- Technik
Wer prüft, ob die Geräte genau messen?
2 Minuten
Viele Diabetiker, vor allem diejenigen, die eine Insulintherapie durchführen, messen regelmäßig ihre Blutzuckerwerte. Bevor Blutzuckermessgeräte in den Verkehr gebracht werden, müssen sie geprüft werden. Die CE-Kennzeichnung sagt aber nur aus, dass die Mindestanforderungen erfüllt wurden. Für die Prüfung werden die entsprechenden Dokumente vorgelegt – das Produkt selbst wird nicht geprüft. Ob ein Blutzuckermessgerät genau misst, können Nutzer an der CE-Kennzeichnung also nicht erkennen. Worauf können sich Menschen mit Diabetes sonst verlassen?
Hat ein Medizinprodukt wie ein Blutzuckermessgerät ein CE-Zeichen bekommen, erfolgt anschließend keine Kontrolle mehr. Wie Dr. Guido Freckmann aus Ulm während einer DiaTec-Fortbildung erklärte, liegt die Zulassung in den Händen des Herstellers und einer benannten Stelle, zum Beispiel dem TÜV (Technischer Überwachungs-Verein). Dem vorausgegangen ist ein Konformitätsbewertungsverfahren, mit dem garantiert wird, dass das Produkt allen anzuwendenden Vorschriften und Normen entspricht – aufgrund vorgelegter Dokumente; das Produkt selbst wird nicht überprüft. Außerdem lassen die benannten Stellen viele unterschiedliche Produkte zu – die Frage ist, mit welcher Kenntnis jeweils.
Mangelhafte Kontrolle
Aus der Zulassung folgt nun aber nicht, dass zum Beispiel zugelassene Blutzuckermessgeräte genau messen. „Wie können wir Transparenz darüber bekommen, welche Qualität unsere Produkte haben?“, fragte Freckmann. Zwar werden von unabhängigen Instituten Studien durchgeführt, die mitunter zeigen, dass die Genauigkeit nicht erfüllt ist – Publikationen dazu werden aber von manchen Herstellern nicht gern gesehen, berichtete Freckmann. Sogar Rechtsstreitigkeiten können daraus resultieren.
Wenn Unternehmen wie das „Institut für Diabetes-Technologie“ (IDT) in Ulm, das solche Studien durchführt, dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) fehlerhaft messende Geräte melden, sind die Reaktionen auch unbefriedigend, wie er berichtete. Der Diabetologe und Diabetesforscher meinte: „Eine stichprobenartige Untersuchung von Produkten würde viel bringen.“ Das wäre möglich mit einem unabhängigen Institut für die Evaluierung von Diabetestechnologie. So gäbe es Transparenz zur Qualität und bei Mängeln würden Konsequenzen gezogen.
CE-Zeichen aus China
Bezüglich der CE-Kennzeichnung machte Freckmann auf ein weiteres Problem aufmerksam: Das Design des CE-Zeichens muss bestimmten Regeln folgen. Die beiden Buchstaben liegen auf zwei Ringen, die sich schneiden, außerdem ist der Mittelstrich des E kürzer als die Ränder oben und unten. Wenn die Buchstaben vom geforderten Raster abweichen, können sie aber auch etwas anderes heißen als Conformité Européenne: China Export. Genau hinzusehen, lohnt sich also.
Bisher keine Verschärfung beim CE-Zeichen
Ursprünglich ging es beim CE-Zeichen um eine Vereinheitlichung in Europa, erklärte Professor Dr. Lutz Heinemann aus Düsseldorf. Das System funktionierte viele Jahre. Vor einigen Jahren kündigte die EU-Kommission an, Änderungen am CE-Markierungssystem vornehmen zu wollen. Unter anderem ging es um eine stärkere Überwachung der benannten Stellen durch nationale Behörden und ein Expertenteam der EU-Kommission, klarere Vorgaben und Verantwortlichkeiten für die Hersteller, die bessere Nachverfolgbarkeit von Geräten und verschärfte Vorgaben für klinische Studien.
Wie Heinemann berichtete, ist bisher aber nichts konkret passiert. Ein Problem bleibt dabei aber auch, dass zum Beispiel Kontrollen in Übersee aus finanziellen Gründen schwierig sind und Produkte, die weite Transportwege und lange Transportzeiten hinter sich haben, vor Ort nicht noch einmal überprüft werden. Um Verbesserungen zu erreichen, fordert er auch mehr Aktivität der akademischen Fachgesellschaften, um das Feld nicht nur Behörden und Industrie zu überlassen.
75 000 Stiche
Wie oft hat sich jemand bereits gestochen, der seit 30 Jahren Typ-1-Diabetes hat? Fredrik Debong, Gründer von mySugr, hat es für sich ausgerechnet: 75 000 Blutzuckertests hat er durchgeführt, dafür hat er 1,8 Liter Blut benötigt. Außerdem waren 60 000 Injektionen erforderlich. Alles wurde begleitet von 500 000 Entscheidungen. „Wir müssen als unsere eigene Bauchspeicheldrüse mehr oder weniger agieren“, machte er die Aufgabe deutlich.
