- Technik
„Wichtig ist es, Wissen häufig aufzufrischen“
3 Minuten
Auf einer Pressekonferenz des Unternehmens Sanofi sprach Dr. Stephan Kress (Landau) über die „Eckpfeiler des Diabetesmanagements“, über Probleme dabei sowie über „strukturierte Blutzuckermessung“. Wir führten danach mit ihm dieses Interview.
Diabetes-Journal (DJ): Sie als Mitglied eines Diabetes-Teams sagen: „Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen!“ Wieso nicht?
Dr. med. Stephan Kress: Wir erreichen die Zielbereiche der Blutzuckereinstellung, die Gesundheit und Wohlbefinden der Betroffenen in der Zukunft sichern können, häufig nicht. Dies gilt für den Typ-2-, noch viel mehr für den Typ-1-Diabetes.
Eine kürzlich publizierte internationale Studie mit knapp 6.000 Jugendlichen und jungen erwachsenen Patienten (Teens-Studie) zeigte, dass nur etwa ein Drittel der 8- bis 12-Jährigen und sogar nur etwa ein Fünftel der 19- bis 25-Jährigen eine zufriedenstellende Zuckereinstellung haben; Gründe hierfür liegen in allen Bereichen des Diabetesmanagements: beim betroffenen Menschen, beim unterstützenden Diabetes-Team – oder bei der Bereitstellung und Verlässlichkeit technischer Hilfsmittel.
DJ: Welche Faktoren kann ich selbst beeinflussen, welche nicht hinsichtlich der Qualität meiner Blutzuckereinstellung?
Dr. Kress: Die eigene Motivation und Disziplin zum täglichen Blutzuckerselbstmanagement ist ein Erfolgsfaktor. Dies ist nur möglich, wenn man durch eine gute Diabetesschulung auf den Alltag mit Diabetes vorbereitet wurde. Nach erfolgter Schulung ist es wichtig, das Wissen und die benötigten praktischen Fertigkeiten häufig aufzufrischen. Tägliche Bewegung und gesunde Ernährung helfen bei allen Stadien und Typen des Diabetes. Die regelmäßige Überprüfung der Blutzuckereinstellung gibt dem Betroffenen Orientierung und Motivation zur Verbesserung.
Auch moderne Messgeräte wie iBGStar mit einer mobiltelefonassoziierten Internetfunktion können im Vergleich mit Standardblutzuckermessgeräten signifikant eine HbA1c-Senkung unterstützen. Auch ein Blutzuckermessgerät mit einer HbA1c-Trenderkennung und Trendpfeilfunktion wie MyStar Extra kann Motivationshilfe sein. Die Einbeziehung von Familie und Freunden ins Diabetesmanagement sind wichtige Stützen. Auch innovative neue Medikamente würden helfen, aber immer häufiger wird eine solche Therapie aus wirtschaftlichen Gründen von politischen Gremien in Deutschland den Betroffenen versagt.
DJ: Was heißt eigentlich „strukturierte Blutzuckermessung“?
Dr. Kress: Unter strukturierter Blutzuckermessung versteht man den optimalen Einsatz der Blutzuckermessung für das Diabetesselbstmanagement für alle Diabetestherapien. Dies beinhaltet sinnvolle, von Arzt und Patienten festgelegte Blutzuckermesszeitpunkte und die Dokumentation der Messwerte sowie der Begleitumstände – wie Bewegung oder Mahlzeiten. Strukturierte Blutzuckermessung meint auch eine gelernte Interpretation der Messergebnisse und eine Handlung als Reaktion auf die Ergebnisse. Außerdem hat der betreuende Arzt mit dieser Berichterstattung der strukturierten Blutzuckermessergebnisse die beste Chance, die Diabetestherapie erfolgreich anzupassen.
DJ: Auch bei Diabetikern ohne Insulin?
Dr. Kress: Forschungsergebnisse belegen, dass auch Patienten, die noch nicht mit Insulin behandelt werden, von Blutzuckerselbstmessungen profitieren. Die Leitlinie der Internationalen Diabetes-Föderation gibt mehrere Vorschläge für eine strukturierte Messung bei Menschen mit Diabetes ohne Insulinbehandlung. Drei dieser Vorschläge wurden jetzt wissenschaftlich untersucht. Dabei zeigte das 7-Punkte-Blutzuckerprofil an drei aufeinanderfolgenden Tagen einmal pro Monat die effektivste HbA1c-Senkung, geringste Belastungen des Patienten und die beste Kosteneffektivität im Vergleich zu anderen Messstrategien. Also lieber mal an drei Tagen eine richtige Blutzuckerbestandsaufnahme durchführen als häufige Gelegenheitsblutzuckermessungen.
DJ: Wann nennt man ein Blutzuckermessgerät „präzise“ und „richtig“?
Dr. Kress: Da Menschen mit Diabetes Therapieentscheidungen anhand der Ergebnisse der Blutzuckermessung fällen, müssen eingesetzte Geräte präzise und verlässlich sein. Die Genauigkeit der Messgeräte wird bestimmt durch statistischen Fehler und die systematische Messabweichung. Die neue, strengere ISO-Norm DIN EN ISO 15197:2013 gibt den untersuchten Messgeräten ein Gütesiegel, die dann eine ähnliche Präzision wie Laborgeräte haben. Die Norm ist erfüllt, wenn 95 Prozent aller Messwerte im festgelegten Zielkorridor liegen (Kasten).
