- Technik
Von der Trauma- bis zur Tinnitus-App
3 Minuten
Smartphones und mobile Endgeräte liefern beim „Crowdsensing“ wertvolle Daten. Informatiker der Universität Ulm helfen nun dabei, diese für die medizinische Forschung besser nutzbar zu machen. Dabei geht es um die Entwicklung einer Softwaretechnologie zur benutzeroptimierten digitalen Datenerhebung für medizinische und psychologische Studien.
Als Stressquelle und Suchtmittel haben sie unter Medizinern einen eher zweifelhaften Ruf. Doch Smartphones können auch als Gesundheitshelfer wertvolle Dienste leisten. Sie werden bereits heute eingesetzt, um weltweit und unmittelbar Daten zu sammeln, die medizinisch verwertbar sind. Wissenschaftler der Universität Ulm arbeiten seit Jahren erfolgreich an der Entwicklung von Softwaretechnologien für maßgeschneiderte „Crowdsensing“-Apps, um die Datensammlung für medizinische und psychologische Studien praktikabler und komfortabler zu machen.
Wertvolle Erkenntnisse über Krankheitsbilder und -verläufe
„Ob in der Trauma- oder der Tinnitusforschung kann mit Hilfe von Crowdsensing wertvolle Erkenntnisse über Krankheitsbilder und -verläufe gewonnen werden“, erklärt Professor Manfred Reichert, Leiter des Institutes für Datenbanken und Informationssysteme (DBIS) an der Universität Ulm. Der Informatiker forscht mit seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Dr. Rüdiger Pryss zum Einsatz mobiler Informationssysteme in der Medizin.
Im Mittelpunkt steht dabei die Entwicklung generischer Methoden und Konzepte mit denen maßgeschneiderte Anwendungen benutzerfreundlich programmiert werden können. „Wir wollen damit Ärzten, Psychiatern und anderen medizinischen Nutzergruppen ein digitales Befragungsinstrument an die Hand geben, das sie passgenau an ihre jeweilige ‚Forschungslogik‘ anpassen können“, so Pryss, der am Institut zum Thema generische „Crowdsensing“-Konzepte habilitiert.
Gemeinsam mit Forschern aus Konstanz haben sie bereits Apps mitentwickelt, mit denen sich beispielsweise die Stressbelastung in der Schwangerschaft erfassen lässt. In einem anderen früheren Projekt ging es um Kindersoldaten in Afrika, die vor Ort mit Hilfe digitaler Fragebögen zu Traumaerfahrungen und Gewalterlebnissen befragt wurden.
„Die Papierfragebögen hätten die Wissenschaftler nie über die Grenze bekommen. Die digital erfassten Daten waren dagegen sofort im Netz und standen den Kollegen in Deutschland unmittelbar zur Auswertung zur Verfügung“, erinnert sich Reichert.
„TrackYourTinnitus“-App: Hilfestellung für Ohrgeräusch-Geplagte
Das letzte App-Projekt widmete sich einem zwar medizinisch weitaus weniger gravierendem, dafür umso verbreiteterem medizinischen Phänomen: dem Tinnitus. Die Ulmer Forscher haben in Zusammenarbeit mit der Tinnitus Research Initiative (TRI) und anderen Kooperationspartner mit der „TrackYourTinnitus“-App eine mobile Anwendung entwickelt, mit der die Nutzer nicht nur die individuelle Tinnitus-Erfahrung (‚gefühlte‘ Lautstärke und Belastung durch den Tinnitus) erfassen können, sondern auch Angaben zu Stress und Gefühlen im Tagesverlauf.
Automatisch über das Smartphone können zudem Umweltgeräusche sowie Zeit- und Positionsangaben ermittelt werden. Verarbeitet wurden diese Daten selbstverständlich in anonymisierter Form und unter Berücksichtigung strengster Datenschutzstandards.
Aus den weltweit über 500.000 Datensätzen von Tinnitus-Betroffenen ist es mittlerweile gelungen, klare Effekte aufzudecken. So fanden die Wissenschaftler beispielsweise heraus, dass sowohl Stress, Stimmung und Tageszeit die wahrgenommene Lautstärke des Tinnitus-Tones sowie die damit einhergehende Belastung beeinflussen. „Vor allem während der stillen Nachtstunden fühlen sich die Betroffenen vom Tinnitus stark gestört“, konkretisiert Pryss. Veröffentlicht wurden diese Ergebnisse bereits in mehreren Fachartikeln.
Traditionelles Software-Engineering ist bei „Crowdsensing“-Apps nicht geeignet
Die technologische Herausforderung besteht vor allem darin, anwendungsorientierte Lösungen zu finden, die ohne großen Aufwand von den wissenschaftlichen Nutzern selbst umgesetzt werden können. „Aufgrund der großen Dynamik und des hohen Anpassungsbedarfs, beispielsweise was Updates betrifft, ist das traditionelle Software-Engineering nicht geeignet“, beschreibt Institutsleiter Reichert die Problematik.
Das Ulmer Forscherteam setzt dabei auf generische Methoden und Konzepte. Mit deren Hilfe sollen Wissenschaftler, die über das „Crowdsensing“ Daten für die medizinische Forschung gewinnen möchten, Nutzeroberflächen einfach und passgenau für die jeweiligen Fragestellungen gestalten können. Die Informatiker haben dafür eine Art „App-Automat“ entwickelt, der ganz individuelle Softwarelösungen findet, und zwar zugeschnitten auf jeweils spezifische Befragungsdesigns.
