Vier Schritte bis zur fertigen Studie

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Vier Schritte bis zur fertigen Studie

Bevor ein neues Medizinprodukt wie ein Blutzuckermessgerät auf den Markt gebracht werden darf, muss dessen Sicherheit untersucht werden. Dazu gibt es spezielle Richtlinien, die überall in der Europäischen Union (EU) gelten. Diese Richtlinien sehen die Durchführung von einer oder mehreren klinischen Studien vor. Diese Studien stellen somit einen kritischen Teil für die Entwicklung eines neuen medizinischen Geräts dar auf seinem Weg zu einem kommerziell verfügbaren Produkt.

Der Aufwand für die Planung, Vorbereitung, Einholung aller notwendigen behördlichen Erlaubnisse, die eigentliche Durchführung sowie die Dokumentation aller Daten, deren Auswertung und Publikation der Ergebnisse einer klinischen Studie ist erheblich. Um solche Studien, auch mit Medizinprodukten, schnell und mit einer guten Qualität durchführen zu können, werden diese zunehmend von spezialisierten Instituten durchgeführt.

Mehr als 1.000 Teilnehmer im Jahr

Das Profil Institut für Stoffwechselforschung GmbH in Neuss ist ein solches Institut. Während eines Jahres nehmen mehr als 1.000 Freiwillige, zumeist Patienten mit Diabetes, an klinischen Studien teil, bei denen die Sicherheit und Wirkung von neuartigen Medikamenten und Geräten für die Behandlung von Patienten mit Diabetes untersucht werden.

Entwicklung des Instituts

Die Ursprünge von Profil gehen auf die Abteilung für Ernährung und Stoffwechsel an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf unter der Leitung von Professor Dr. Michael Berger zurück. Eine eigene Arbeitsgruppe in dieser Abteilung begann in den 1990er Jahren, die Wirkprofile von verschiedenen Insulinen zu untersuchen. Auch neuartige Arten der Insulingabe, wie die Inhalation von Insulin, wurden in Glukose-Clamp-Untersuchungen studiert.

Die genaue und reproduzierbare Untersuchung solcher Wirkprofile mit einer automatisierten Messmethode hat nicht nur für die Zulassung solcher Medikamente eine hohe Bedeutung, sie ist auch für die praktische Behandlung der Patienten wichtig. Um der Bedeutung dieser besonderen Untersuchungsmethode gerecht zu werden und die Durchführung von klinischen Studien im Diabetesbereich weiter zu professionalisieren und auszuweiten, gründeten Professor Dr. Lutz Heinemann und Dr. Tim Heise im Jahr 1999 das eigenständige Forschungsinstitut Profil.

Vision: Behandlung und Lebensqualität verbessern

Ausgehend von sechs Mitarbeitern bei Gründung ist das Institut in den letzten 14 Jahren auf mehr als 200 Mitarbeiter angewachsen. Im Laufe der Jahre wurden fast 300 klinische Studien durchgeführt. Aktuell wurden Niederlassungen in Essen und Mainz gegründet.

Auch wenn immer noch viele Studien mit Hilfe der Glukose-Clamp-Technik durchgeführt werden, werden mittlerweile nahezu alle Aspekte der Behandlung von Diabetes und zugehöriger Erkrankungen wie Übergewicht untersucht, um der Vision von Profil näherzukommen: mit professioneller klinischer Forschung beizutragen, die Behandlung und die Lebensqualität von Menschen mit Diabetes zu verbessern.

Aus diesem Grund arbeiten bei Profil eine ganze Reihe von international anerkannten Experten z. B. aus den Bereichen Endokrinologie, diabetische Spätkomplikationen, Kardiometabolismus, Übergewicht, Ernährung und auch Medizintechnologie.

Technologische Forschung zunehmend wichtig

Gerade die technologische Forschung spielt bei Profil eine immer wichtigere Rolle, da zur Bewältigung des Alltags mit Diabetes medizinische Geräte eine immer zentralere Rolle einnehmen. Die wichtigsten Medizinprodukte für die Diabetestherapie sind Geräte zur Überwachung des Glukoseverlaufs (Blutzuckermessgeräte und Systeme zum kontinuierlichen Glukosemonitoring) und zur Insulingabe (Spritzen, Insulinpens und Insulinpumpen).

Diese Geräte werden fortlaufend verbessert und durch weitere Entwicklungen ergänzt, u. a. mit dem Ziel, eine schmerzlose Blutzuckermessung und eine selbständige Regulation des Blutzuckers (um die sich die Patienten nicht mehr kümmern müssen) zu ermöglichen. Profil ist mit seiner Abteilung "Medical Technology" unter der Leitung von Dr. Eric Zijlstra an der Entwicklung solcher Geräte und deren kritischer Evaluierung beteiligt und unterstützt Hersteller von Medizinprodukten bei allen Aspekten von klinischen Studien in diesem Bereich.

