Druckmessstrumpf für Diabetiker

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© (AP Photo/Google)
Druckmessstrumpf für Diabetiker

Diabetiker haben häufig kein Empfinden in den Füßen, sie registrieren Druck- und Temperatursignale nicht. Die Folge: Unbemerkt entstehen Wunden, die sich zu Geschwüren auswachsen. Vielen Diabetes-Patienten müssen Zehen und Füße amputiert werden. Ein neuartiger Messstrumpf von Fraunhofer-Forschern soll künftig vor Wunden schützen. Das integrierte Sensorsystem warnt bei zu hoher Druckbelastung. Der Prototyp des Druckmessstrumpfs wird vom 19. bis 21. Mai auf der Messe SENSOR+TEST vorgestellt.

Patienten mit Diabetes leiden an den Füßen oftmals an Nerven- und Durchblutungsstörungen, ihr Schmerzempfinden ist herabgesetzt. Sie spüren im wahrsten Sinne des Wortes nicht, wenn sie der Schuh drückt. Bei gesunden Menschen sorgen die Nervenbahnen bei längerem Stehen dafür, dass sich das Gewicht automatisch von einem Fuß auf den anderen verlagert.

Diabetiker merken hingegen nicht, dass ihre Zehen, Fersen oder Ballen zu stark belastet werden. Der Fuß wird nicht entlastet, unbemerkt können Druckgeschwüre entstehen. Schon kleine unebene Stellen oder der Druck des Schuhs auf den Fuß können zu offenen Wunden oder Schädigungen am Gewebe führen.

Sensoren im Strumpf messen den Druck dreidimensional

Damit sich schlecht heilende Wunden gar nicht erst bilden, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg mit Unterstützung von Industriepartnern und Kollegen des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen einen Spezial-Strumpf mit integrierten Sensoren entwickelt. Insgesamt 40 sehr dünne, dielektrische Elastomersensoren messen die Druckbelastung und -verteilung bei Diabetes-Patienten und übernehmen so die Funktion der Nerven.

»Bisherige Systeme sind als Einlegesohlen auf dem Markt und messen nur die Druckverteilung an der Unterseite des Fußes. Unsere Sensoren sind an der Strumpfsohle, der Ferse, dem Fußspann und dem Knöchel angebracht und zeichnen die Signale daher dreidimensional auf. Das gibt es bislang noch nicht«, erläutert Dr. Bernhard Brunner, Wissenschaftler am ISC. Da sich das Messsystem kostengünstig in Serie herstellen lässt, soll es nicht mehr als 250 Euro kosten.

Elektronik überträgt Daten aufs Smartphone

Die Sensoren bestehen aus einer stark dehnbaren, weichen Elastomerfolie aus Silikon, die sich gut in Textilien integrieren lässt. Die Folie ist beidseitig mit hochflexiblen Elektroden aus Graphit oder Ruß beschichtet. Verformt sich die Folie durch Druck oder Dehnung, verringert sich ihre Dicke. Gleichzeitig vergrößert sich dabei die Fläche. Das Resultat: Die elektrische Kapazität erhöht sich mit dem Druck. Diesen Effekt können die ISC-Forscher messen. Steht der Patient beispielsweise längere Zeit auf einer Stelle, erhöht sich der Druck.

Dies erkennen die Sensoren und schicken das Messsignal über einen leitfähigen Faden an eine drahtlose Elektronik, die aus einem ASIC-Chip – kurz für ApplicationSpecific Integrated Circuit – und einem Controller besteht. Entwickelt wurde sie von Forschern des IIS. »Sie ist so gestaltet, dass bis zu 40 kapazitive Sensoren in einem sehr breiten Wertebereich mit hoher Auflösung erfasst werden können«, erläutert Johann Hauer, der zuständige Projektleiter am IIS. Der ASIC nimmt die Messdaten auf und der Controller sendet diese per Funk an ein Smartphone oder Tablet, das dem Diabetes-Patienten anzeigt, ob er seine Fußhaltung oder Belastung ändern soll.