Ulmer Forscher haben auch Diabetes als Anwendungsgebiet auf dem Schirm
Von der Ulmer Forschung, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Europäischen Union gefördert wird, profitieren nicht nur die Initiatoren medizinischer Crowdsensing-Studien, sondern auch einzelne Smartphone-Nutzer. So können die über das Smartphone gewonnenen Daten Patienten dabei helfen, die eigene Krankheitssituation besser einzuschätzen und herauszufinden, welche Faktoren das Krankheitsgeschehen individuell beeinflussen.
„Außerdem wird es damit möglich, passgenau zu bestimmten Symptomen über passende Behandlungsmöglichkeiten zu informieren“, erläutert Pryss. Letztendlich könnten solche technischen Hilfen vielleicht sogar helfen, Gesundheitskosten zu senken. Mit Folgeprojekte wie „Track your Diabetes“ oder einem App-Projekt zum „Mindful Walking“ für die AOK, das Menschen alltagsnah zu mehr Bewegung animieren soll, haben die Ulmer Informatiker weitere wichtige Anwendungsgebiete auf dem Schirm.
Allein für ihre Tinnitusforschung konnten die Ulmer Informatiker EU-Fördermittel von über 500.000 Euro einwerben. Bei ihrer Forschung kooperieren die Ulmer Informatiker eng mit Wissenschaftlern der Universitäten Regensburg und Magdeburg sowie der Donau-Universität Krems.
Quelle: Pressemitteilung der http://UniversitätUlm
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Technik
8 Minuten
- Behandlung
17 Minuten
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
-
anseaticids postete ein Update vor 3 Tagen, 1 Stunde
Wenn eine Diabetesdiagnose in eine Familie kommt, steht oft erst einmal alles Kopf.
Besonders für Kinder bedeutet sie eine enorme Veränderung und für Eltern die tägliche Sorge: „Wird mein Kind in der Kita oder Schule gut begleitet? Ist es sicher? Kann es trotz Diabetes unbeschwert Kind sein?“
Genau aus diesen Fragen heraus ist Hanseatic Kids entstanden: ein Herzensprojekt, das Kindern mit Diabetes im Alltag Sicherheit gibt und Familien entlastet.
Wir möchten dafür sorgen, dass kein Kind aufgrund seines Diabetes auf Ausflüge, Spielzeiten oder Schulaktivitäten verzichten muss. Unsere Begleiterinnen und Begleiter sind speziell geschult und unterstützen
individuell: beim Blutzuckermanagement, in Notfallsituationen, im Unterricht oder auf dem Pausenhof.So können Kinder lernen, wachsen und
selbstständig werden und Eltern wissen, dass ihr Kind gut aufgehoben ist.
Unsere Mission ist einfach:✔ Kindern Sicherheit geben
✔ Familien den Alltag erleichtern
✔ Kita- und Schulteams entlasten
✔ und vor allem: jedes Kind dabei unterstützen, frei und unbeschwert aufzuwachsen, trotz Diabetes.Gerade in den ersten Wochen nach der Diagnose oder wenn Unsicherheiten bestehen, sind wir an der Seite der Familien. Gemeinsam mit Eltern, Lehrkräften und Fachpersonal schaffen wir ein Umfeld, in dem Kinder sich wohlfühlen und ohne Angst lernen können.
Dieses Projekt ist für uns mehr als Arbeit, es ist eine Herzensangelegenheit. Jedes Kind hat das Recht auf Teilhabe, Freude und Freiheit. Wir möchten dazu beitragen, dass dies Wirklichkeit wird.
Wer mehr über unsere Arbeit erfahren oder Unterstützung anfragen möchte, kann sich jederzeit melden:
📧 moin@hanseatic-kids.de
📞 040 851 59 747 -
stephanie-bagehorn postete ein Update vor 6 Tagen
Passend zu den kommenden Osterferien: Ein Backtipp für die ganze Familie: https://diabetes-anker.de/eltern-und-kind/wenn-diabetes-mit-im-osternest-liegt-gemeinsames-backen-mit-den-kindern/
Wenn Diabetes mit im Osternest liegt: gemeinsames Backen mit den Kindern – Diabetes-Anker
Ostern steht vor der Tür und im Gepäck sind viele süße Versuchungen. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, wie zu starke Blutzucker-Anstiege bei Diabetes durch süßes Gebäck vermieden werden können. Selbst zu backen – erst recht gemeinsam mit den … Read more
-
othenbuehler postete ein Update vor 6 Tagen, 16 Stunden
Viele Menschen mit Typ-1-Diabetes berichten, dass sich ihr Insulinbedarf im Verlauf des Menstruationszyklus verändert – oft deutlich spürbar, aber bisher kaum systematisch erfasst.
Genau hier setzt die TIMES-Studie an. Wir möchten besser verstehen, wie sich der Zyklus auf Glukosewerte und Insulinbedarf auswirkt – und wie Betroffene damit im Alltag umgehen.
👉 Wen suchen wir?
Personen mit Typ-1-Diabetes (18–40 Jahre), wohnhaft in Deutschland, mit regelmässigem Menstruationszyklus und Nutzung eines automatisierten Insulinabgabesystems.👉 Was bedeutet die Teilnahme?
Dauer: 6 Monate, bequem alles von zu Hause aus
Erfassung von Insulin-, Zyklus- und Aktivitätsdaten
Als Dankeschön: Clue-Abo (1 Jahr), Garmin-Uhr (zum Behalten) + Aufwandsentschädigung (siehe Flyer)Mit eurer Teilnahme helft ihr, Diabetes-Technologien zukünftig besser an zyklusbedingte Veränderungen anzupassen 💙
Mehr Infos im Flyer 👇