Abschnitt 1: Planung der Studie

Die Mitarbeiter von Profil, die sich gezielt um Studien mit Medizinprodukten kümmern, sind üblicherweise aktiv in die Studienplanung involviert, um zusammen mit den Geräteherstellern das Design der Studien so zu optimieren, dass auch unter strengsten wissenschaftlichen Gesichtspunkten aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden. Da die Kriterien hinsichtlich ihrer Leistungsfähigkeit bei Medizinprodukten in internationalen Richtlinien deutlich verschärft wurden, wird neben dem Studiendesign auch einer professionellen Studiendurchführung große Aufmerksamkeit gewidmet.

In detaillierten Studienprotokollen werden alle Aspekte der Studien (z. B. Studienziele, Auswahlkriterien für potentielle Studienteilnehmer und die geplanten Interventionen) und die genaue Verantwortung aller an der Studie beteiligten Partner festgelegt. Dieses zentrale Dokument ist somit für jede Studie das wichtigste Dokument und wird entsprechend gründlich von der zuständigen Ethikkommission und den zuständigen Behörden (z. B. dem Bundesamt für Arzneimittelsicherheit und Medizinprodukte, BfArM) geprüft, bevor die Studie begonnen werden darf.


Abschnitt 2: Zulassung der Studie durch die Behörden

Während die Ethikkommission primär ethische Aspekte wie eine adäquate Aufklärung und höchstmöglichen Schutz für die teilnehmenden Patienten evaluiert, prüft das BfArM auch (sicherheits-)technische Aspekte anhand des Studienprotokolls und einer ganzen Reihe von zusätzlichen Dokumenten, die detaillierte Angaben zur Technologie des untersuchten Geräts beinhalten.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass bereits für die Genehmigung der Studie (also bevor überhaupt der erste Patient in die Studie eingeschlossen wird) mehrere dicke Aktenordner an Dokumentation angelegt werden. Während die Ethikkommission ca. 10 Dokumente verlangt, sind es beim BfArM bis zu 20 Dokumente. Die gründliche Durchsicht dieser Materialien durch beide Institutionen erfolgt nach den Vorgaben durch das deutsche Medizinproduktegesetz.

Dies soll sicherstellen, dass Risiken (insbesondere die potentiellen Risiken für die Studienteilnehmer) und ein möglicher Vorteil, den Patienten mit Diabetes durch die neue Entwicklung nach einer Markteinführung hoffentlich haben, in einem guten Verhältnis stehen. Aufgrund der Komplexität der regulatorischen Vorgänge einer Studie kümmert sich bei Profil mittlerweile eine eigene Abteilung um die Einreichung von Anträgen und die Kommunikation mit Ethikkommission und Behörden.

Abschnitt 3: Studiendurchführung

Wenn alle Studienvorbereitungen erfolgreich abgeschlossen wurden, gilt es, geeignete Studienteilnehmer zu finden. Die Kontaktierung von Patienten erfolgt bei Profil durch eine eigene Abteilung, die potentiell für eine Studie geeignete Patienten aus einer Datenbank mit mehr als 21.000 Menschen heraussucht. Alle in der Datenbank registrierten Patienten und Probanden haben prinzipiell ihr Interesse an der Teilnahme an klinischen Studien bei Profil und ihr Einverständnis zur Aufnahme ihrer Daten in die Datenbank erklärt.

Wenn Patienten nach einer ersten telefonischen Information über die Hintergründe und Abläufe der klinischen Studie Interesse an einer Studienteilnahme haben, werden sie zu einer Aufnahmeuntersuchung eingeladen.

Ausführliche Information

Dabei erhalten sie zunächst noch einmal detaillierte Informationen zu der Studie in schriftlicher Form und können Fragen und Bedenken mit einem Studienarzt diskutieren, der auch die Rechte der Studienteilnehmer erläutert.

Erst wenn alle Fragen beantwortet sind und Patienten wirklich an der Studie teilnehmen wollen, unterschreiben sie eine Einverständniserklärung, bevor eine studienrelevante Aktivität erfolgt. Auch nach Unterschreiben der Einverständniserklärung und Beginn der Studienaktivität kann ein Patient seine Teilnahme an einer Studie jederzeit ohne Angabe von Gründen beenden.

Finanzielle Entschädigung

Die Studienteilnehmer erhalten am Ende der Studie eine finanzielle Kompensation für den mit der Studie verbundenen Zeitaufwand. Die Höhe der Aufwandsentschädigung ist in der Einwilligungserklärung zur Studienteilnahme beschrieben und wird somit auch von der Ethikkommission begutachtet.

