- Technik
Umfrage zeigt konstante Zunahme von Diabetes-Technologien
5 Minuten
Kontinuierliche Glukosemessung, Flash-Glukosemessung, Insulinpumpen, automatisierte Insulin-Dosierung – immer mehr Menschen mit Diabetes nutzen diese modernen Technologien, die das Diabetes-Management erleichtern und helfen können, bessere Stoffwechselwerte zu erzielen. In welchem Ausmaß hat sich die Nutzung dieser Technologien verbreitet? Die Antwort gibt eine 2021 für den Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes 2022 durchgeführte Umfrage unter über 300 diabetologisch tätigen Ärzten.
Seit 2018 und damit nun schon zum vierten Mal wurden auch 2021 diabetologisch tätige Ärzte zum Stand der Technologisierung und Digitalisierung im Bereich Diabetes befragt, so dass mittlerweile die Ergebnisse aus verschiedenen Jahren miteinander verglichen und Trends ausgemacht werden können. Eindrucksvoll zeigen sich die Veränderungen an der Entwicklung der Nutzung neuer Technologien (kontinuierlichen Glukosemessung, Flash-Glukosemessung, Insulinpumpe, automatisierte Insulin-Dosierung (AID) und selbst gebautes AID-System.
Nutzung neuer Technologien durch Menschen mit Typ-1- und mit Typ-2-Diabetes
Schon seit der ersten Umfrage im Jahr 2018 werden die Ärzte danach gefragt, in welchem Ausmaß ihre Patienten neue Technologien nutzen. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes zeigt sich seit 2018 eine Steigerung der Nutzung von kontinuierlicher Glukosemessung (CGM) und Flash-Glukosemessung um 109 %, wobei es den größten Sprung (um 49 %) von 2018 auf 2019 gab. Im Vergleich der Jahre 2020 und 2021 fällt auf, dass insbesondere die CGM-Systeme deutlich (+32 %) zugenommen haben, der Zuwachs bei der Flash-Glukosemessung hingegen viel geringer ausfiel (+6 %)
Schaut man sich die Nutzung moderner Diabetes-Technologie 2020/2021 durch Menschen mit Typ-2-Diabetes an, zeigen sich deutlich weniger steile Anstiege – außer bei der Flash-Glukosemessung (+19 %). Insgesamt ist über den 4-Jahres-Vergleich jedoch auch die Anzahl der Menschen mit Typ-2-Diabetes, die CGM oder Flash-Glukosemessung nutzen, stark angestiegen (+191 %).
In der Grafik zu sehen ist die Entwicklung beider Patientengruppen zusammen. Grafiken, in denen Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes getrennt aufgeführt werden, finden Sie auf www.dut-report.de/umfrage-2022.

Umfragegrafik
Fazit: Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich kontinuierlich fort: Immer mehr Menschen mit Diabetes nutzen neue Technologien. Im Lauf der letzten 4 Jahre haben insbesondere CGM-/Flash-Glukosemess-Systeme deutlich zugenommen (+144 %), wobei die Methode der Flash-Glukosemessung noch immer am weitesten verbreitet ist. Hingegen fiel der Zuwachs an Insulinpumpen geringer, jedoch ebenfalls deutlich aus (+70 %).
Im Durchschnitt nutzen pro diabetologische Einrichtung im Jahr 2021 495 Menschen mit Diabetes eine Form der kontinuierlichen Glukosemessung (CGM/Flash), 102 eine Insulinpumpe und 19 ein AID-System.
Zukunft der AID-Systeme: Was denken Ärzte, was denken Patienten?
Nach den wichtigsten Themenfeldern der Digitalisierung gefragt, setzten sowohl die teilnehmenden Ärzte als auch die befragten Menschen mit Typ-1-Diabetes und die Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes die AID-Systeme an die erste Stelle. 2021 wurden die ersten (Hybrid-)automatisierten Insulindosierungs-Systeme (AID-Systeme) in Deutschland zugelassen; die Nutzung nimmt nun zu. Welche Auswirkungen werden AID-Systeme in den nächsten 5 Jahren haben? Bei der Antwort auf diese Frage gibt es bedeutsame Unterschiede zwischen den Einschätzungen von Menschen mit Diabetes bzw. Eltern und den Ärzten. So schätzen Ärzte z.B. die Auswirkung von AID-Systemen hinsichtlich der Selbständigkeit und des Empowerments von Patienten geringer ein als die Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes und Menschen mit Typ-1-Diabetes. Allerdings glauben Ärzte, dass die meisten Menschen mit Diabetes mit AID-Systemen zurechtkommen – die Patienten selbst tun dies zu einem geringeren Anteil.
Was sagen Autoren des D.U.T-Reports zu neuen Diabetes-Technologien?
