- Technik
Große Fortschritte bei der Glukosemessung – aber auch für Menschen mit Typ-2-Diabetes?
3 Minuten
Seit mittlerweile über 100 Jahren ist es möglich, den Zuckergehalt im Blut zu bestimmen. Seither haben sich die Techniken zur Bestimmung der Glukose in Blut und Gewebe ständig verbessert. Allerdings haben nicht alle Menschen mit Diabetes gleichermaßen Zugang zu den modernen Technologien – obwohl Fachleute die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) zumindest zeitweilig auch bei Typ-2-Diabetes befürworten.
Kolorimeter nannte sich eines der ersten Blutzuckermessgeräte, die bereits vor über 100 Jahren im Einsatz waren. Diese Geräte wurden allerdings ausschließlich in medizinischen Einrichtungen vorgehalten. Dass Menschen mit Diabetes regelmäßig zu Hause eigenständig ihren Blutzucker messen, was damals noch völlig undenkbar: Zum einen, weil Ärztinnen und Ärzte ihren Patienten seinerzeit ihre Erkrankung niemals eigenverantwortlich hätten managen lassen. Zum anderen aber auch, weil für eine einzige Messung derart große Mengen Blut nötig waren, dass man mehrfach tägliche Messungen vermutlich nicht überlebt hätte.
Streifzug durch die Geschichte der Glukosemessung
Über diese und weitere Meilensteine in der Geschichte der Glukosemessung berichtete der Diabetestechnologie-Experte Dr. Guido Freckmann aus Ulm bei der diesjährigen diatec-Tagung Ende Januar 2023 in Berlin. Glukosetests für den Hausgebrauch gab es erst ab den 1920er Jahren in Form von Urinzuckerteststreifen. Ab den 1970er Jahren kamen die ersten Blutzuckermessgeräte auf, die für den Einsatz zu Hause vorgesehen waren. Und ab den 1990er Jahren hielten moderne Blutzuckermessgeräte Einzug, wie wir sie auch heute kennen. Vor weniger als 10 Jahren wiederum kamen die ersten Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) auf den Markt, die den Glukosegehalt im Zwischenzellwasser des Unterhautfettgewebes anstatt im Blut messen.
Wie sinnvoll ist die Blutzuckerselbstmessung bei Typ-2-Diabetes?
Wer einen Typ-1-Diabetes hat oder seinen Typ-2-Diabetes mit Insulin behandelt, hat in der Regel problemlos Zugang zu Hilfsmitteln, die für eigenständige Blut- oder Gewebezuckermessungen erforderlich sind. Anders sieht es bei einem Typ-2-Diabetes aus, bei dem Insulin nicht zum Einsatz kommt. „Bei Typ-2-Diabetes wird überwiegend die Blutzuckerselbstmessung empfohlen, aber es ist Ärzten nicht in allen Regionen möglich, die erforderliche Menge Teststreifen zu verordnen“, berichtete Dr. Freckmann. Es gebe sogar Stimmen, welche die Sinnhaftigkeit der Blutzuckerselbstmessung bei Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie generell anzweifeln. Andere Fachleute wiederum halten sie – eine gute Schulung vorausgesetzt – für absolut sinnvoll. Dabei steht ja sicherlich außer Frage, dass man Verhalten und Therapie erst dann konsequent an die Blutzuckerwerte anpassen kann, wenn man diese Blutzuckerwerte überhaupt kennt. Für die Kostenträger, sprich Krankenkassen und -versicherungen, geht es allerdings auch um viel Geld: Schließlich leben deutschlandweit mittlerweile schätzungsweise rund 8 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes.
Typ-2-Diabetes: System zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) für ein paar Wochen im Jahr?
Noch schwieriger ist es für Menschen mit Typ-2-Diabetes, die gern ein CGM-System nutzen möchten. Hier stellt sich zum einen die Frage, ob ein CGM-System sinnvoll ist, wenn bei einem Typ-2-Diabetes lediglich Basalinsulin gespritzt wird, nicht aber Bolusinsulin zu den Mahlzeiten. Wenn Menschen mit Typ-2-Diabetes eine intensivierte Insulintherapie (ICT) durchführen, wie sie auch beim Typ-1-Diabetes gang und gäbe ist, sieht Dr. Freckmann keinen Grund, ihnen ein CGM-System vorzuenthalten. Wer eine sogenannte basalunterstützte orale Therapie (BOT) durchführt, also zusätzlich zu Tabletten Basalinsulin spritzt, dürfte allerdings auch von einem CGM-System profitieren. Es muss ja nicht ständig getragen werden, oft reichen auch ein paar Wochen pro Jahr, um die Glukoseverläufe einschätzen und die Therapie anzupassen zu können. Im Fachjargon nennt man dies die ‚intermittierende Nutzung‘.
Art der Glukosemessung: Nicht nach Typ-1- oder Typ-2-Diabetes, sondern nach Behandlungsmethoden unterscheiden
Mit Blick auf die wissenschaftliche Fachliteratur erklärte der Diabetestechnologie-Experte: „Strukturierte Messungen tragen unabhängig von der Messmethode dazu bei, dass der Langzeitwert (HbA1c) sinkt.“ Dr. Freckmann schlägt deshalb vor: „Man sollte beim Zugang zur Glukosemessung nicht nach Diabetestypen, sondern nach Behandlungsmethoden unterscheiden.“ Damit Blutzucker- oder Gewebeglukosemessungen ihren Nutzen entfalten können, brauchen Anwender*innen allerdings entsprechende Schulungen. Denn nur so können sie lernen, die Effekte von Mahlzeiten mit hohem bzw. niedrigem Kohlenhydratanteil oder glykämischem Index einzuschätzen und ihr Ess- und Therapieverhalten entsprechend anzupassen. Bislang allerdings drücken sich die Kostenträger sogar um CGM-Schulungen für Menschen mit Typ-1-Diabetes herum, denen ein CGM-System nur selten verweigert wird. Sollten künftig auch mehr Menschen mit Typ-2-Diabetes Zugang zu CGM-Systemen erhalten, stünden die Krankenkassen vor noch größeren finanziellen Herausforderungen als ohnehin schon.
