alltag zu managen. Diabetiker-Foren im Internet und auf sozialen Plattformen. Apps mit Nährwertangaben für Lebensmittel. Digitale Diabetes-Tagebücher. Apps, die FGMs und CGMs unterstützen, und sogar führende Hersteller von Hilfsmitteln setzen auf Videoanleitungen für ihre Produkte. Inzwischen kann man die neusten CGMs sogar mit der Smartwatch koppeln. Ein Blick auf die Uhr reicht, und ich weiß über meinen Zuckerwert Bescheid.

Quelle: Picdrop

Die Vorteile

Ich muss schon sagen, ich genieße die Vorzüge dieser digitalen Revolution sehr.  Das fängt bei meinem FGM an. Mein Lesegerät für den FreeStyle Libre bleibt meistens zuhause. Denn ich scanne eigentlich nur noch über die Libre-Link-App.

Korrektur- oder BE-Faktor berechnen – wie geht das nochmal? Keine Ahnung, denn das macht mein OmniPod digital für mich. Wenn ihr mich nach meinem Korrektur- oder BE-Faktor fragt, kann ich ihn euch, um ehrlich zu sein, nicht nennen. Und wenn der PDM mal ausfällt, habe ich die Faktoren digital im Handy und auf dem PC gespeichert.

Kommt der digitale Super-GAU und liegt jedes elektronische Gerät brach, bin ich aufgeschmissen.

Für mich ist mit der Patch-Pumpe und vor allem mit dem FGM alles viel leichter. Die beiden Helferlein haben mich dabei unterstützt, meinen Diabetes wieder in die Bahn zu lenken. Es geht schneller. Es geht weniger kompliziert. Es geht ohne Stechen. Es geht ohne Kopfrechnen.

Heute verstehe ich nicht mehr, warum ich mich als Jugendliche so lange gegen eine Pumpe gewehrt habe.

Auch für meinen Diabetologen ist es leichter geworden. Früher war ich mit meinem Arzt dagesessen, und wir haben das Blutzucker-Tagebuch durchgeschaut. Zu hohe oder zu niedrige Werte mussten noch rausgelesen werden. Inzwischen können die Werte per App synchronisiert oder mit einem Programm ausgelesen werden. Meistens schlüsseln die Programme schon die Werte auf. Geben Tagesdurchschnitte und besonders kritische Werte an und verpacken alles schön in Grafiken.

Dank FGM sehe ich genau, wann meine Werte sich wie verändern und woran es liegen kann. Wenn ich morgens mit einem niedrigen Wert aufwache, kann ich dank dem FreeStyle Libre genau nachvollziehen, wann die Werte abgesunken sind, und dann in diesem Intervall z.B. die Basalrate ändern.

Social Media und der Diabetes

Auch die sozialen Medien sind ganz vorne dran, wenn es um den Diabetes geht. Probleme mit dem Diabetes? Kein Thema! Es gibt viele verschiedene Foren, in denen man sich mit anderen Diabetikern austauschen kann.

Man will eine neue Pumpe oder ein neues CGM/Messgerät? Okay – was sagt die Facebook-Community zum Wunschgerät?

Das neue Insulin führt zur Gewichtszunahme oder ist anscheinend nicht so wirksam? Wie geht es anderen Diabetikern damit?

Bei mir geht es momentan um die Beantragung des Eversense-Systems. Meiner Meinung nach hat dieses viele Vorteile, und ich war begeistert, wollte es UNBEDINGT haben. Naja. So lange, bis ich dann in einem Forum gelesen habe, dass der Transmitter jeden Tag aufgeladen werden müsse. Außerdem ist die Infektionsgefahr beim Einsetzen des Stäbchens natürlich nicht ganz ohne. Daran hatte ich vorher gar nicht gedacht. Das hat meine Euphorie ein bisschen gedämpftt.

Quelle: Picdrop

Wie war es eigentlich früher?

Gehen wir mal in die Zeit vor Insulinpumpe und FGM/CGM zurück: Wie hat man da seinen Diabetes gemanagt?

Erstmal wurden Insulindosen mit Korrektur- und BE-Faktoren selbst im Kopf berechnet. Man hatte grundsätzlich mindestens zwei Insuline. Ein Langzeit- und ein Kurzzeit-Insulin. Und wehe, man hat die beiden mal vertauscht. Die Nährwerttabelle war ein ständiger Begleiter. Man musste alles feinsäuberlich in ein Tagebuch eintragen. Welches Insulin verwendet werden soll, wurde vom Arzt vorgeschlagen. Ein Insulinwechsel kam nur bei schwerwiegenden Komplikationen in Frage. Man hat sich vielleicht noch mit anderen Diabetikern ausgetauscht, wie diese mit ihrer Therapie klarkommen, jedoch war nicht die große Resonanz der breiten Masse gegeben.

Es hat funktioniert. Keine Frage. Doch ich muss gestehen, dass meine Werte vor Pumpe und FGM wirklich katastrophal waren. Woran lag es? In meinem Fall, weil mir das alles einfach zu lästig, zu umständlich und zu unübersichtlich war.

Quelle: Picdrop

Was soll man dagegen tun?

Ich glaube, die grundsätzliche Frage ist erstmal: Will und muss man was dagegen tun? Ist diese digitale Vernetzung wirklich so schlecht?

Mein FGM und meine Pumpe machen mir das Leben so viel einfacher. Und ich bin komplett ehrlich, wenn ich sage, dass ich ohne nicht mehr klarkommen würde. Ich bin immer wieder erstaunt, dass mein Bruder und meine Mama ihren Diabetes noch „old school“ managen. Allerdings bin ich in diesem Haushalt die Diabetikerin mit dem besten HbA1c – vielleicht kommt das daher, dass mir mein Dia so viel leichter fällt und ich meine Werte besser nachvollziehen kann.