Unumgänglich: Beständigkeit gegen Wasser und Waschmittel

»Beim derzeitigen Prototyp ist die Elektronik noch am Strumpfende befestigt. Geplant ist, sie in einem kleinen, knopfgroßen Gehäuse unterzubringen, das sich etwa durch einen Klettverschluss abnehmen lässt. Dies ist unumgänglich, solange für die Elektronik keine zuverlässige Reinigungsmethode entwickelt wurde«, sagt Brunner. Die Sensorik hingegen muss beständig gegen Wasser und Waschmittel sein. »Erste Tests zur Waschbarkeit sind geplant. Das Säubern in Desinfektionsmitteln ist kein Problem«, so der Forscher.

Auch für Sportler interessant

Die Sensorik ist von zwei Lagen Stoff umgeben, was den An- und Ausziehkomfort des Strumpfs erhöht. Sie wird durch Nähen oder Kleben in das Textil eingebracht. Die Socke selbst besteht aus einem Mischgewebe aus Baumwolle und Kunstfaser. Das Material ist atmungsaktiv, feuchteregulierend und zeichnet sich durch einen hohen Tragekomfort aus. »Dies ist wichtig, schließlich sollen Betroffene den Strumpf täglich tragen können«, beschreibt Brunner die Anforderungen an das Textil.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig: Beispielsweise eignet es sich auch für den Einsatz im Fitnessbereich. Jogger etwa könnten mit dem Strumpf mit integrierter Sensorik Laufstil und Fußhaltung kontrollieren. Die Forscher haben den Druckmessstrumpf bereits zum Patent angemeldet. Den Prototyp des Systems präsentieren sie vom 19. bis 21. Mai auf der Messe SENSOR+TEST in Nürnberg (Halle 12, Stand 537).


Quelle: Pressemeldung des Fraunhofer-Gesellschaft

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  • uho1 postete ein Update vor 2 Tagen, 3 Stunden

    Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?

  • diahexe postete ein Update vor 1 Woche, 3 Tagen

    Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?

    • Liebe diahexe,
      Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
      Viele Grüße
      Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion

    • @gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.

  • ckmmueller postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen

    Ich habe ein Riesenproblem mit den Sensoren Guardian 4 von Medtronic. Es klappt nicht. Transmitter neu, aber auch das hilft nicht. Fast jeder Sensor braucht 2 Stunden, normale Wartezeit, dann beginnt er zu aktualisieren …. Nix passiert, außer das mein BZ unkontrolliert ansteigt. Vorletzte Woche über 400, letzte Woche hatte ich BZ 510 – ein Wert, den ich über 25 Jahre nicht mehr hatte. Ich bin sehr verzweifelt, weil es mit CGM von Medtronic nicht funktioniert. Gerade warte ich mal wieder darauf, dass der neue Sensor arbeitet. Heute habe ich mich über ChatGPT über andere Pumpen und Sensoren informiert. Tandem und Dexcom 7 soll gut sein und die Wartezeit des Sensors braucht nur 30 minuten. Kennt sich jemand damit aus? Hat ähnliche Probleme mit Medtronic wie ich? Dank für Antworten / Infos

    • Hallo, ich habe ein ähnliches Problem gehabt. Samstags neuen Sensor gesetzt, hat nach 2 Stunden aktualisiert, lief dann ein paar Stunden, wieder aktualisiert und dann aufgefordert den Sensor zu wechseln. Bis Montag hatte ich dann 4!Sensoren verbraucht. Habe dann einen neuen Transmitter geben lassen und eine völlig neue Einstichstelle gewählt. Danach ging es. Mein neustes Problem ist, dass sich meine Pumpe und mein Smartphone dauernd entkoppelt und sich dann stundenlang nicht mehr koppeln lassen. Manchmal muss ich dann die App neu laden bis es wieder funktioniert.

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