Wie Menschen mit Diabetes die neuen Technologien nutzen und unter welchen Voraussetzungen die neuen Technologien auch einen Nutzen bringen, beschreiben die Diabetes-Bloggerin Lisa Schütte (Stadthagen), der Diabetologe Dr. Jens Kröger (Hamburg) und die Journalistin, Ärztin und Typ-1-Diabetikerin Dr. Katrin Kraatz (Mainz) in ihrem Artikel „Diabetes-Technologie … und die Menschen“ – und kommen dabei zu diesem Schluss: „Man sollte sich also mit den neuesten Systemen beschäftigen, wenn man sein Diabetes-Management optimieren möchte oder sogar muss. Aber es sollte einem bewusst sein, dass die neuen Systeme auch kein sofortiges Allheilmittel sind. Wer dafür bereit und offen ist, kann wunderbar von den neuen Möglichkeiten profitieren. Technologie kann Hoffnung geben, (…). Sie kann das Leben mit Diabetes vereinfachen, ein Stück weit normalisieren. (…) Aber das Nutzen der neuesten verfügbaren Technologie bedeutet auch immer, dass sich die Menschen mit Diabetes etwas Neuem stellen müssen, unabhängig davon, ob es ein Diabetes mellitus Typ 1 oder Typ 2 ist. Das heißt, dass das Interesse an der Technologie vorhanden sein muss sowie die Bereitwilligkeit, der Technik zu vertrauen und das eigene Diabetes-Management ein Stück weit abzugeben und sinnvoll zu ergänzen. Man muss bereit sein, seine Diabetes-Therapie im Zweifelsfall komplett umzuwerfen und zu überdenken. Als Grundlage sind gute Schulungen und eine individuelle Behandlung und Betreuung durch eine Fachärztin oder einen Facharzt bzw. ein Diabetes-Team erforderlich.“
Den Artikel können Sie in voller Länge hier lesen.
Die Umfrage
Zum vierten Mal nach 2018, 2019 und 2020 zeigt eine wissenschaftlich geleitete Umfrage, inwieweit digitale Anwendungen in Deutschland schon in der klinischen Praxis genutzt werden und wie Diabetologen gegenüber der Digitalisierung eingestellt sind. In diesem Jahr haben 305 Ärztinnen und Ärzte teilgenommen, die diabetologisch tätig sind. Durchgeführt wurde die Befragung vom Forschungsinstitut der Diabetes Akademie Bad Mergentheim (FIDAM) in Zusammenarbeit mit dem zukunftsboard digitalisierung der Berlin-Chemie AG und mit Unterstützung des Bundesverbandes Niedergelassener Diabetologen (BVND), des Verbandes der niedergelassenen Diabetologen Niedersachsens (VNDN), des Bundesverbandes Klinischer Diabetes-Einrichtungen (BVKD) und des Wissenschaftlichen Instituts der niedergelassenen Diabetologen (winDiab).
2021 wurden zudem Menschen mit Diabetes bzw. Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes nach ihrer Sicht auf neue Technologien und die digitalen Möglichkeiten der Diabetestherapie gefragt. 2417 Menschen mit Diabetes bzw. Eltern haben an der Umfrage teilgenommen – davon sind 57,8 % Menschen mit Typ-1-Diabetes, 20,7 % Menschen mit Typ-2-Diabetes und 19,0 % Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes. 2,5 % der Befragten gaben an, einen „sonstigen Diabetes-Typ“ zu haben. Zur Befragung eingeladen wurden Menschen mit Diabetes über verschiedene Medien (u.a. Diabetes-Journal), Selbsthilfeverbände, Pressemitteilungen und Social-Media-Aktivitäten.
Die Ergebnisse sowohl der Ärzte- als auch Umfrage unter Menschen mit Diabetes/Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes sowie weiterführende Artikel wurden im D.U.T-Report veröffentlicht; dieser ist abrufbar unter dut-report.de.
Der Digitalisierungs- und Technologiereport Diabetes
In diesem Report beschreiben die Autoren die wichtigsten Fakten und Entwicklungstrends zu verschiedenen Aspekten der Digitalisierung und Technologisierung in der Diabetologie. Durch die Beiträge wird deutlich, auf wie vielen und unterschiedlichen Ebenen Digitalisierung und Technologie mittlerweile in die Diabetestherapie eingreifen. Die Artikel sollen helfen, praxistaugliche Lösungen zu finden, die künftig zu einer modernen und patientenorientierten Diabetologie gehören können. Zudem ist die eingehende Analyse der Umfrageergebnisse ein Teil des D.U.T-Reports.