Glukosemessung der Zukunft: Verfahren ganz ohne Einstich oder Sensor-Tattoos?
Künftige Hoffnungsträger sind sogenannte nicht-invasive Glukosemesssysteme, die weder einen Fingerpieks, noch einen in die Haut eingeführten Sensormessfaden benötigen. Sie sollen den Blutzuckerwert mit optischen Verfahren z. B. über Smartwatches erfassen. Sie sind allerdings bislang ebenso weit von der Marktreife entfernt wie Sensor-Tattoos, die über Farbumschläge auf der Haut steigende oder sinkende Glukosewerte signalisieren.
Auch interessant zu diesem Thema:
➤ Blutzucker- und Glukosemessung: Welches System passt zu wem?
von Antje Thiel
diatec 2023
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schubidu postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 2 Tagen
Hallo zusammen,
ich möchte im Herbst auf eine Patchpump umsteigen, daher würde mich interessieren, ob jemand mit der Nano touchcare Erfahrungen machen konnte. Lieben Dank für Rückmeldungen im Voraus! -
stephanie-haack postete ein Update vor 1 Monat
Jetzt schon vormerken: Das nächste virtuelle Community-MeetUp findet am 10. Juni statt. Wir freuen uns drauf! 🙂
Alle Infos hier: https://diabetes-anker.de/veranstaltung/virtuelles-diabetes-anker-community-meetup-im-juni2026/
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tako111 postete ein Update vor 1 Monat
Ich habe Ihr Heft 1-2/2026 leider erst jetzt in die Hände bekommen und war über den Bericht auf Seite 14 „Spritzen, aber kein Insulin“ schon verwundert. Zwar nennen Sie einige mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen, jedoch fehlt ein Hinweis auf eine besonders schwerwiegende Komplikation: die Gefahr einer Schädigung des Sehnervs beziehungsweise anderer Augenstrukturen. Nach meinem Kenntnisstand kann diese Nebenwirkung unter Umständen nicht mehr reversibel sein.
Ich würde mir wünschen, dass Sie bei künftigen Berichten auch auf solche Risiken eingehen und diese entsprechend berücksichtigen. Auffällig ist zudem, dass in Ihrem Heft häufig über Menschen mit Diabetes Typ 1 berichtet wird, während der Diabetes Typ 2 deutlich weniger Beachtung findet. Darüber hinaus entsteht der Eindruck, dass die entsprechenden Spritzenmedikamente bei Typ-2-Diabetes oftmals in einem überwiegend positiven Licht dargestellt werden, ja geradezu für den Typ 2 gegenüber beispielsweise Metformin, präferiert werden.
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katrin-kraatz antwortete vor 1 Monat
Für die Augenproblematik konnte bisher keine Kausalität gezeigt werden. Hier sind weitere Studien zu erwarten, deren Ergebnisse abzuwarten sind. Außerdem ist es ein sehr seltenes Ereignis. Details sind zum Beispiel zu finden im Deutschen Ärzteblatt unter https://www.aerzteblatt.de/themen/augenheilkunde/therapie-mit-glp-1-rezeptor-agonisten-okulaere-komplikationen-sind-selten-aber-visusbedrohend-e345aa92-a4f7-4f40-8146-b2967b577504.
Wir bemühen uns, mit unseren Beiträgen ausgewogen über die Ausgaben des Diabetes-Ankers hinweg alle Menschen mit Diabetes zu informieren – mal mehr über den einen, mal mehr über den anderen Typ und auch weitere Diabetestypen. Medikamente finden ebenfalls über die Ausgaben hinweg ausgewogen ihren Raum im Heft.
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Hey, ja ich nutze aktuell das Medtrum Nano System also CGM + Patchpumpe. Zuvor hatte ich das Omnipod Dash (war schon sehr gut) aber das Medtrum System ist eine ganz andere Welt (im positiven) der Automodus läuft und hält die Werte größtenteils stabil. Auch die Auto Bolus Abgabe (nur auswählen Frühstück, mittag, Abendessen oder snack) Damit brauchst du bei bis bis zu 90g Kolenhydrate nicht mehr den Bolusrechner verwenden, kannst du aber bei Bedarf trotzdem jederzeit. Es hat mein Leben verändert, auch dass du wenn du möchtest eine Schnittstelle (smartphone eine App für Cgm+Pumpe) funktioniert einwandfrei. Das einzige wo man aufpassen muss, man sollte den Sensor gelegentlich kalibrieren. Der Dexcom g7 war ohne kalibrieren etwas genauer, aber die Vorteile vom Medtrum überwiegen. Ich kann’s nur empfehlen. Viel Erfolg beim Einstieg! Melde dich gerne falls du noch konkrete Fragen hast. Erfahrung in der Praxis hab icb schon einige Monate hinter mir.
@calvin240: Super, dass du geantwortet hast. Ich hatte vor einiger Zeit die gleiche Frage. Auch ich werde diese Pumpe ab Herbst nutzen. Bin aber absoluter Pumpenneuling. Darf ich dich bei Bedarf anschreiben? Viele Grüße aus der schönen Rhön!
@uho1: klar kannst du gerne machen. Wenn du Allgemein Pumpenneuling bist (jeder hat andere Anforderungen) aber aus meiner Sicht ist eine Patchpumpe also auch das Medtrum Nano die innovativste Behandlungsmöglichkeit.
Liebe Grüße