Wer sich nicht von anderen beeinflussen lassen möchte, der braucht keinen Foren oder Facebook-Gruppen beizutreten. Manchmal bin auch ich überrascht, was Menschen, die sich sicher hinter einem PC „verstecken“, von sich geben. Auf der anderen Seite können manche Anregungen auch sehr hilfreich sein.

Wichtig ist nur, dass ihr euch klarmacht, dass es hier um persönliche Einschätzungen und selten um fundierten medizinischen Rat geht. Wenn ihr wirklich schwerwiegende Probleme habt, verlasst euch lieber auf euer medizinisches Diabetesteam.

Und sind wir mal ganz ehrlich: Es ist schöner, sich von Angesicht zu Angesicht mit anderen Diabetikern auszutauschen als über den PC oder das Smartphone.

Gibt es Gefahren?

Natürlich gibt es immer Gefahren. Wer sich zu sehr auf seine digitalen Helferlein verlässt, der steht irgendwann ganz schön blöd da, wenn diese ausfallen. Deshalb ist es wichtig, die Daten zu sichern.

Habt immer Pens daheim. Auch Langzeitinsulin, ein Testgerät und Teststreifen – so seid ihr gerüstet, wenn ein Gerät mal ausfällt.

Können Pumpe, FGM und CGM gehackt werden? So ziemlich jedes digitale Gerät und vor allem die, die Anschluss an das Internet haben (Apps auf dem Smartphone), können irgendwie gehackt werden. Die Frage ist hier eher: Was bringt es jemandem, eure Geräte zu hacken?

Kritischer ist es dann schon, wenn es um Datenbanken von z.B. Herstellern geht. So kommen Hacker z.B. an eure Adressen, Kontodaten/Kreditkartendaten und E-Mail-Accounts. Diese Gefahr besteht jedoch für jeden, der irgendwie im World Wide Web unterwegs ist.

Quelle: Picdrop

Wie sieht die digitale Zukunft aus?

Das weiß wohl keiner. Man kann nur Vermutungen anstellen. Momentan ist das Closed-Loop-System in aller Munde. CGM und Pumpe kommunizieren digital miteinander, so dass man sich eigentlich keine Gedanken mehr über den Diabetes machen muss. Sozusagen eine digital ausgelagerte Bauchspeicheldrüse.

Statt sein Essen für Instagram und Facebook zu fotografieren, wäre es doch super, wenn eine App die BE-Anzahl anhand eines Fotos berechnen könnte. Bald wird man die ersten Pumpen bestimmt auch über das Smartphone steuern können.

Quelle: Picdrop

Wie auch immer die digitale Diabetes-Zukunft aussieht – die Forschung versucht, uns unser Leben mit der Krankheit leichter zu machen. Wer davon nicht so begeistert ist, der greift einfach auf die „alten“ Methoden zurück.

Wie’s früher war und welche Gerätschaften und Hilfsmittel es gab, um den Diabetes zu behandeln, erfahrt ihr, wenn ihr Antje auf ihrem Streifzug durch die Geschichte der Diabetestherapie begleitet. 

 

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  • moira postete ein Update vor 2 Wochen, 3 Tagen

    Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄

  • bloodychaos postete ein Update vor 3 Wochen, 3 Tagen

    Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.

    • ole-t1 antwortete vor 3 Wochen

      Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 4 Wochen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

    • Hi Thomas 🙂
      Ja genau für Bestandskunden bekommt man den Simplera leider nicht. Ich habe / hatte jetzt 8 Jahre lang die Pumpen von Medtronic. Aktuell hab ich die 780g noch bis Ende März, dann Wechsel ich zur Ypsopumpe.
      Ich war eigentlich immer zufrieden mit der Pumpe und den Sensoren. Doch seit gefühlt einem Jahr sind die Guardian 4 Sensoren so schlecht geworden. Ich war dauerhaft damit beschäftigt, einen Sensor nach dem anderen zu reklamieren. Die Sensoren hielten bei mir nur max. 4-5 Tage. Danach war Schluss. Verschiedene Setzstellen wurden getestet, auch der Transmitter wurde getauscht. Aber es half alles nichts.

      Jetzt werde ich wechseln. Den Simplera wollte ich dann einfach nicht noch länger abwarten. Denn Bestandskunden hatten da leider das nachsehen. Schade Medtronic!!!

    • @crismo: Ich habe mich nun auch für die Ypsopump entschieden. Ich wollte von medtronic Angebote für die 780 und den Simplera haben für die Krankenkasse zur Übernahme der Kosten. Ausserdem wollte ich eine Zusicherung haben, dass ich den Simplera überhaupt bekomme. Nach einer Woche kam das Angebot für die 780 per Post, von einem Angebot für den Simplera kein Wort. Ich bin privat versichert und muss an medtronic zahlen und dann eine Erstattung von der Krankenkasse beantragen. Weil der Simplera mehr als das Doppelte vom Libre kostet, wollte ich das der Krankenkasse vorher offenlegen. Dann habe ich eine Mail an medtronic geschrieben, nach 2 Wochen keine Reaktion. Dann habe ich mich für die Ypsopump entschieden. Das Angebot kam am nächsten Tag per Mail. Das ist für mich Service! Jetzt warte ich auf Zustimmung der Krankenkasse und dann Tschüss medtronic. Schade, ich finde die Pumpen (seit 12 Jahren genutzt) gut.

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