D.U.T-Report 2022
Der Report erscheint im Kirchheim-Verlag, die Herausgeber sind Prof. Dr. Bernhard Kulzer und Prof. Dr. Lutz Heinemann. Unterstützt wird der D.U.T-Report von der Berlin-Chemie AG mit seinem zukunftsboard digitalisierung (zd), mit dem das Unternehmen zusammen mit führenden Experten den Digitalisierungsprozess in der Diabetologie in Deutschland aktiv vorantreibt.
Vertreter des zehnköpfigen Zukunftsboards Digitalisierung bilden zudem die Jury für den bytes4diabetes-Award.
Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in dieser Pressemitteilung wie auch im D.U.T-Report oftmals die männliche Sprachform verwendet. Dies soll keine Benachteiligung anderer Geschlechter implizieren, sondern im Sinne der sprachlichen Vereinfachung geschlechtsneutral verstanden werden.
Quelle: Redaktion
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moira postete ein Update vor 1 Tag, 5 Stunden
Ich hatte am letzten Wochenende viel Spaß mit Bluetooth: meine Pumpe und mein Handy wollten sich 1Stunde lang nicht koppeln – bis mein Mann auf die Idee kam es könnte an den 3 Bluetooth Controllern liegen mit denen gerade im selben Raum gespielt wurde. Mit genug Abstand klappte alles wieder hervorragend. 🙄
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bloodychaos postete ein Update vor 1 Woche, 1 Tag
Hat noch jemand Probleme mit dem Dexcom G7? Nachdem ich letztes Jahr im Sommer über drei Monate massive Probleme mit dem G7 hatte bin ich zum G6 zurückgewechselt. Jetzt zum Jahreswechsel bzw. jetzt Ende Februar wollte ich dem G7 mal wieder eine Change geben. Ich war davon ausgegangen, dass die Produktionsprobleme inzwischen behoben sind. Aber spätestens am dritten Tag habe ich massive Abweichungen von 50 – 70 mg/dL. Setzstellenunabhängig. Meine aktuellen G7 wurden im Dezember 2025 produziert. Also sollten die bekannten Probleme längst behoben worden sein. Zuerst lief es die ersten Monate von 2025 mit dem G7 super, aber im Frühjahr 2025 fingen dann die Probleme an und seitdem läuft der G7 nicht mehr bei mir, obwohl alle sagen, dass die Probleme längst behoben seien und der Sensor so toll funktioniert. Ich habe echt Angst. Mir schlägt das sehr auf die Psyche. Zumal ich die TSlim nutze, die nur mit Dexcom kompatibel ist und selbst wenn ich zur Ypsopump wechsel ist da der Druck, dass es mit dem Libre3 funktionieren MUSS. Ich verstehe nicht, warum der G7 bei allen so super läuft, nur ich bin die Komische, bei der er nicht funktioniert.
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ole-t1 antwortete vor 6 Tagen, 3 Stunden
Kleine Ergänzung zum MeetUp von gestern.
Wenn ein “klassischer” Pumpenbetrieb ohne AID/Loop eine Option ist, dann tut sich eine breite Auswahl an CGM auf, die momentan auf dem deutschen Markt verfügbar sind:
Freestyle Libre 3 bzw. 3+
Dexcom G7
Dexcom G6 (noch)
Medtronic Guardian 4 (nur mit Medtronic-Pumpe)
Medtronic Simplera (nur mit Medtronic-Pumpe oder -Smartpen)
Eversense (implantiert für 1/2 Jahr, wird oft bei Pflasterallergien genutzt)
Accu-Chek Smartguide CGM
Medtrum Touchcare Nano CGMIch würde schätzen, dass die Reihenfolge ungefähr den Verbreitungsgrad widerspiegelt. Von Medtrum würde ich mir z.B. keinen grandiosen Kundenservice erhoffen. Aber wer weiß…?
Mag sein, dass ich etwas vergessen habe, aber die wichtigesten müssten dabei sein.
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thomas55 postete ein Update vor 1 Woche, 5 Tagen
Hallo,
ich habe zur Zeit die Medtronic Minimed 670G mit Libre als Sensor. Ich überlege, auf die 780G als AID mit dem Simplera umzusteigen. Hat jemand Erfahrung mit diesem Sensor? Wie sieht es mit der Verfügbarkeit aus? In der Vergangenheit wurden Neukunden der 780G nicht mit dem Simplera beliefert sondern nur Kunden, die die 780G schon länger nutzen. Das hat sich nach Aussagen von Medtronic-Mitarbeitern beim T1day heute genau umgekehrt. Mein Doc hat das vestätigt. Für mich als neuer Bezieher der 780G gut, für die Bestandskunden schlecht.
Danke vorab und bleibt gesund (von unserem Typ 1 lassen wir uns das Leben dank Technik nicht vermiesen!)
Thomas55