Im Rahmen von Medizinproduktestudien (und auch bei Arzneimittelstudien) ist vorgeschrieben, dass eine Versicherung für jeden Studienteilnehmer für den Fall von Gesundheitsschäden abgeschlossen wird. Glücklicherweise ist bei Profil in den 14 Jahren seiner Existenz noch nie ein Versicherungsfall aufgetreten!

Patienten, die an einer Studie teilnehmen wollen, werden bei der Aufnahmeuntersuchung gründlich untersucht und es werden Blutproben zur Bestimmung von klinisch-chemischen Parametern genommen. Wenn ein Proband für die jeweilige Studie geeignet ist, also alle im Studienprotokoll beschriebenen Ein- und Ausschlusskriterien erfüllt, beginnt die eigentliche Studiendurchführung.

Je nach Studiendesign kann eine Studie nur aus einem einmaligen Aufenthalt in der Klinik von Profil bestehen. Möglich ist aber auch die Betreuung eines Patienten über mehrere Tage, manchmal sogar Wochen hinweg unter stationären oder ambulanten Bedingungen.

Abschnitt 4: Analyse, Studienberichte und Publikation

Nach dem Ende des praktischen Teils der Studie werden alle Daten, die im Rahmen der Studie erfasst wurden, in eine Datenbank überführt. Dabei werden die Daten zunächst aufwendig auf Korrektheit und Konsistenz geprüft durch "Monitore" und zahlreiche Datenbank-Checks. Erst danach erfolgt die eigentliche Datenauswertung durch Statistiker.

Die für die Auswertung verwendeten statistischen Verfahren, um die Leistung des Medizinprodukts und des erreichten Behandlungseffekts zu charakterisieren, wurden dabei bereits vor Beginn der Auswertung genau festgelegt, um eine nachträgliche Beeinflussung der Ergebnisse zu verhindern.

Studienbericht, Publikationen

Alle Ergebnisse werden in einem Studienbericht dokumentiert, wobei dieser einen Umfang von mehreren tausend Seiten aufweisen kann! Die mit der Studie betrauten Mitarbeiter von Profil präsentieren diese Ergebnisse anschließend bei nationalen und internationalen Kongressen und publizieren sie in einem entsprechenden Fachjournal, so dass die Studienergebnisse auch wissenschaftlichen Kolleginnen und Kollegen weltweit zur Verfügung stehen.

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Dr. Eric Zijlstra
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  • thomas55 postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo Philipa,
    beim Umstieg auf eine Pumpe musst du als Mensch fast genauso viele Entscheidungen treffen wie bei der ICT. Schätzfehler bleiben also. Du kannst aber die Basalrate individuell einstellen, z.B. In den frühen Morgenstunden mehr Insulin zuführen. Auch bei körperlichen Anstrengungen kannst du die Basalrate für eine Zeit stoppen, das morgens oder abends gespritzte Basalinsulin wirkt dagegen weiter. Auch bei Schätzfehlern und ansteigendem Zuckerwert kannst du einfach mit dem Drücken von Knöpfen o.ä. Insulin geben. Je nach Situation würdest du keine Spritze rausholen. Bei mir haben sich damals vor 12 Jahren beim Umstieg auf die Pumpe vor allem die Spitzen oben und unten verringert, die mein Doc damals immer als zu viel und zu groß angesehen hat. Der HbA1c, der damals entscheidende Wert, hat sich bei mir nur minimal verbessert. GMI und TIR gab es damals noch nicht, jedenfalls nicht für Patienten. Beim Umstieg auf AID haben sich bei mir GMI und TIR verbessert. Aber “automatisch” funktioniert das auch nur begrenzt. Wenn du z.B. Sport machst, kann ein AID-System die Insulinzufuhr maximal auf Null setzen, aber Zucker kann dir Pumpe auch nicht zuführen.
    Aber meine Meinung: Der Umstieg von ICT auf Pumpe war für mich eine sehr gute Entscheidung würde ich immer wieder so machen.
    Viel Erfolg
    Thomas

  • philipa postete ein Update vor 1 Monat

    Hallo zusammen,
    Ich bin neu hier und wollte fragen ob sich euer GMI Wert gebessert hat nachdem ihr eine Pumpe bekommen habt?

    • ole-t1 antwortete vor 1 Monat

      Hallo philipa,
      Nein, mein GMI nicht, aber meine “Time in happyness” 🙂
      Aber das hängt von der individuellen Situation ab.
      Bei mir war die Umstellung z.B. damit verbunden, dass ich mehr Flexibilität im Alltag zulassen konnte.
      Bei vielen anderen fällt die “Sorge” um nächtliche Blutzuckerverläufe weg.
      Aber es gibt auch viele Menschen da draußen, die ihr Leben super mit ICT “rocken”. 🙂
      Beste Grüße