Redaktion Diabetes
Kirchheim-Verlag, Kaiserstraße 41, 55116 Mainz,
Tel.: (0 61 31) 9 60 70 0, Fax: (0 61 31) 9 60 70 90,
E-Mail: redaktion@diabetes-online.de
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Ähnliche Beiträge
- Behandlung
Bericht vom t1day 2026: Technik, Menschen, Emotionen
5 Minuten
- Psyche
Menschen mit psychischen Erkrankungen erhalten häufig eine schlechtere Diabetes-Versorgung
2 Minuten
Diabetes-Anker-Newsletter
Alle wichtigen Infos und Events für Menschen mit Diabetes – kostenlos und direkt in deinem Postfach. Mit unserem Newsletter verpasst du nichts mehr.
Über uns
Geschichten, Gemeinschaft, Gesundheit: Der Diabetes-Anker ist das neue Angebot für alle Menschen mit Diabetes – live, gedruckt und digital. Der Diabetes-Anker und die Community sind immer da, wo du sie brauchst. Für alle Höhen und Tiefen.
Community-Frage
Mit wem redest du
über deinen Diabetes?
Die Antworten werden anonymisiert gesammelt und sind nicht mit dir oder deinem Profil verbunden. Achte darauf, dass deine Antwort auch keine Personenbezogenen Daten enthält.
Werde Teil unserer Community
Community-Feed
-
lelolali postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Für alle Höhen und Tiefen vor 2 Tagen, 7 Stunden
Hallo, ich bin noch ganz neu hier. Ich war heute beim T1day und bin dadurch auf den DiabetesAnker aufmerksam geworden. Ich bin Ende 20 und komme aus Berlin und bin auf der Suche nach anderen Menschen mit Typ 1 Diabetes (ungefähr in meinem Alter) zum Austauschen und Quatschen. Vielleicht hat ja jemand Interesse 🙂
-
jasminj postete ein Update vor 2 Tagen, 15 Stunden
Hi,
Ich bin Jasmin und gerade auf dem t1day 🙂 hab seit 23 Jahren Diabetes, aktuell mit Ypsopump und G7. Bin entweder in Hamburg oder Berlin anzutreffen und freue mich auf Kontakte und Austausch!-
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 7 Stunden
Hey Jasmin, ich war heute auch auf dem T1day, vielleicht hast du Lust auf Austausch 🙂
-
jasminj antwortete vor 2 Tagen, 7 Stunden
@lelolali: Ich würde mich über Austausch und Kontakte sehr freuen. Gerne hier oder anders online und ansonsten bin ich aktuell alle ein bis zwei Wochen in Berlin – also ggf. auch gerne persönlich?
Wie hat Dir der Tag gefallen? -
lelolali antwortete vor 2 Tagen, 6 Stunden
@jasminj: Ja sehr gerne! Ich kann dir hier leider keine private Nachricht schreiben (werde auf die Startseite weitergeleitet) , funktioniert dies bei dir? 🙂
-
jasminj antwortete vor 2 Tagen, 5 Stunden
@lelolali: funktioniert bei mir leider auch nicht. Ich wollte es mir morgen nochmal über die Webabsicht anschauen, vllt geht es da 🙂
-
gregor-hess antwortete vor 1 Tag, 11 Stunden
@jasminj & @lelolali: Leider funktionieren die DM aktuell tatsächlich nicht, sorry! Wir kümmern uns schnellstmöglich darum!
LG Gregor aus der Redaktion -
gregor-hess antwortete vor 21 Stunden, 4 Minuten
-
jasminj antwortete vor 19 Stunden, 55 Minuten
@gregor-hess: vielen lieben Dank! Hab es direkt ausprobiert und es sieht gut aus 🙂
-
-
galu postete ein Update vor 6 Tagen, 12 Stunden
hallo,
ich bin d«Deutsche und lebe seit ca.40jahren in Portugal… meine Tochter, deutsch portugiesin, nun 27 ist seit ihrem 11.Lebensjahr Typ1.
Nachdem ich, gleich nach der Diagnose, eine Selbsgthilfegruppe – die jungen Diabetiker der Algarve, gegruendet habe – finden wir nun so einige Beschraenkungen, was Selbsthilfe und relevante Info betrifft….meine Frage an die Gruppe:
Kann mir jemand , irgendwo in Deutschland eine gute Diabetes Kur oder Kuren mit Hauptgewicht auf Diabetes empfehlen?
Wir werden eh alles privat organsieren und bezahlen muessen – also sind eh nicht auf Krankenkassenangebote angewiesen (falls es diese ueberhaupt (wo?) geben sollte)
Irgendwo in Deutschland (vielleicht nicht zuweit weg von internationalen Flughaefen, da wir ja immer aus Portugal kommen muessen.
Hat vielleicht jemand eine Idee? vielen dank im Voraus-
connyhumboldt antwortete vor 6 Tagen, 9 Stunden
Hallo! Die beste Klinik für Diabetes ist in Bad Mergentheim! Ich hoffe Euch damit geholfen zu haben! Die Gesetzlichen Krankenkassen schicken die bei ihnen versicherten Diabetiker alle dahin! Privat geht aber auch? Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland!
-

Hey, ich bin Lara und 23 Jahre alt. Ich komme zwar nicht aus Berlin, aber bin im Mai wieder dort. Freue mich trotzdem immer über Austausch, auch wenn es digital ist. Liebe Grüße
@laratyp1life: Hallo, über digitalen Austausch freue ich mich natürlich auch 🙂