Mit Facebook zu früherer Diabetes-Diagnose

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Mit Facebook zu früherer Diabetes-Diagnose

In einer Studie zeigt ein Ökonomen-Team der Universität Passau, wie sich Anzeigen auf Facebook einsetzen lassen, um in Indonesien Risikopatientinnen und -patienten für Diabetes ausfindig zu machen. Sie liefern außerdem den Beleg, dass Warnungen vor den Folgen besser wirken als andere Informationen.

Facebook kann als kostengünstiger und effizienter Kanal genutzt werden, um Risikopatientinnen und -patienten für Diabetes zu erreichen. Das ergibt eine Studie, die ein Ökonomen-Team der Universität Passau in Indonesien durchgeführt hat. Die Forschenden spielten Nutzerinnen und Nutzern in den indonesischen Großstädten Jakarta und Yogyakarta Anzeigen zu, die vor den Gefahren der schleichenden Krankheit warnten. Innerhalb von nur drei Wochen erreichten die Anzeigen knapp 300.000 Nutzerinnen und Nutzer, 5.300 davon klickten auf den weiterführenden Link zu einer Webseite mit Informationen zur Krankheit und einem online Diabetes-Selbsttest.

„Auf Basis der Studie können wir sagen, dass wir einen Fall, der normalerweise nicht diagnostiziert würde, für nur 9 Dollar entdecken können“, sagt Manuela Fritz, Nachwuchsökonomin am Lehrstuhl für Development Economics an der Universität Passau, die als maßgebliche Autorin der Studie fungierte. „Die Tatsache, dass sich mit solch geringen Mitteln in so kurzer Zeit so viele Menschen erreichen lassen, macht dieses Medium insbesondere für Länder mit begrenzten Gesundheitsbudgets attraktiv“, sagt Ökonom Prof. Dr. Michael Grimm, der die Arbeit betreute und als Co-Autor daran beteiligt war.

Die Kampagne mit dem Titel „Ada Gula, Ada Diabetes“ lief von Mitte März bis Anfang April 2022. Damit Gestaltung und Wortwahl das indonesische Publikum ansprach, arbeiteten die Forschenden mit dem indonesischen Web-Designer Benedictus Praditya zusammen. Der Titel ist eine Abwandlung eines indonesischen Sprichworts und bedeutet zu Deutsch etwa, zu viel Zucker kann Diabetes zur Folge haben. Die Forschenden testeten fünf verschiedene Anzeigen. Zwei davon warnten vor den Folgen in recht drastischer und schockierender Weise, während die anderen über verschiedene Bezüge auf die Krankheit aufmerksam machten, wie etwa deren gehäuftes Auftreten in bestimmten Regionen, über die Religion oder die Familie. Am erfolgreichsten waren jene, die konkret vor den gesundheitlichen Folgen der Krankheit warnten. Bei Frauen wirkten diese Anzeigen besonders gut.

In Indonesien wissen 75 Prozent der Betroffenen nichts von ihrer Krankheit, da Symptome häufig erst in späteren Stadien der Krankheit auftauchen, so die Forschenden. Die Studie ergab, dass die Facebook-Anzeigen besonders geeignet sind, um gerade auch diese Gruppe zu erreichen. Basierend auf dem Ergebnis des von den Forschenden eingerichteten Diabetes-Selbsttests erhielten diese Personen die Empfehlung, schnellstmöglich ein Gesundheitszentrum aufzusuchen und einen professionellen Blutzuckertest durchführen zu lassen.

Die Studie, die bereits als Working Paper erschienen ist, wurde im Rahmen des EU-Horizont 2020 Projekts „Scaling-up Non-communicable Disease Interventions in South-East Asia“ – kurz SUNI-SEA – unter Leitung des Medical Centers der Universität Groningen durchgeführt, an dem auch der Lehrstuhl für Development Economics der Universität Passau beteiligt ist. Neben den Forschenden der Universität Passau wirkten noch die Informatiker Ingmar Weber, Alexander von Humboldt-Professor für Künstliche Intelligenz an der Universität des Saarlandes, und Elad Yom-Tov von Microsoft Research in Herzliya und dem Israel Institute of Technology in Haifa an der Studie mit.

EU-Projekt SUNI-SEA
Das EU-Projekt SUNI-SEA nimmt existierende Präventionsprogramme gegen Volkskrankheiten wie Diabetes in Südostasien unter die Lupe und untersucht, wie sich besonders wirkungsvolle Maßnahmen stärken und ausweiten lassen. Diabetes ist in Südostasien zur Volkskrankheit geworden. In Indonesien ist die Krankheit dritthäufigste Todesursache. Für das Projekt SUNI-SEA wurden im Rahmen der Finanzhilfevereinbarung Nr. 825026 Fördermittel aus dem Programm der Europäischen Union für Forschung und Innovation „Horizont 2020″ bereitgestellt.

Quelle: Universität Passau | Redaktion

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    • Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.

      Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:

      Freestyle Libre 3 bzw. 3+
      Dexcom G7
      Dexcom G6 (noch)
      Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
      Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
      Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
      Accu-Chek Smartguide CGM
      Medtrum Touchcare Nano CGM

      Ich würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
      Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.

  • thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen

    Hallo,
    ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
    Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
    Thomas55

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