Auch die Stabilität der Blutzuckermessung gegenüber unterschiedlichen Hämatokrit-Werten (Verschiebungen des Verhältnisses von Blutzellen und flüssigen Bestandteilen) ist wichtig für verlässliche und fehlerfreie Blutzuckerwerte. Voraussetzung für den Erfolg ist eine verlässliche Blutzuckermesstechnik, die sich in verschiedenen Prüfungen der Messgenauigkeit und Stabilität bewähren muss.
Interview: Günter Nuber
Chefredakteur Diabetes-Journal
Kontakt:
Kirchheim-Verlag, Kaiserstra0e 41, 55116 Mainz, Tel.: (06131) 9 60 70 0,
Fax: (06131) 9 60 70 90, E-Mail: redaktion@diabetes-online.de
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hexle postete ein Update in der Gruppe In der Gruppe:Diabetes-Technik vor 1 Woche, 1 Tag
Hallo,
das neueste update für iOS ist inzwischen das 26.4.2. ich nutze den Dexcom g7 und die Freigabe von Dexcom ist derzeit bei 26.3.1.
Wer sein Smartohone für online banking nutzt, muss bestätigen, dass updates regelmäßig gemacht werden. Ich finde es eine Zumutung, dass die Technik von Dexcom uns da immer so hinhält. Gibt es eine offizielle Stelle, die da mal intervenieren kann? -
uho1 postete ein Update vor 1 Woche, 6 Tagen
Hat jemand bereits Erfahrungen mit der Medtrum Pumpe und dem dazugehörigen Sensor?
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diahexe postete ein Update vor 3 Wochen, 1 Tag
Hallo, ich habe mal eine Frage. Was macht ihr mit euren “Altgeräten”? Bei mir haben sich diverse Pumpen, BZ Messgerät, Transmitter usw angesammelt. Die Krankenkasse möchte sie nicht zurück, wegwerfen wäre zu schade. Kennt jemand eine Organisation, die diese Geräte annimmt?
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gregor-hess antwortete vor 2 Wochen, 3 Tagen
Liebe diahexe,
Du könntest dazu mal bei „Insulin zum Leben“ nachfragen. Das ist ein gemeinnütziger Verein, der vornehmlich Insulin, das hierzulande nicht mehr benötigt oder verwendet wird, in Weltregionen schickt, in denen großer Bedarf dafür herrscht. Soweit mir bekannt ist, nehmen die auch viele Diabetes-Hilfsmittel an. Hier findest Du die Website: https://www.insulin-zum-leben.de/
Viele Grüße
Gregor aus der Diabetes-Anker-Redaktion -
diahexe antwortete vor 2 Wochen, 2 Tagen
@gregor-hess: Vielen lieben Dank. Ich hatte schon beim Roten Kreuz nachgefragt, die wollten allerdings die BZ Messgeräte nicht, angeblich wären sie zu alt (5 Jahre), obwohl es die Geräte genauso noch gibt und sie einwandfrei funktionieren.
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crismo antwortete vor 1 Woche, 1 Tag
@gregor-hess: das ist ein sehr guter Hinweis. Ich war schon persönlich bei der Gründerin des Vereins und habe Insulin abgegeben. Diese Frau macht wirklich einen tollen Job und bringt das Insulin regelmäßig nach Afrika. Sie nimmt Insulin, Pens, Pennadeln, Lanzetten, Blutzuckerteststreifen usw…
Kann es nur empfehlen!!!
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Hallo hexle,
ich finde die Update-Empfehlungen von Dexcom auch etwas unbefriedigend.
Allerdings steht auf der Kompatibilitäts-Seite auch:
Zitat: “Sie können diese App auf jedem Betriebssystem verwenden, das die Mindestanforderungen erfüllt. Dexcom empfiehlt jedoch …”
Eine “offizielle Stelle” bei Dexcom ist mir nicht bekannt, vom generellen Kundenservice mal abgesehen.
Bei ernsthaften, tatsächlichen Funktionsstörungen gäbe es noch die Möglichkeit, eine Meldung beim BfArM zu eröffnen.
Beste Grüße
PS Ich wollte noch ergänzen: Eine aktuelle ernsthafte Funktionsstörung sehe ich hier nicht gegeben.
Sicherheits-Updates der Betriebssysteme haben immer absolute Priorität. Dexcom und Abbott sind definitv sehr langsam mit den Tests und Freigaben. Beim G7 hat Dexcom etwas an Geschwindigkeit gewonnen, aber für G6 ist noch nicht einmal Android 16 getestet, das seit einem Jahr verfügbar ist. An Medizinprodukt-Freigaben liegt das nicht und besonders seriös und professionell ist es auch nicht. Neue Smartphones kann man nur mit aktueller OS-Version kaufen und wenn die nicht freigegeben ist, kann man theoretisch gar kein Smartphone sicher für Sensor oder AID-System verwenden. So war z. B. iOS 26 lange Zeit nicht auf den Listen, aber iPhones nur mit iOS 26 erhältlich. Die Listen verlieren damit zeitweise ihren eigentlichen Nutzen. Intervenieren können Anwender/Kunden mit Beschwerden bei den Hotlines.
@ole-t1: Danke Ole für deine Rückmeldung.
@schorschlinger: Danke für deine Rückmeldung. Beschwerden bringen einen da leider auch nicht weiter….